Predigten online

Singen und Beten

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Da weiterhin die Auflagen zum Infektionsschutz während der Corona-Pandemie gelten, müssen wir auch weiterhin mit Einschränkungen bei unseren Gottesdiensten zurecht kommen. Einzelheiten dazu finden sich auf der Seite des Kultusministeriums. Wir feiern in unseren Gemeinden wieder Gottesdienst. Infos dazu auf unserer Seite "Aktuelles".

Dennoch werde ich auch weiterhin die Predigten, die ich für unsere Gemeindegottesdienste vorbereitet habe, jeweils zum aktuellen Sonntag auf dieser Seite einstellen - entweder zum Lesen direkt am Bildschirm oder zum Herunterladen als PDF-Datei, die man sich dann auch ausdrucken und ggf. weitergeben kann.

 

Wir hoffen, dass sich nun mit sinkenden Infektionszahlen die Dinge nach und nach normalisieren. 

 

Ihr Pfarrer

Thorsten Müller

Aktuelle Predigten

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  • Predigt zu Christi Himmelfahrt (13.05.2021)

    Predigt Epheser 1,20b-23

    Kanzelgruß: Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

    Das ist himmlisch

    Liebe Gemeinde!

    Am Himmelfahrtstag kann man sich ja mal Gedanken darüber machen, was das eigentlich bedeutet: Himmelfahrt. Einer beliebten Legende nach wurde der russische Kosmonaut Juri Gagarin, der als erster Mensch im Weltraum war, nach seiner Himmelfahrt gefragt, wie es denn da oben nun sei. Nikita Kruschtschow, der damalige Regierungschef der UdSSR und bekannt für seine Ablehnung der Religion, fragte Gagarin, ob er Gott gesehen habe. Gagarin antwortete: Ja! Kurz darauf stellte Alexius I., der oberste Bischof der russisch-orthodoxen Kirche, Gagarin dieselbe Frage. Gagarin antwortete ihm: Nein!

    Ist denn Gott nun irgendwo da oben? Oder doch nicht? Ist Jesus zum Himmel aufgefahren, so wie das in manchen Gemälden des Mittelalters dargestellt wird – wie Superman, mit empor gerecktem Arm in den Himmel geflogen?

    Ich denke, ganz so war es nicht. Und trotzdem hat sich an diesem Tag, 40 Tage nach Ostern, 40 Tage nachdem Jesus von den Toten auferweckt wurde, etwas ereignet. Etwas Entscheidendes und Weltbewegendes sogar – auch wenn die Welt damals nicht viel davon mitbekommen hat und das bis heute auch nicht viel anders ist.

    Predigttext

    20bGott hat Christus von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel 21über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und jeden Namen, der angerufen wird, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. 22Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, 23welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.

    Das Kommando übergeben

    Gott hat Jesus das Kommando übergeben. Das haben wir gerade gelesen. Haben Sie das schon einmal zu Ende gedacht? Ich gestehe, obwohl ich mit Konfirmanden und Schülern im Reliunterricht schon über die Aussage: „Mir ist gegeben alle Gewalt“ aus dem Matthäusevangelium nachgedacht habe, habe ich das noch nie so ganz zu Ende gedacht. Es geht hier doch um die alles entscheidende Frage, wer eigentlich Himmel und Erde in der Hand hält, wer das Geschick der Menschen in der Hand hat, wer über Zeit und Ewigkeit bestimmt. Spontan würden Glaubende Menschen sagen: Gott. Aber der Predigttext sagt uns etwas anderes. Nicht mehr Gott, der Vater, der Schöpfer von Himmel und Erde hat die Befehlsgewalt über alles, was ist. Er hat sie weiter gegeben. Jesus ist von den Toten auferweckt worden genau mit diesem Ziel. Er wurde von Gott eingesetzt als Befehlshaber, Richter und Regent über alles, was im Himmel und auf der Erde ist.

    Plötzlich bekommt die Frage: „Wie kann Gott das zulassen“ einen ganz anderen Charakter. Wenn wir zu Ende denken, müssen wir Fragen: Wie kann Jesus das zulassen?

    Wie kann Jesus zulassen, dass es so viele lebensfeindliche Mächte gibt? Wie kann Jesus zulassen, dass Menschen anderen Menschen Gewalt antun? Wie kann Jesus zulassen, dass wir Menschen Gottes gute Schöpfung ruinieren? Wie kann Jesus es zulassen, dass eine Pandemie uns in Angst und Schrecken versetzt und uns die Lebensfreude nimmt? Nicht einmal vor seiner Kirche macht das halt. Wir müssen unsere Gottesdienst mit Einschränkungen feiern, Gemeindearbeit findet, wenn überhaupt, dann nur im virtuellen, digitalen Raum statt. Wie kann Jesus zulassen, dass die gottfeindlichen Kräfte zu triumphieren scheinen?

