Predigt für Sonntag, 11. April 2021, Quasimodogeniti von Pfarrerin Irmtraut Riedel

Das Beste wir sein, dass wir – sobald das irgendwie geht – wieder zu unserem normalen Alltag zurückkehren.“

 

Liebe Gemeinde;


die Sehnsucht nach einem geregelten Tagesablauf mit gewohnten Tätigkeiten ist bei vielen Menschen groß: nach einem Jahr Coronakrise; aber auch, wenn sich im Privatleben Entscheidendes verändert hat: durch den Eintritt in den Ruhestand; durch einen Todesfall in der Familie; nach längerer Krankheit.

 

Aber einfach wieder da weiter zu machen, wo man vor einiger Zeit aufgehört hat, das ist gar nicht so einfach, wenn man eine größere Unterbrechung hinter sich hat. So vieles kann sich in der Zeit verändert haben; und auch ich bin nicht mehr dieselbe wie vor dem Einschnitt.

 

Ganz ähnlich erging es den Jüngern Jesu, nachdem Jesus gestorben war. Ja, sicher, sie haben ihn inzwischen schon ein, zwei Mal gesehen. Sie wissen, dass er auferstanden ist. Aber sie wissen auch: so wie früher wird es nie mehr sein. Was also tun? Was anfangen mit diesem so anders gewordenen Leben?

 

Der Evangelist Johannes berichtet: Einige der Jünger Jesus waren am See Genezareth beieinander: Simon Petrus, Nathanael, die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. „Ich gehe fischen“, sagt Petrus. „Wir kommen mit“, sagen die anderen. Was soll man auch machen, wenn nichts mehr ist, wie es war? Am besten das, was einem vertraut ist; wo man genau weiß, was zu tun ist; wo jeder Handgriff sitzt und man als eingespieltes Team ohne viele Worte ein gemeinsames Ziel verfolgt. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

 

Das ist nicht ungewöhnlich. So etwas kommt öfter vor. Und doch mag es sein, dass es die Jünger an einen anderen denkwürdigen Tag erinnert. Den Tag, an dem sie Jesus kennen gelernt haben. Auch da hatten sie die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen. Und dann stand da dieser Mann am Ufer. Dass er vom Fischfang keine Ahnung hat, das sah man gleich. Und doch gehorchten sie ihm, als er sagte: Fahrt noch einmal hinaus. Am helllichten Tag. Und sie machten den Fang ihres Lebens. So hatte es angefangen. Damals haben sie alles liegen und stehen lassen und sind mit Jesus mitgegangen. Es war eine wunderbare Zeit. Jetzt aber ist Jesus fort. Und diesmal können sie nicht mir ihm gehen. 

 

Die ganze Predigt lesen Sie hier.

Predigt für Ostermontag, 05. April 2021 von Dekan Dr. Friedemann Richert

Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln, 2Und ich sah einen starken Engel, der rief mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen? 3Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun noch es sehen. 4Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hineinzusehen. 5Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Lö­we aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel. 6Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Wesen und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. 7Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, derauf dem Thron saß. 8Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räu­cherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, 9und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stäm­men und Sprachen und Völkern und Nationen 10und hast sie unserm Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht, und sie werden herr­schen auf Erden.n Und ich sah, und ich hörte ei­ne Stimme vieler Engel um den Thron und um die Wesen und um die Ältesten her, und ihre Zahl war zehntausendmal zehntausend und viel-tausendmal tausend; ndie sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob, 13Und jedes Geschöpf das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! uUnd die vier Wesen sprachen: Amen! Und die Altesten fielen nieder und beteten an. Offenbarung 5,1-14

 

Liebe Gemeinde,

man braucht langen Atem, um sich auf die­sen Predigttext einzulassen. Fern ist seine Welt, fern sind seine Worte und Bilder. Ge­schrieben hat ihn einst Johannes, ein Jünger Jesu, der wegen seines Glaubens an die Auf­erstehung Christi auf der Insel Patmos in Verbannung leben musste. Dieser Johannes tritt ganz hinter seinen Worten zurück, die er in Form eines Bilderzyklus zum Aus­druck bringt: So sehr Johannes auf das Se­hen setzt - mittels seiner Bilder und Visio­nen - so sehr ist er zugleich ein Hörer. Johannes also ein Zeuge des Hörreiches des Glaubens: Später hat darum Luther gesagt: [..]

