Predigt für Ostersonntag, 04. April 2021 von Pfarrerin Irmtraut Riedel

Liebe Gemeinde;

 

zu jedem Leben gehört die Erfahrung, dass es bedroht ist und dass wir das Gefühl haben, am Ende zu sein. Doch Ostern besagt: auch da, wo wir an unsere Grenzen stoßen, kann Gott auf überraschende Weise neue Wege eröffnen.

 

Von dieser nahezu österlichen Erfahrung ist in der Bibel nicht erst im Neuen Testament die Rede. Auch die Menschen, von denen uns im Alten Testament erzählt wird – also lange bevor Jesus auf die Erde kam, haben Gott kennen gelernt als den, der aus tödlicher Bedrohung befreit und dem Leben eine neue Perspektive gibt.

 

Der heutige PT steht im 2. Buch Mose, im 14. und 15. Kapitel. Viele Jahre hatten die Israeliten dem Pharao in Ägypten als Sklaven gedient. Jetzt hat Gott sie durch Mose heraus führen lassen. Ein gutes Stück Weg durch die Wüste liegt schon hinter ihnen. Doch nun stehen sie vor einem großen Hindernis, das allem Anschein nach ihrem Traum vom neuen Leben ein Ende macht. Vor ihnen liegt das Schilfmeer – und hinter sich sehen sie, dass die Truppen des Pharao sie verfolgen.

 

Da packte sie das Entsetzen, und sie schrien zum HERRN um Hilfe.  Zugleich machten sie Mose bittere Vorwürfe: »Gibt es etwa in Ägypten nicht genug Gräber für uns? Warum führst du uns hierher? Wir sollen wohl hier in der Wüste sterben!« Doch Mose antwortete: »Habt keine Angst! Verliert nicht den Mut! Ihr werdet erleben, wie der HERR euch heute rettet.«

 

Dann streckte Mose seine Hand über das Wasser aus; da ließ der HERR einen starken Ostwind aufkommen, der das Meer zurücktrieb und den Meeresboden zu trockenem Land machte. Das Wasser teilte sich, und die Israeliten konnten trockenen Fußes mitten durchs Meer ziehen. Links und rechts von ihnen türmten sich die Wassermassen wie Mauern auf. Die Ägypter jagten den Israeliten nach.

 

Da sprach der HERR zu Mose: »Streck deine Hand noch einmal über das Meer aus, damit das Wasser zurückkehrt und die Wagen und Reiter der Ägypter überflutet!« Mose gehorchte. Da strömte das Wasser wieder zurück und überfluteten die Streitwagen und Reiter des Pharaos, die den Israeliten ins Meer hinein gefolgt waren. … So rettete der HERR die Israeliten an diesem Tag vor den Ägyptern.

 

Damals sangen Mose und die Israeliten dieses Lied zu Ehren des HERRN: »Ich will dem HERRN singen, denn er ist mächtig und erhaben, Pferde und Reiter warf er ins Meer! Der HERR ist meine Rettung und Kraft, er lässt mich fröhlich singen. Er ist mein Gott, ihn will ich preisen! Er ist der Gott meines Vaters, ihn allein will ich ehren.

 

Ist das Ostern: Schadenfreude über den Untergang der Verfolger? Nein. Sicher nicht. Nicht der Untergang der Ägypter ist es, worum es in dieser Erzählung geht. Es geht um die Rettung von Menschen aus einer ausweglosen Situation. Es geht darum, dass Menschen, die zwar schon auch an Gott glauben – die aber an einem konkreten Punkt ihres Lebens Zweifel haben – Gott kennen lernen als den, der stärker ist. 

 

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Predigt für Karfreitag, 02. April 2021 von Pfarrerin Irmtraut Riedel

Liebe Gemeinde; dass wir seit einem Jahr in einer Krise leben, deren Fortgang und Ausgang nicht abzusehen ist – das mag man schon fast nicht mehr hören. Auch die ständigen neuen Regelungen kann man kaum mehr nachvollziehen, so schnell ändern sie sich.

 

Aber ganz ehrlich: ich möchte in dieser Zeit keine Politikerin sein. Ich möchte nicht verantwortlich sein und meinen Kopf hinhalten für das Krisenmanagement. Und so im Kreuzfeuer der Kritik zu stehen: das will ausgehalten sein.