    Vielleicht war es ja ein Fehler, ausgerechnet Jesus zum Herrn über Himmel und Erde einzusetzen. Jesus, der darauf verzichtet hat, seine Feinde mit einer Heerschaar von Engeln zu bekämpfen. Jesus, der gesagt hat, wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch die andere hin. Jesus, der den Zöllner Zachäus zu Hause besuchte, statt ihn zu ermahnen, sich an Recht und Gesetz zu halten. Jesus, der die Ehebrecherin nicht verurteilte, obwohl das Gesetz eindeutig auf der Seite der Ankläger war. Vielleicht ist Jesus ja zu weich als Weltenherrscher. Vielleicht funktioniert deshalb die Welt nach dem Recht der Stärkeren oder dessen, der das meiste Geld hat.

    Aber ist das wirklich so?

    Das Haupt der Gemeinde

    Ich glaube daran, dass Jesus es mit der Welt und den Menschen gut meint. Das kann man bei Zachäus sehen. Das kann man beim Gleichnis vom verlorenen Sohn sehen. Jesus ist der, der zweite, dritte und noch mehr Chancen zur Veränderung möglich macht. Sogar einige meiner Drittklässler haben das in der Lockdownzeit schon heraus gefunden. Jesus nimmt Menschen an und verändert sie dadurch. Das ist viel nachhaltiger als Ermahnungen. Jesus ermöglicht Leben. Das geht aber nur, wenn er nicht mit Gewalt drein schlägt. Wo drauf gehauen wird, da geht etwas kaputt. Und weil man oft nicht so genau zielen kann, gibt es bei der Anwendung von Gewalt immer auch Unbeteiligte, die mit betroffen sind. Kollateralschäden nennt man das in der Sprache des Militärs. Wenn bei einem Angriff auf die Kommandozentrale einer feindlichen Einheit nicht nur die Feinde erwischt werden, sondern auch eigentlich unbeteiligte Nachbarn. Vielleicht ist es ja doch ganz gut, dass Jesus vom Himmel herab nicht mir Gewalt und Macht regiert. Wer weiß, ob er sonst nicht auch mich treffen müsste.

    Aber wie regiert er dann? Natürlich hat er die Macht, seinen Willen durchzusetzen. Aber da steht noch ein zweiter Satz. Jesus ist der Gemeinde zum Haupt gesetzt. Jesus ist sozusagen der Kopf, wir als Gemeinde, die weltweite Christenheit als Ganzes, sind der Körper, der dazu gehört. So ein Körper kann ja verschiedenste Dinge tun. Er kann arbeiten, er kann ruhen, er kann sich freuen, er kann sich ärgern. Er kann das Leben genießen oder sich aus der Welt zurück ziehen. Gesteuert wird alles das vom Kopf, von den Funktionen des Gehirns, genauer gesagt. Jesus ist uns zum Haupt gesetzt. Er ist die Schaltstelle, die hinter dem steht, was wir als Gemeinde tun. Wenn sie jetzt fragen, was das denn ist, dann muss ich wieder auf das verweisen, was ich vorhin schon angeführt habe: Jesus ist der Ermöglicher zweiter Chancen. Warum? Weil er die Menschen liebt. Weil genau das Gottes Wille ist, das höchste Gebot von allen: Liebe Gott von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst. So steuert Jesu als Haupt seine Gemeinde. Zu Gelebter Liebe. Das ist die Art, wie Jesus seine Herrschaft über dieser Welt ausübt. Nicht mit Gewalt, sondern mit Liebe. Er gebraucht uns dazu, wenn wir uns dazu gebrauchen lassen. Vor Ostern konnte Jesus diese Liebe nur da ausüben, wo er gerade war. Er, der Gottessohn, hatte sich die Beschränkung eines menschlichen Lebens aufgelegt. Jetzt, seit Jesus bei seiner Himmelfahrt als Herrscher über alles und als Haupt der Gemeinde eingesetzt ist, kann er durch seinen Leib an vielen Stellen wirken. Vieles davon mag noch unvollkommen und unbeholfen sein. Wir sind Menschen, und wenn wir auch dem Haupt folgen wollen, so sind wir doch noch nicht vollkommen. Aber so wie seine Liebe einen Zachäus verändert hat, so verändert sie auch uns – und durch uns eine ganze Welt.

    Da wird die Herrlichkeit Gottes sichtbar. Das ist himmlisch.

    Amen.

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

    Amen.

  • Predigt zum Sonntag Rogate - Betet! (09.05.2021)

    Predigt Sirach 35,16-22a

    Kanzelgruß: Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

    Gott hört Gebet

    Liebe Gemeinde!

    Betet! So fordert uns der Name des Sonntags „Rogate“ auf. Bittet, so wird euch gegeben, das liegt diesem Namen zu Grunde. Aber wie können wir eigentlich beten?

    Manchen Menschen fällt es leicht, mit eigenen Worten zu beten. Sie haben kein Problem damit, einfach vor Gott auszubreiten, wie es ihnen ums Herz ist, worüber sie sich freuen und was ihnen Sorgen macht. Wofür sie Gott danken und worum sie bitten, sie finden leicht Worte dafür, sogar in der Öffentlichkeit einer Gebetsgemeinschaft unter anderen Glaubenden.

