Predigt für den 20. Sonntag nach Trinitatis, 25. Oktober 2020 von Pfarrer Uwe Haag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Liebe Gemeinde,

wenn Zeit bleibt, schaue ich mit meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden den Kurzfilm „Auf der Suche nach dem verlorenen Sonntag“.

Der Film führt uns ins Jahr 2050 n.Chr. und erzählt von einer Gesellschaft, in der alles der Gewinnmaximierung untergeordnet ist.

 

Schülerinnen und Schüler werden von einem Time-Management-Pädagogen mit Hilfe modernster Elektronik überwacht, um zu überprüfen, ob sie ihre Zeit auch genügend zielorientiert und effektiv verbringen.

 

Julius und seine Freundin Lilli bekommen damit jedoch Probleme: weil sie sich wegen ihrer übervollen Stundenpläne nicht mehr sehen konnten, hatte Julius Unterricht geschwänzt.

 

Julius erinnert sich in dieser Situation an seinen Opa, in dessen Kirchengemeinde noch Gottesdienste gefeiert werden und fragt ihn, ob er ihnen eine Entschuldigung schreiben würde.

Sein Opa schreibt ihnen dann zwar keine Entschuldigung für ihr Schwänzen, behauptet aber gegenüber einer staatlichen Überwachungsperson, die plötzlich auftaucht, dass Julius und Lilli häufiger an den Gottesdiensten teilnehmen würden und dafür frei bräuchten.

Danach erklärt der Opa seinem Enkel und dessen Freundin den Ursprung und die Bedeutung des Sonntags und Julius und Lilli finden eine neue Perspektive für ihr Leben.

 

Ich frage mich manchmal, liebe Gemeinde:

Sind wir nicht auch irgendwie auf der Suche nach dem „verlorenen Sonntag“?

Der Sonntag- gibt es ihn noch oder haben wir ihn in unserer Gesellschaft auch schon verloren?

 

Viele haben zum Glück in unserer Gesellschaft einfach frei. Ist das schon Sonntag?

 

Hier höre ich einen Hochdruckreiniger, dort wird in der Garage der Ölwechsel gemacht, im Garten gibt es noch so viel zu tun, endlich Zeit für die Hausarbeit, regelmäßig sonntags einkaufen fänden manche auch ganz praktisch  und zur Bewältigung der gigantischen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hört man hier und da Stimmen, die eine Abschaffung dieses freien Tages fordern.

 

Die ganze Predigt lesen Sie hier.

Predigt für den 19. Sonntag nach Trinitatis, 18. Oktober 2020 von Pfarrerin Gudrun Ederer

Liebe Gemeinde, 

was macht Christen zu Christen?

Die Antwort fällt zuerst ganz leicht: die Taufe.

Aber woran erkennt man einen Christen? Wie sieht und spürt man mir das an? Was macht das Leben eines Christen aus?

 

Der Epheserbrief hilft uns bei der Antwort darauf mit einem Bild:

Hören Sie den heutigen Predigttext, Eph. 4, 22-32, ich lese ihn in Auszügen aus der Basis-Bibel:

 

II

Deshalb sollt ihr den alten Menschen ablegen, denn er entspricht der früheren Lebensweise. ….23 Lasst euch stattdessen dadurch erneuern, dass der Heilige Geist in eurem Verstand wirkt. 24Und zieht den neuen Menschen an wie ein neues Kleid. Denn er ist nach Gottes Bild geschaffen und dadurch fähig zu wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

25 Deshalb sollt ihr die Lüge ablegen und »jeder soll seinem Nächsten die Wahrheit sagen«. Denn wir alle sind Glieder am Leib von Christus. 26»Euer Zorn soll nicht dazu führen, dass ihr Schuld auf euch ladet! «Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen….<u5:p></u5:p>

 

29 Kein böses Wort soll über eure Lippen kommen. Vielmehr sollt ihr stets ein gutes Wort haben, um jemanden aufzubauen, wenn es nötig ist. Dann bringt dieses Wort denen Gnade, die es hören.

 

III 

Jetzt habe ich es an, dieses neue Kleid, den neuen Menschen. Ich freue mich darüber. Ich fühle mich wohl darin. Es ist bequem. Nichts zwickt. Es sieht schön aus. Andere bewundern mich.

Es wäre töricht (blöd), wenn ich mich damit nun zurückziehen und verstecken würde. 

Es passte nicht, wenn ich ein griesgrämiges Gesicht dazu machte.

Nein: ich werde so leben, wie es dem neuen Kleid, dem neuen Menschen entspricht. Ich werde stets ein gutes Wort haben, um jemanden aufzubauen, wenn es nötig ist.

Warum sind gute Worte eigentlich so wichtig? Ist es nicht wichtiger, etwas zu tun? 

Worte haben Macht. Sie können heilen oder zerstören. Aufbauen oder niederdrücken. 

 

Und was gesagt ist, ist gesagt. 

 

Wie gut tut es, einschlafen zu können, ohne dass zuvor zornige Worte gesprochen waren. Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen ist daher ein guter Rat.

Mich beeindruckt, wenn mir beim Hochzeitsjubiläum Menschen mir dies als Geheimnis einer guten Ehe erzählen, sich abends immer versöhnt zu haben. Ich bin sicher, solche gesprochenen Worte waren wichtiger als manche sprachlose Tat.

 

Die ganze Predigt lesen Sie hier.

Predigt für den 17. Sonntag nach Trinitatis, 04. Oktober 2020, Erntedank von Pfarrer Uwe Haag

Ich mag die Geschichte von Max.

Und ich finde, sie hat mehr mit uns zu tun, als wir zunächst meinen.

Auf der einen Seite wirkt alles weltfremd und aus der Zeit gefallen.

So war Landwirtschaft bei uns früher mal.

 

In so manchem bäuerlichen Familienbetrieb ist vielleicht der Hofhund der einzige, der alles so genießen kann wie Max in unserer Geschichte.

Ansonsten überwiegt der Kampf ums Überleben gegen Preisdruck und Antragsformulare- von den Veränderungen des Klimas ganz zu schweigen.

 

Die Steigerung von billig, billiger lautet nicht am billigsten, sondern:

billig, billiger, ungerecht

oder billig, billiger, Unrecht.

 

Die grünen Kreuze vieler Bauern auf ihren Feldern sind echt und ernst.

Wert-Schätzung ihrer Wert-vollen Arbeit sieht anders aus.

 

Erntedank – Ernte und Dank.

Meinen Grundschülern auf Taläcker oder meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden versuche ich ein Gespür dafür zu vermitteln wie wunderbar es ist, sein eigenes Leben und die ganze Schöpfung als Geschenk Gottes zu begreifen.

Und damit bin ich dann wieder bei Max.

Max staunte immer mehr als er gespürt hat:

„Die Hand des Himmels ist da, damit alle leben konnten… Wie schön, dass es ihn gibt, diesen Gott!... Wie schön es ist, hier zu sein und all das zu hören und zu sehen und davon zu wissen.“

 

Wer sich als Geschöpf und die Erde und das Universum als Schöpfung begreift, ist in der Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts angekommen.

 

Nicht ungezügeltes, rücksichtsloses Wachstum löst die großen Fragen der Menschheit, sondern die Einsicht und das Gespür dafür müssen wachsen, dass Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung Zukunft eröffnen.

 

Mit anderen Worten:

„Erntedank for future“ 

 

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