 

Ich bin wirklich gespannt, wie die Wahlen in diesem Jahr noch ausgehen, Und ich frage mich: Wie muss denn einer aussehen – was muss er oder sie können und ausstrahlen, damit wir dieser Person zutrauen, der Verantwortung im Kanzleramt gewachsen zu sein und Entscheidungen so zu treffen, dass die Menschen geschützt – und zufrieden! – sind?

 

Wer wird uns aus der Krise führen? Wer kann unsere Probleme lösen und uns frei machen von unseren Sorgen, Ängsten und Schuld? – Diese Frage ist in biblischer Zeit so aktuell wie heute. Und – erstaunlich genug: sehr oft sind es gerade diejenigen, denen man es am wenigsten zugetraut hat, die dann zum Retter, zum Erlöser und Befreier werden.

 

Mose – ein flüchtiger Totschläger und nach eigener Aussage mit Worten wenig überzeugend – er ist es, der die Israeliten aus Ägypten führt.

 

David – ein Hirtenjunge – wird direkt vom Feld weg zum König gekrönt. Und noch vor seinem Amtsantritt nimmt er es mit einem Goliath.

 

Und Jesus – der in einem Stall geborene Sohn der Maria, aufgewachsen bei Josef, einem Zimmermann aus Nazareth, wird zum Heiland, zum Messias, wird Sohn Gottes genannt. Er wird zum Retter der Menschheit. Nicht, indem er, wie seine Anhänger hoffen, die Römer vertreibt. Sondern ganz im Gegenteil: indem er getötet wird; indem er sich hingibt – und indem er sich ganz Gott anvertraut.

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Predigt für Sonntag, 07. März 2020, Okuli von Pfarrerin Gudrun Ederer (Abschiedsgottesdienst)

Meine Augen sehn stets auf den Herren, haben wir gebetet. Es ist gut, seinen Blick auf Gott zu richten, meint auch der Verfasser des heutigen Predigttextes. Ja, wir werden sogar dazu aufgerufen, Gott nachzuahmen.

Geht das überhaupt? Was passiert, wenn man sein will wie Gott, haben uns schon Adam und Eva und die Schlange gezeigt… Schöpfer spielen, sich allmächtig fühlen – all diese Versuche haben so viel Unheil in der Welt angerichtet.

Geht das? Gott nachahmen?

 

Unser heutiger Predigttext beschreibt, wie es gehen kann:

 

Ahmt Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.

Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts;

Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Eph. 5,1-2;8-9

 

 

Liebe Gemeinde,

ahmt Gott nach, so beginnt also unser Predigttext. Als Gottes Kinder sollen wir seine Nachahmer sein, das ist der Schlüssel zu diesem merkwürdigen Gedanken.

Wir sollen nicht „sein wie Gott“ - womit die Schlange die ersten Menschen verführte. Wir sollen ihm nicht gleichen, aber wir dürfen ihn nachahmen, so wie eben auch Kinder ihre Eltern nachahmen. Von Anfang an lernt man nicht anders als durch Nachahmen - und auch als Erwachsenem tun einem Vorbilder immer wieder gut.

 

Wie können wir Gott nachahmen? Gemeint ist nicht, dass wir seine Allmacht nachahmen sollen oder dass wir uns als Schöpfer der Welt versuchen sollen. Gemeint ist vielmehr, dass wir nach Gottes Wesen sehen und uns danach richten: Gottes Wesen ist die Liebe. Also:

So seid nun Gottes Nachahmer als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe!

Das Nachahmen fällt einem umso leichter, wenn man spürt, das Vorbild ist ehrlich und man wird ernst genommen und geliebt. Ein Vater, der einem Höflichkeit eintrichtert und selber insgeheim abschätzig über seine Mitmenschen denkt, macht es seinem Kind nicht leicht, ihn nachzuahmen. Eine Mutter, die fest gefügte Meinungen hat und keine anderen neben sich duldet, wird ihrem Kind schwer Toleranz vermitteln können.

Ein gütiges Wesen, Toleranz, Gottvertrauen und Fröhlichkeit, die ein Kind von den Eltern an sich selbst spürt, wird es umso lieber nachahmen.

 

Güte, Freundlichkeit, Barmherzigkeit und Vergebung spüren wir von Gott unserem Vater. Wir wissen uns geliebt. So können wir auch seine Liebe nachahmen.