    Andere wiederum haben geradezu einen Knoten in der Zunge, wenn sie mit Gott reden wollen. Was kann man denn vor Gott sagen? Wie kann man mit Gott reden? Er ist doch Gott. Da kann man doch nicht so einfach daher reden. Solche Menschen können ganz schüchtern und verzagt sein, wenn sie daran denken, zu beten. So jemand würde wohl auch niemals in einer öffentlichen Gebetsrunde ein freies Gebet sprechen.

    Dann gibt es Menschen, denen es normalerweise gar nicht in den Sinn kommt, zu beten. Aber in Krisensituationen erinnern sie sich vielleicht, dass man auch mit Gott reden kann und schreien ihre Not zum Himmel.

    Zwischen diesen beiden Polen von ganz mutig und frei bis ganz vorsichtig und schüchtern im Gebet gibt es sicher noch ganz viele Abstufungen. Aber damit ist die Anfangsfrage noch nicht beantwortet: Wie können wir beten?

    Hören wir auf den Predigttext aus dem Buch Jesus Sirach 35,16-22:

    Predigttext

    16Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person
             und erhört das Gebet des Unterdrückten.

    17Er verachtet das Flehen der Waisen nicht
             noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt.

    18Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter,
             19und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, \
             der die Tränen fließen lässt?

    20Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an,
             und sein Gebet reicht bis in die Wolken.

    21Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken,
             doch bis es dort ist, bleibt er ohne Trost,

    und er lässt nicht nach, bis der Höchste sich seiner annimmt
             22und den Gerechten ihr Recht zuspricht und Gericht hält.

    Kein Ansehen der Person

    Es gibt keinen Unterschied. Gott macht keine Unterschiede zwischen Menschen. Er hört unser Gebet. Er hört die schlichten Worte eines Bedürftigen oder eines einfachen Menschen. Er hört ebenso die wohlformulierten Gebete eines Tempeldieners, eines, der Gott beruflich dient. Gottes Ohren sind offen für jeden, der mit ihm reden möchte.

    Das ist doch ein großer Trost. Kein Ansehen der Person, das heißt doch: Jeder darf mit Gott reden. Der Mensch, dem das Gebet leicht fällt und der immer etwas zu erzählen weiß, das er gerne mit Gott teilen möchte, darf mit Gott reden, wie es ihm ums Herz ist.

    Der Mensch, der um Worte ringt und im Gebet verstummt, weil er die richtigen Worte nicht findet, darf ebenso mit Gott reden. Gott hört sogar unausgesprochene Gebete. Er weiß es, wenn wir mit ihm reden wollen.

    Jeder darf zu Gott kommen. Es gibt kein Anliegen, dass zu groß wäre, und keines, das zu unwichtig und klein wäre. Gott schaut nicht auf Äußerlichkeiten. Menschen nach dem äußeren Eindruck zu beurteilen und in Schubladen zu stecken, das ist unsere menschliche Spezialität. Wir brauchen offenbar oft ein Raster, um Menschen zu sortieren. Äußere Erscheinung, Bildung, Einkommen, Kleidung, Auto usw. spielen für uns eine große Rolle. Für Gott nicht. Für Gott ist nur wichtig, dass da ein Mensch ist, der mit ihm reden möchte. Dafür nimmt Gott sich Zeit.

    Ich weiß nicht, wie es Ihnen damit geht, liebe Gemeinde, aber für mich ist das eine große Erleichterung. Auch wenn ich es nicht möchte, ich ertappe mich immer wieder einmal dabei, Menschen nach Äußerlichkeiten in Schubladen zu sortieren. Ich möchte gerne jedem Menschen offen und unvoreingenommen begegnen und spüre doch manchmal in mir, wie mir das nicht recht gelingen will, weil irgendetwas in mir ein Vorurteil auslöst. Vielleicht geht es Ihnen ja auch so. Wenn nicht, dann freuen Sie sich daran.

    Umso mehr bin ich erleichtert, dass Gott eben nicht so ist. Er fragt nicht nach einem pfarramtlichen Zeugnis, bevor er auf das Gebet seiner Menschen hört. Kein Ansehen der Person, das bedeutet in letzter Konsequenz, Gott fragt auch nicht nach Religion oder Gemeindezugehörigkeit. Jeder Mensch darf beten. Jeder darf zu Gott kommen mit seinen Sorgen und Freuden.

    Klage ist gut aufgehoben

    Wie können wir denn beten? Was interessiert Gott an unserem Leben? Gibt es Unwichtiges, das wir besser weglassen, um Gottes Zeit nicht zu verschwenden?

    Der Predigttext redet von der Klage der Menschen, die in Not sind. Diese Not kann durch ein Unglück kommen. Oft kommt sie aber durch andere Menschen. Arme sind ja nicht deswegen arm, weil sie sich das ausgesucht haben. Wer in eine arme Familie geboren wird, hat das ja nicht selbst gewählt. Die Umstände unserer Geburt sind uns vorgegeben. Niemand hat sich seine Eltern oder seine Heimat ausgewählt. Das heißt aber nicht, dass man sich in ungerechte Situationen einfach fügen muss. Es gibt Arme auf der Welt, aber es gibt auch unfassbar Reiche auf der Welt – und viele Abstufungen dazwischen. Die Reichen haben oft Macht und Möglichkeit, die Not der Armen zu lindern. Wo sie es nicht tun, wo sie die Armut durch ihr Handeln gar noch verschlimmern, da ist Grund zur Klage vor Gott. Gott erhört das Gebet der Unterdrückten. Das sollten wir ernst nehmen. Es ist vor Gott nicht egal, wie wir Menschen miteinander umgehen. Selbst wenn das Klagegebet der Armen nicht augenblicklich ihre Not lindert, bei Gott ist eine solche Klage nicht vergessen. Die Tränen derer, die ihre Not vor Gott ausbreiten, fallen nicht ungesehen. Gott verachtet die Not der Menschen nicht.