 

Die ganze Predigt lesen Sie hier.

Predigt für Ostersonntag, 04. April 2021 von Pfarrer Uwe Haag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. (2.Kor 13,13) AMEN

 

„Gott will die Menschen und diese Welt nicht auf immer ihrem Dunkel überlassen.

Gott ruft neu ins Leben. Gott holt sein Volk aus der Unterdrückung ins verheißene Land.  Gott befreit aus Bitterkeit hin zum Glück, verwandelt Trauer in Freude, führt aus der Finsternis ans Licht.“

 

Liebe Gemeinde,

mit diesen oder ähnlichen Worten wurde auch heute Morgen in vielen Osternachtsfeiern eine der drei Lesungen aus dem Alten Testament eingeleitet.

 

Dann erklang in der noch dunklen Kirche der Text aus dem 2. Buch Mose, den wir vorhin als Schriftlesung gehört haben (2.Mose 14,8-14;19-23;28-30a;15,20-21)

 

Wir werden mit hineingenommen in den Weg des Volkes Israel aus der Knechtschaft in eine neue Freiheit.

 

Am Seder-Abend, am Vorabend der jüdischen Pessach- oder Passa-Woche fragt bis heute das jüngste Kind:

„Warum unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächten?“.

Und der Vater antwortet mit der Erzählung der Errettung der Israeliten aus der Knechtschaft in Ägypten.

Prägend, religionsstiftend, wie ein roter Faden zieht sich das Wunder am Schilfmeer durch die Geschichte des Gottesvolkes für alle Zeit und Ewigkeit.

 

Schon einmal hatte Gott auf wundersame Weise die Chaosmächte der Urflut begrenzt und in ihre Grenzen gewiesen (1.Mose 1):

1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.

3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.

4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis 5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.   …

9 Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an einem Ort, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so.

10 Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer.

Und Gott sah, dass es gut war.“

 

Darum noch einmal- speziell auch für uns:

„Gott will die Menschen und diese Welt nicht auf immer ihrem Dunkel überlassen. Gott ruft neu ins Leben. Gott holt sein Volk aus der Unterdrückung ins verheißene Land.  Gott befreit aus Bitterkeit hin zum Glück, verwandelt Trauer in Freude, führt aus der Finsternis ans Licht.“

 

Bedrohlich, lebensbedrohlich war die Situation am Schilfmeer, die Nerven vieler lagen blank.

(2. Mose 14,10-11)

10 Als die Israeliten den Pharao und seine Truppen heranziehen sahen, packte sie das Entsetzen, und sie schrien zum Herrn um Hilfe.

11 Zugleich machten sie Mose bittere Vorwürfe:

"Gibt es etwa in Ägypten nicht genug Gräber für uns? Warum führst du uns hierher?

Wir sollen wohl hier in der Wüste sterben!

Was hast du uns nur angetan!  Warum hast du uns aus Ägypten herausgeholt?“

Ein roter Faden, der Rettung verspricht, zieht sich durch diese Welt.

Reicht er auch bis zu uns?

Erreicht diese Botschaft von der Begrenzung der Chaosmächte auch uns an diesem Osterfest?

 

 

Die ganze Predigt lesen Sie hier.