 

Das hat Konsequenzen für unser Leben. Das strahlt aus. Wie die Strahlen eines Lichtes. Ursprung und Lichtquelle ist Gott. Und wir sind Kinder des Lichts. Und dann können wir gar nicht unser Licht unter den Scheffel stellen. Dann wird etwas davon sichtbar, wie man lebt aus der Liebe dessen, der höher ist als alles, was wir uns vorstellen können.

 

Okuli – Meine Augen sehen: Im Licht Gottes sehe ich im Rückblick so viel Schönes, was aus Morsbach ausstrahlt.

Aufgeregte, fröhliche Kindergesichter sehe ich an den Gemeindefesten drüben am Gemeindehaus.

Und den glänzenden Gockel- unsere neue Turmzier auf dem sanierten Kirchturm. Jetzt glänzt er leider schon nicht mehr. Aber die Erinnerung strahlt- jedenfalls in mir – noch ganz lebendig. Wissen Sie es noch, wie wir auf das Gerüst gestiegen sind und Zimmerer und Flaschner den Gockel an seinem neuen Ort angebracht haben?

Meine Augen sehen das Licht Gottes, seine Bewahrung in all den Sanierungsarbeiten an unserer Kirche. 

 

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Gebet zur Corona-Krise

Heiliger Gott, Schöpfer und Erhalter allen Lebens! Du hast uns ins Dasein gerufen. Ehe der Welt Grund gelegt war, hast du uns gekannt. Dein guter Plan der Schöpfung, Erlösung und Vollendung stand schon von Ewigkeit her fest.  Würdest du deinen Odem abziehen, würden sofort vergehen alle deine Geschöpfe.

 

Wir haben es nicht verdient. Danke für deine väterliche Güte und Barmherzigkeit. Täglich und reichlich hast du uns mit Essen und Trinken, Kraft, Mut, Gesundheit, Kleidung, Wohlstand, Bildung und medizinischer Pflege versorgt und am Leben erhalten bis zur Stunde. Danke für jeden Tag. Danke für den Frieden. Danke für die Freiheit. Danke für den Wohlstand. Danke für dein Wort. Danke für jeden Trost. Danke für deine Menschwerdung.  Danke für Ärzte, Schwestern, Pfleger, Sanitäter, Sprechstundenhilfen, die sich um die Kranken kümmern! Danke für alle Lebensmittelhändler, Postboten, Frisöre und alle, die eine Grundversorgung weiterhin möglich machen!

 

Menschen haben Angst in diesen Tagen. Ein Virus breitet sich aus und hat schon viele Tote gefordert. Deine Allmacht hat es nicht verhindert. Menschen fragen nach dem Grund. Sollte dein Gericht die Sünde strafen? Sollte es Menschen zur Besinnung bringen, Übermut, Irrwege, Gottlosigkeit beenden wie beim Turmbau zu Babel und bei der Sintflut? „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine.  Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“ (Ps 139) „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.  Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.“ (Ps 51)

 

Aus der Not der Coronakrise bitten wir für alle Infizierten um dein Erbarmen. Für alle daran Verstorbenen bitten wir: Vollende dein gutes angefangenes Werk! Erreiche mit deinem Trost alle Angehörigen und Erschrockenen.  Lass im Gericht deine Gnade triumphieren! Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden und unser Leben nach dir ausrichten! Bewahre uns davor zu verzweifeln.  Vielmehr hilf uns, auf dich und deine Hilfe zu trauen und niemals an deiner Liebe und Treue in Jesus Christus zu zweifeln oder irre zu werden!  Für Ärzte, Pfleger, Schwestern und alle Helfer bitten wir um deinen besonderen Schutz und Segen. Politikern gib Weisheit und Besonnenheit für ihre Entscheidungen in diesen Tagen. Lass uns gelassen bleiben, das Wesentliche suchen und ein Ja haben zu deinem unerforschlichen Willen, der du in Jesus Christus gesagt hast: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“.

 

 (Pfr. Erdmannsdörfer nach Luthers Rat, Gebete als „vierfaches Kränzlein“ –nach dem „Rosenkranz“- zu gestalten: Lehre, Dank, Beichte, Bitte zu einem bestimmten Bibelvers oder Thema, im aktuellen Fall „Corona“)

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