    Und schließlich ist da noch der letzte Satz des Predigttextes: Der Beter lässt nicht nach, bis Gott, der Höchste, sich seiner annimmt. Die Not einmal vor Gott ausbreiten ist gut und kann schon helfen, mit seinen eigenen Fragen besser zurecht zu kommen. Aber wir dürfen unsere Not und Klage immer und immer wieder vor Gott ausbreiten. Es wird Gott nicht lästig, wenn wir immer wieder zu ihm kommen. Im Gegenteil, wir werden sogar zu beharrlichem Gebet ermutigt. Jesus macht das auch. Er erzählt in einem Gleichnis von der bittenden Witwe, die so lange einem unwilligen Richter in den Ohren liegt, bis er endlich seine Arbeit macht. Wir dürfen uns im Gebet wiederholen, so lange, bis wir eine Antwort von Gott bekommen.

    Dienst findet Wohlgefallen

    Auch, wer keine Klage vor Gott zu bringen hat, darf natürlich beten. Wer einfach nur Gott dient und mit Gott reden will, wird von Gott gehört. Gott ist kein Wunscherfüllungsautomat für Notsituationen. Er ist einer, der helfen kann, aber unser Gott ist noch so viel mehr. Not lehrt beten, aber dabei allein soll es nicht bleiben. Das Gebet soll uns auch zu einer Beziehung mit Gott hinführen, in der wir gerne mit ihm reden. Über das, was uns freut, genauso über das, was uns Sorgen oder gar Angst macht. Jeder Mensch ist schließlich eingeladen, Gott mit seinem Leben zu dienen – so zu leben, dass man an uns erkennen kann, dass es sich lohnt, mit Gott zu reden und ihm zu dienen.

    Wie können wir beten? Ganz schlicht, gestammelt oder mit geschliffenen Worten, das spielt vor Gott keine Rolle. Entscheidend ist, dass wir nicht über Gott, sondern mit Gott reden. Wir dürfen und sollen unser Leben mit ihm teilen, so wie er seine Liebe mit uns teilt.

    Amen.

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

    Amen.

  • Predigt zum Sonntag Jubilate - Jubelt! (25.04.2021)

    Predigt Apostelgeschichte 17,22-34

    Kanzelgruß: Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

    Mit klugen Menschen über Gott reden

    Liebe Gemeinde!

    Wie kann man mit klugen Menschen über Jesus reden? Wenn ein gebildeter, kluger Mensch nicht schon gläubig ist, dann ist das gar nicht so einfach. Wie kann man überhaupt mit Menschen über den Glauben sprechen? Kann man einfach sagen: „So ist es, Jesus ist für dich gestorben und auferstanden, glaube es oder glaube es nicht. Wenn du es nicht glaubst, kommst du in die Hölle. Selber schuld.“ Diese Sätze mögen vielleicht aus dem Blick der christlichen Lehre, der Dogmatik, richtig sein, aber nicht einmal dabei bin ich mir sicher, ob es so einfach ist. Gottes Barmherzigkeit ist immer noch größer als das, was wir verstehen und lehren. Ganz gewiss sind diese Sätze aber lieblos und selbstgefällig sind sie auch. So einfach dürfen wir es uns nicht machen. Wir sind als Christen und als Kirche unseren Mitmenschen die gute Nachricht schuldig. Wir sind es ihnen aber auch schuldig, uns Mühe zu geben. Wir müssen so von Gott reden, dass unsere Zuhörer uns verstehen – und sich verstanden fühlen. Es hilft niemandem, wenn wir als Kirche Fragen beantworten, die niemand gestellt hat.

    Vielleicht lohnt es sich, einmal zu schauen, wie Paulus das gemacht hat.

    Predigttext

    22Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. 23Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.

    24Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. 25Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. 26Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, 27dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. 28Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. 29Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. 30Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. 31Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. 32Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. 33So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. 34Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

    Gut zuhören

    Wenn ich von einer Sache überzeugt bin, dann neige ich dazu, recht haben zu wollen. Das kann dazu führen, dass ich meine eigene Art zu glauben als die einzig richtige ansehe. Ich bin ja von meiner Erkenntnis überzeugt. Also muss jemand, der anders glaubt oder an etwas ganz anderes glaubt als ich, automatisch falsch liegen. Es kann ja nicht sein, dass mehrere verschiedene Einsichten richtig sein können. Vielleicht schließen sich verschiedene Glaubenssichten sogar gegenseitig aus. Dann muss meine doch richtig sein. Und das vertrete ich dann mit aller Vehemenz, die ich aufbringen kann. Widerspruch zwecklos. Ich habe recht. Sich so zu verhalten, ist eine Gefahr, in der wir Menschen immer stehen. Wir setzen uns selbst absolut. Die Einsichten des Mitmenschen haben dann keinen Raum mehr.