Predigt für Karfreitag, 02. April 2021 von Dekan Dr. Friedemann Richert

Liebe Gemeinde,

es gibt Geschichten, die erzählt man nicht. Es sind die demütigenden, schrecklichen Geschichten unseres Lebens, gegen deren Erinnerung sich alles in uns sträubt. Es sind Geschichten von Leid, Schmerz und Schuld, von Enttäuschungen vom gebrochenen Wort, von Verletzungen der Seele und des Leibes. Vielleicht sind wir darin Täter, Opfer oder Getriebene? Vielleicht geht es um unse­re persönliche Geschichte mit unserer Fami­lie, in die wir verstrickt sind. Das Leiden der Menschen ist von Schuld nicht zu trennen: Weil wir es verursachen. Weil wir es nicht verhindern. Weil wir es nicht wenden. Oder weil wir es nicht aushalten.

Es gibt Geschichten, die erzählt man nicht.

Es ist gut, dass wir solche Geschichten hint­anstellen können und dabei unsere Seelen schonen. Denn man kann nicht immer we­sentlich sein. Dennoch reden diese Ge­schichten in uns selbst, treten manchmal un­scheinbar aus uns heraus: eingezeichnet in unsere Gesichter, greifen ein in die Stim­mung unseres Lebens. Schuld gehört zu uns, sie klebt an allen Fasern unseres Lebens. Schuld bedrückt und macht einen das Leben schwer. Schuld will man loswerden.

Wer einmal ernsthaft über die Schuld des Lebens nachgedacht hat, der erkennt den tiefen Sinn in der christlichen Lehre von der Erbsünde des Menschen. Menschliches Le­ben ist schuldhaftes Leben. Diese schwere Erkenntnis führte übrigens in China des 5. Jahrhunderts v. Chr. zu einer Reihe von öf­fentlich-rituellen Selbstverbrennungen von buddhistischen Mönchen, um die Schuld und Sünden aller Lebewesen zu sühnen, wie sie sagten.

 

Die ganze Predigt lesen Sie hier.

Predigt für Gründonnerstag, 01. April 2021 von Pfarrer Uwe Haag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus

und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Liebe Gemeinde,

eine eigenartige Stimmung liegt über diesem Gründonnerstag.

Aus den bekannten Gründen wurde er von den politisch Verantwortlichen nun doch nicht im Rahmen eines Osterlockdown zum freien Tag erklärt.

 

Gründonnerstag - im christlichen Festkalender in der Karwoche traditionell der Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahls.

In der Schriftlesung haben wir gehört, was der Evangelist Matthäus darüber zu erzählen weiß.

Schriftlesung und Predigttext (Matthäus 26, 17-30):

17 Aber am ersten Tag der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen:

Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten?

18 Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passamahl halten mit meinen Jüngern.

19 Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm.

20 Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen.

21 Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.

22 Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln zu ihm zu sagen: Herr, bin ich's?

23 Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten.

24 Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird!

Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre.

25 Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's, Rabbi?

Er sprach zu ihm: Du sagst es.

26 Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.

27 Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; 28 das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.

29 Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.

30 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

 

 

 

Liebe Gemeinde,

wie im letzten Jahr, in dem gar kein Gottesdienst möglich war, feiern wir auch in diesem Jahr kein Abendmahl.

Zu kostbar ist es uns und zu wichtig die Erkenntnis der Reformatoren, dass Jesus uns einlädt, es in beiderlei Gestalt zu feiern, also  mit Brot und Wein.

Der Wein soll nicht einigen wenigen Auserwählten vorbehalten sein:

Matthäus 26,26-28

„26 Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.

27 Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; 28 das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“

 

Alle Versuche, das Heilige Abendmahl in der Pandemie dennoch zu feiern, werden nach meinem Empfinden der Würde und Bedeutung dieses Sakraments nicht gerecht.

Und so bleibt, auch bei mir, eine schmerzliche Sehnsucht, weil auch mir die innige Erfahrung dieses Gemeinschaftsmahles fehlt.

 

Die ganze Predigt lesen Sie hier.

Predigtarchiv

 

Ältere Predigten finden Sie im Archiv.