    Paulus hat das anders gemacht. Auch er war überzeugt, dass sein Glaube an Jesus, den Sohn Gottes, die richtige Erkenntnis ist. In dem Abschnitt vor unserem Predigttext heißt es sogar: Er ergrimmte im Geist, als er die Stadt voller Götzenbilder sah. Nach seiner Überzeugung war die ganze religiöse Vielfalt in Athen Irrglaube und Aberglaube. Nichts von all dem, was dort öffentlich an Religion zur Schau gestellt wurde, hatte vor dem biblisch und theologisch geschulten Blick von Paulus irgendeinen Wert. Und trotzdem geht er nicht her und beschimpft die Leute in Athen wegen ihres Irrglaubens. Er erzählt von seinem Glauben, ohne die anderen abzuwerten.

    Paulus hat gut beobachtet und zugehört. Er bringt den religiösen Bemühungen der Menschen in Athen Wertschätzung entgegen. Die Götter werden verehrt. Die Menschen haben einen Blick und ein Bewusstsein dafür, dass es mehr gibt als das, was wir sehen und anfassen können. Die Macht der Götter, die hinter der sichtbaren, geschaffenen Welt stehen, muss man sich gewogen machen, denn die griechischen Götter neigen in der Vorstellung der Menschen dazu, denen übel mitzuspielen, die sie nicht richtig verehren. Die Angst vor dem göttlichen Zorn steht hinter der Religion. Das erkennt Paulus an. Gut, wenn Menschen das noch wissen, dass Materialismus nicht alles ist. Gut, wenn sie sich bemühen, ein gutes Leben zu führen, das die Götter nicht erzürnt.

    Anno 2021 scheint das religiöse Bewusstsein unter unseren Mitmenschen in Deutschland immer weiter abzunehmen. So wie Paulus bei den Altären anknüpfen, das können wir nicht mehr. Was sind die Lebensfragen unserer Zeitgenossen? Mir fallen diese großen Fragen ein: Wie werden wir mit der Pandemie und ihren Auswirkungen fertig? Müssen wir dazu nicht vor allem viele Freiheiten einschränken? Von der anderen Seite her: Sind die Einschränkungen unserer Freiheitsrechte nicht übertrieben? Muss man sich dagegen nicht zur Wehr setzen?

    Eine etwas längerfristige Frage: Was kommt mit dem Klimawandel auf uns zu, wie können wir uns darauf einstellen und wie können wir verhindern, dass es noch schlimmer wird, als es sich jetzt schon andeutet?

    Eine sehr persönliche Frage: Wie kann ich mein Leben so gut wie möglich genießen und das Bestmögliche hineinlegen und herausholen, an Genuss, Erfolg, Freiheit und Spaß?

    Schön, wenn sich Menschen darüber Gedanken machen, wie sie ihr Leben gestalten wollen und welche Möglichkeiten und Grenzen da sind. Die Frage nach dem „guten Leben“ war auch die Frage der Philosophen, mit denen Paulus diskutiert hat. Damals wir heute geht es um die Frage, wie gutes, wie richtiges Leben aussieht und was wir tun müssen, damit wir ein gutes Leben führen können.

    Klug antworten

    Paulus antwortet auf die Fragen der Philosophen nach seiner Lehre gut durchdacht. Es war aus seinen Predigten auf dem Marktplatz schon klar, dass auch Paulus über die Frage spricht, wie man richtig lebt. Und nun möchte er die Gelehrten gewinnen. Er lobt sie für ihre Frömmigkeit. Er knüpft bei griechischen Dichten und Philosophen an: „Wir sind göttlichen Geschlechts“, „er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. 28Denn in ihm leben, weben und sind wir“ und bringt diese Gedanken zusammen mit Lehre der Bibel, wie Gott die Welt geschaffen hat. So weit wie möglich kommt Paulus von seinem Glauben und seinem biblischen Wissen den Gelehrten entgegen. Er sucht jede nur mögliche Denkverbindung. Gehen wir auch so weit mit Menschen, die anders glauben, anders lehren oder anders leben als wir?

    Kann ich den Querdenkern so weit entgegen kommen, dass ich ihre Fragen anhöre? Kann ich den Kritikern von Ausbau erneuerbarer Energien zuhören, ohne gleich gereizt zu reagieren, wenn sie an Dingen hängen, die ich für überholt halte? Kann ich Menschen mit einem völlig anderen Lebensstil als ich ihn habe und für richtig halte, mit Liebe und Respekt begegnen?

    Ich würde gerne behaupten: „Ja, selbstverständlich, das verlangt doch das Gebot der Nächstenliebe, dass ich jeden Menschen respektiere und seine Überzeugungen achte.“ Das ist das Ideal, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das wirklich immer durchhalte. Ich bin mir nicht sicher, ob wir das als Christen immer durchhalten, ob wir das als Kirche immer durchhalten.

    Klar bezeugen

    Der Respekt vor den Überzeugungen anderer, dass ich die Verbindung, das gemeinsame zu meiner Überzeugung suche, das setzt voraus, dass ich mir meines eigenen Glaubens sicher bin – und mich darin auskenne, was denn Glaube und Lehre der Christen ist.

    An dieser Stelle wird es schließlich doch spannend. Als Paulus dazu kommt, wie er gutes, richtiges Leben versteht und lehrt, da scheiden sich die Geister. Denn als Christen kann für uns gutes Leben nicht ohne Christus geschehen, nicht ohne Umkehr und Veränderung durch den Glauben. Wir vertrauen dem einen, den Gott von den Toten auferweckt hat und zum Retter und Richter der Welt bestimmt hat.

    Veränderung zum Guten geht nur in und durch Christus. Friede und Gemeinschaft mit Gott geht nur in und durch Christus. Anders nicht. Das ist meine Überzeugung, mein Glaube. Diesen Glauben teile ich mit Paulus, mit Petrus und mit Milliarden von Glaubensgeschwistern durch die Zeit der Kirchengeschichte bis in unsere Gegenwart. Das ist mein persönliches Bekenntnis: Das Vertrauen auf Jesus macht mich zu dem Menschen, der ich bin, zu einem geliebten und erlösten Kind Gottes. Darüber juble ich am Sonntag Jubilate, zusammen mit allen, mit denen ich diesen Glauben teile.

    Freiheit lassen

    Das Vertrauen auf Gott stellt mich auch in die Verantwortung, mein Leben gut zu gestalten, Gott an die erste Stelle zu setzen und seine Schöpfung und seine Geschöpfe mit Respekt zu behandeln – weil sie ebenso von Gott gewollt sind wie ich und ein Recht auf Leben und Freiheit und Liebe haben wie ich.

    Dazu gehört sogar die Freiheit, nein zu sagen. Nein zum Glauben an Jesus, nein zur Hoffnung auf eigene Auferstehung von den Toten, nein zu unserem christlichen Glaubensbekenntnis. Wir können den Glauben nur bezeugen – und das ist auch unsere Aufgabe. Aber wir können keinen Glauben befehlen. Glauben entsteht, wo der Geist Gottes wirkt. Und der Geist Gottes weht bekanntlich so wie der Wind, wo er will. Wir können ihm nur erbitten.

    Paulus geht am Ende einfach weg. Die meisten finden seine Überzeugung lächerlich. Die höflicheren Vertagen auf „ein andermal“, das niemals stattfindet. Ganz wenige lassen sich überzeugen. Die meisten haben ja schon einen Weg für sich gefunden, wie ihr gutes und richtiges Leben aussieht. Sie sehen im Vertrauen auf Jesus keinen Gewinn für sich. Paulus lässt das stehen. Er überlässt es Gott selbst, wie seine Rede wirkt. Aber er ist weiterhin gewiss, dass das Vertrauen auf Jesus Christus der Grund zum Jubeln ist. Jubilate!

    Amen.

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

    Amen.

  • Predigt zum Sonntag Miserikordias Domini - Barmherzigkeit Gottes (18.04.2021)

    Predigt Hesekiel 34,1-2.10-16.31

    Kanzelgruß: Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

    Gott kümmert sich

    Liebe Gemeinde!

    Wie gut kümmern Sie sich eigentlich um die Menschen, für die Sie verantwortlich sind? Ihre Kinder. Ihr Partner oder ihre Partnerin. Ihre vielleicht alt gewordenen Eltern. Freunde, die Ihre Hilfe brauchen. Untergebene im Beruf. Und schließlich, wie gut kümmern Sie sich um sich selbst?

    Das Kümmern, Versorgen, Vorsorgen – es gehört eigentlich zu unseren Wesensmerkmalen als Menschen. Menschen sind soziale Wesen. „Der Mensch ist ein Herdentier“, so sagt man. Und letztlich stimmt das auch. Kein Mensch ist eine Insel. Keiner kann auf Dauer für sich alleine existieren. Menschen, die ständig alleine leben, freiwillig, oder weil sie keine andere Möglichkeit haben, werden irgendwie sonderbar. Da reden wir dann schon auch mal von Sonderlingen.

    Aber mehr noch als soziale Wesen sind wir Geschöpfe Gottes. Wir sind sein Ebenbild, und genau deshalb gehört das „umeinander Kümmern“ zu unseren Wesensmerkmalen. Weil Gott sich kümmert, deshalb kümmern wir uns. So sollte es zumindest sein. So sagt es uns unser Gewissen oder unser Gespür. Und trotzdem: Manchmal läuft es komplett daneben.

    Predigttext

    1Und des HERRN Wort geschah zu mir: 2Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?

    10So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. 11Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. 12Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. 13Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. 14Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. 15Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR. 16Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.

    31Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.

    Besser kriegen wir es nicht hin

    Für sein Volk Israel hatte Gott Hirten bestellt. Menschen, die den besonderen Auftrag hatten, dafür zu sorgen, dass es den Menschen in Gottes Volk gut geht. Die äußeren Umstände dafür waren zunächst einmal gut. Fruchtbares, wasserreiches Land in sonst eher dürren Breiten der Welt. Für eine Agrargesellschaft, wie sie vor 2800 Jahren üblich war, beste Lebensvoraussetzungen. Eigentlich klappte das auch ganz gut. Den Menschen in Israel ging es recht gut – allerdings trat nach und nach eine Umverteilung des Wohlstands ein. Wenige Reiche, viele Arme. Die Verantwortlichen nahmen mehr als sie gaben.

    Dann gab es noch ein zweites Problem. Für uns hört sich das vielleicht weniger schlimm an als das materielle Unrecht, aber aus der Sicht Gottes wiegt es schwer: Die Hirten, dazu gehörten der König und sein Hofstaat und die Priesterschaft, nahmen den Glauben an den Gott Israels nicht ernst. Schritt für Schritt wurde das erste Gebot beiseite geschoben: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du hast und brauchst keine anderen Götter außer mir.“ Die Hirten, die verantwortlichen Führer in Israel, hätten an dieser Stelle als Vorbilder dienen sollen. Das Glaubensbekenntnis Israels lautet in der Kurzform: „Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.“ Die von Gott bestellten Führer, die Hirten, hätten nach diesem Glaubensbekenntnis handeln sollen. In der Verantwortung vor Gott ihre Aufgabe so tun, dass es zum Wohl der Menschen in ihrem Land und ihrem Volk ist. So steht es zum Beispiel in der Präambel, dem Vorwort unseres Grundgesetzes: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen […] hat sich das Deutsche Volk […] dieses Grundgesetz gegeben.“

    Aber so war es eben nicht. Die Hirten Israels lebten vor, dass sich jeder selbst der Nächste ist. Sie nahmen ihren Anteil von der Herde in Form von Steuern und Abgaben. Aber sie setzten sich nicht für Recht und Gerechtigkeit ein. Ihnen war der Respekt vor Gott abhanden gekommen. Damit war ihnen auch der Respekt vor ihrer Aufgabe und ihren Mitmenschen abhanden gekommen. Der Rest des Volkes orientierte sich daran.

    Eine Umverteilung des Vermögens von unten nach oben passiert in der Welt heute genau so, wie eine allgemeine Annahme, dass Religion und Glauben altertümlich und überflüssig ist. Viele kluge Menschen gehen sogar davon aus, dass die Welt friedlicher wäre, gäbe es gar keine Religionen, denn schließlich wird ja viel im Namen Gottes und des Glaubens gekämpft. Damals wie heute gibt es unter den Mächtigen und Einflussreichen der Welt manche, die nicht Willens sind, ihrer Verantwortung für die Welt und ihre Mitmenschen anzunehmen. Und die sogenannten „Kleinen Leute“ orientieren sich an dem, was „die da oben“ machen.

    Im Grunde geht es um das Doppelgebot der Liebe: Liebe Gott von ganzem Herzen und deinen nächsten wie dich selbst. An dieser Aufgabe waren die Hirten Israels gescheitert. Sie konnten nicht es nicht besser, sie waren eben auch Menschen mit Fehlern und Schwächen. Wir Menschen sind und bleiben verführbar. Die Skandale um fragwürdige Provisionen beim Einkauf von Schutzmasken in der Zeit der Coronapandemie führen uns das genauso vor Augen wie die immer noch nur zögerlich aufgearbeiteten Skandale um Missbrauch in der Kirche. Die Liste können sie beliebig verlängern. Jede Art von Scheitern an der eigenen Verantwortung von Menschen gehört darauf.

    Wenn es ordentlich werden soll, mach es selbst

    Die Hirten Israels sind an ihrer Aufgabe gescheitert. Für Israel führt das direkt in die babylonische Gefangenschaft. Aber es führt auch zu einer neuen Zusage Gottes. Es ist nicht alles vorbei. Den Hirten, die es nicht besser hinbekommen, entzieht Gott ihre Aufgabe. Aber er gibt sie nicht einfach anderen. Menschen sind und bleiben Menschen. Und Menschen machen Fehler, werden schuldig und versagen. Die Aufgabe der Hirten darf aber nicht scheitern.

    Gott sagt: Ich mache es selbst. Ich selbst kümmere mich um meine Herde. Ich sorge für mein Volk. Ich sammle meine Schafe wieder ein, die sich verirrt haben. Zunächst gilt das den Israeliten, die als Kriegsgefangene in Babylon leben müssen: Die Geschichte Gottes mit ihnen ist noch nicht zu Ende. Es mag zwar so aussehen, als sei das Ende erreicht. Aber bei Gott sind alle Dinge möglich. Auch eine Katastrophe ist für Gott nicht das Ende, sondern nur eine Durchgangsstation. Das soll die Katastrophe nicht klein reden. Für Israel war die Zerstörung Jerusalems und der Verlust des Tempels ein furchtbares Trauma. Aber eben nicht das Ende. Das Volk und das Land gab es wieder, und gibt es immer noch. Bis heute umstritten, zur Zeit mit wenig Aussicht auf dauerhaften Frieden, aber Israel ist immer noch da. Gott sammelt sein Volk wieder ein und kümmert sich selbst darum. Sie sollen doch erleben, dass sie sich auf ihren Gott verlassen können. Das erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott“, soll nicht Drohung, sondern Versprechen und Hoffnung sein.

    Wir Menschen können das gar nicht richtig vermitteln. Darum tut es Gott selbst. Das gilt auch in Krisenzeiten 2021. Auch in einer Pandemie, die uns ein gehöriges Maß an Geduld abfordert. Wir müssen Einschränkungen hinnehmen, die wir in unserem freien Land so seit Jahrzehnten nicht mehr kennen. Trotzdem setzt eine Krise die Güte Gottes nicht außer Kraft. Wir fragen vielleicht, wo Gottes Güte zu erkennen ist. Wir sehen Gottes Güte in dieser Situation vielleicht nicht. Aber ich bin überzeugt, sie ist trotzdem da.

    Wir habe gerade Ostern gefeiert. Da feiern wir den Sieg des Lebens über den Tod. Ostern ist die ultimative Überwindung einer Krise. Jesus hat gesagt: Ich bin der „Gute Hirte“. Der gute Hirte lässt sein leben für die Schafe. Er hat sein Leben gelassen, aber Gott hat ihn nicht dem Tod überlassen. Jesus lebt, er ist vom Tod auferstanden.

    In Jesus war Gott selbst unter uns Menschen. Er weitet die Einladung Gottes aus: Nicht nur Israel ist die Herde, sondern alle Menschen sind eingeladen, sich von Gott sammeln zu lassen und mit Jesus, dem guten Hirten, zu leben. Gott macht es selbst, weil Menschen das nicht machen können. Keiner von uns kann sich selbst oder gar andere zu besseren Menschen machen, die vor Gott stehen könnten. Aber Jesus, der Sohn Gottes und Sohn Davids, der kann es.

    Vertrauen lohnt sich

    Gott sagt: Ich will das Verlorene sammeln und das verirrte zurück bringen und das verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten.

    Gott kümmert sich. Er macht es selbst. Er gibt Jesus als guten Hirten. Wir und können ihm vertrauen. Da ist einer, der uns nicht mit tollen Versprechen lockt und hinterher abzockt. Da gibt es keinen Vertrag, in dem man genau auf das Kleingedruckte achten muss.

    Es ist allerdings uncool, ein Schaf in der Kirche zu sein. Schafe gelten als dumm, weil sie ihrem Hirten nachlaufen und angeblich keine eigene Meinung haben, zu faul sind zum selber Nachdenken. Das kommt mir manchmal vor wie der Neid der Besitzlosen und der Spott der  Ahnungslosen. Jemanden zu kennen, der gut für mich sorgt, besser als ich es selbst könnte, jemanden an der Seite zu haben, mit dem ich alles teilen kann, Freude und Leid, Sorgen und Begeisterung, Hoffnung und Zweifel – das ist es, was „Glauben“ bedeutet. Wer glaubt, vertraut Jesus, der sich selbst der „Gute Hirte“ nennt und der alles für seine Schafe einsetzt, sogar sein Leben. Wer sich diesem Hirten anvertraut, der weiß, was gut ist.

    Amen.

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

    Amen.

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Ältere Predigten

Glaube und Religion

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Großer Saal mit Blick auf die Fenster des abtrennbaren Lempp-Saals

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Hausandacht

Hier finden Sie einen Vorschlag für eine Hausandacht während des Läutens der Betglocke um 19:30 Uhr. Zum Lesen des vollständigen Textes einfach auf die Überschrift klicken.

 

  • Vorschlag zum Gebet in den Häusern

    Vorschlag zum Gebet in den Häusern

    Wir laden gemeinsam mit allen evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Baden-Württemberg jeweils um 19:30 Uhr mit dem Läuten der Betglocke unserer Kirchen zum Gebet ein. Das Hausgebet könnte z.B. so aussehen:

     

    Einer: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes"

     

    Alle: Amen.

     

    Eine Kerze wird entzündet und ins Fenster, möglichst zur Straße hin, gestellt.

     

    Einer: Wir beten in der Stille

     

    (Gebetsstille)

     

    Alle: Vater unser im Himmel ...

     

    Alle oder Einer: Luthers Abendsegen

     

    "Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde."

     

    Einer: Der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen in Christus Jesus.

     

    Alle: Amen.

     

Gottesdienste und andere geistliche Online-Angebote

Die folgende Linkliste verweist auf eine Reihe von Online-Gottesdiensten und geistlichen Angeboten. Wir dürfen zwar inzwischen wieder Gottesdienste in unserer Kirche feiern, aber vielleicht sind diese Angebote trotzdem für Sie interessant.

Angebote der Ev. Landeskirche Württembergs:

Gemeindeleben online

YouTube-Kanal "online-kirche württemberg"

Fernseh-Gottesdienst im ZDF:

ZDF-Mediathek - Gottesdienst

Angebote auf Bibel TV:

Bibel TV Live-Gottesdienst

Bibel TV Gottesdienst-Archiv

Ideen zur Gestaltung einer Hausandacht:

Eine Liturgie für ein Tagzeitengebet, wie sie im Stift Urach, dem Einkehrhaus unserer Landeskirche gefeiert wird, finden Sie unter hier.