Die Osterkerze in der Johanneskirche

Jesus Christus spricht: Ich lebe, und ihr sollt auch leben.
(Joh. 14,19)

 

 

Von der Idee zum Motiv

Ich heiße Irene Stirn und gestalte seit vielen Jahren für die gesamte Kirchengemeinde die Osterkerzen. Zwei Stück im Jahr, eine für die Johanneskirche und im Wechsel eine für Gaisbach oder die Taläcker.

Mir wird freie Hand für die Wahl des Motivs gelassen. Und die Motivsuche beginnt meist schon wieder, wenn Ostern gerade erst Vergangenheit ist. Ich hole mir Anregungen in anderen Gemeinden und bei Osterkerzen-Herstellern. Aber die besseren Ideen, man verzeihe es mir, kommen in Gottesdienstbesuchen, die mein Herz und meine Seele anrühren. Dann kann es passieren, dass ich nach dem Gottesdienst ganz aufgeregt meinen Zettel und Stift aus der Tasche ziehe oder bei Frau Tanase um dergleichen bitten muss, um mir eine kleine Zeichnung oder Notiz zu machen. Es kann im Urlaub sein, beim Besuch einer interessanten Kirche oder auch beim Betrachten einer Landschaft. Und all diese kleinen und größeren Zeichnungen wandern in eine Kiste. Viele davon wandern auch in den Papierkorb.

Meine endgültige Entscheidung fällt im Januar, wenn ich die Kerzenrohlinge direkt in Würzburg abhole oder sie mit DHL geliefert wurden. In diese Entscheidung fließt mit ein: was habe ich in den letzten Jahren so ähnlich schon mal gemacht, was passt zu den Menschen in der Gemeinde, was treibt mich persönlich um?

Dabei ist es mir sehr wichtig, dass mein Bauchgefühl, mein Herz und mein Kopf im Gleichgewicht sind.


In der Johanneskirche stand im letzten Jahr eine Kerze, da hat dieser Prozess drei Jahre gedauert. Steht nun das Motiv, zeichne ich es mit Bleistift in Originalgröße und übertrage dies komplett oder auch in kleineren Einzelheiten auf Butterbrotpapier. Mit diesem Papier und einer Prickelnadel wird es auf die Wachsplatten gestochen und mit der Nadel oder einem Skalpell ausgeschnitten und auf einem Brett zusammengesetzt. Auch arbeite ich mit Knetwachs, Wachsspachtel und Wachsfarben. Wenn der Hintergrund auf die Kerze aufgebracht und das Wachsplattenmotiv fertig ist, wird alles auf der Kerze angebracht. Als letztes bekommen alle Osterkerzen ihre Jahreszahl.

Die Osterkerzen in diesem Jahr haben den Lichtmess-Segen in der kath. Kirche St. Paulus erhalten. Als Motiv sehen wir auf der Kerze für die Taläcker: ΙΧΘΥΣ für Jesus Christus Gottes Sohn Erlöser.


Und die Johanneskirche bekommt dieses Jahr den Christkönig. Das war einer der schnellsten Entwürfe, die ich bisher für eine Osterkerze fertig hatte. Jesus sitzt auf einem Regenbogenthron, unter seinen Füßen die Erde, die rechte Hand zum Segen geöffnet, in der Linken ein Buch mit Hostie und Kelch. Über Jesus das göttliche Dreieck mit dem Α und Ω und der Taube für den hl. Geist. Betrachten Sie die Osterkerzen ruhig genau; sie sollen zum Nachdenken und Stille werden einladen.

 

Erläuterungen zur Osterkerze von Pfarrerin Gudrun Ederer

Die Osterkerze ist Zeichen für das Licht, das vom auferstandenen Christus ausgeht. Sie brennt in jedem Gottesdienst – denn jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest.

Auf jeder Osterkerze sind traditionell Kreuz, die Buchstaben Alpha und Omega, Nägel und die Jahreszahl zu sehen. Alpha und Omega haben wir auch hier: es sind der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, der Sprache, in der das Neue Testament verfasst wurde. A und O - Anfang und Ende. Das ist Gott. Er ist am Anfang der Welt da und am Ende. In letzten Buch der Bibel sagt Christus: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende (Offb. 22,13). Irene Stirn hat die beiden Buchstaben in das Dreieck gesetzt, dass die göttliche Dreieinigkeit symbolisiert. Am Ostern triumphiert das Leben über den Tod. Aber das Sterben, das Leiden ist in dieser Welt noch sichtbar. Daran erinnern die Nägel des Kreuzes – hier die Ausmessungen des Kreuzes andeutend: Oben, unten, links und rechts.

2020: Ein Jahr der Gnade – auch wenn es im Moment nicht so aussieht und viel Angst herrscht. Die Jahreszahl auf der Osterkerze sagt: Unser Hier und Jetzt soll von Christus bestimmt sein.

Die Künstlerin setzt jedes Jahr noch mehr um. Wir sehen auf der Kerze Jesus auf dem Regenbogenthron sitzen. Der Regenbogen, Zeichen des Alten Bundes wird so verbunden mit Christus und dem Neuen Bund. Seine Füße ruhen auf der Weltkugel – und geben damit zum Ausdruck: Christus ist der Erlöser der Welt. Die rechte Hand hat er zum Segen erhoben – darin ist deutlich sichtbar noch das Nägelmal – wie auch auf den Füßen. In der linken Hand hat Christus ein geöffnetes Buch. In den Ikonen der Ostkirche oder in mittelalterlicher Kunst sind darauf manchmal Buchstaben zu lesen. Irene Stirn hat sich für Hostie und Kelch entschieden – Zeichen für das Abendmahl. Und so verbindet sich auf einzigartige Weise, was für uns Christen wichtig ist: Wort und Sakrament.
Bibel, Taufe und Abendmahl. Hören, Fühlen und Schmecken.

 

Über Christus schwebt die Taube – Sinnbild für den heiligen Geist. Sinnbild dafür, dass Gott Himmel und Erde durchdringt, gestern und heute. Christus sitzt vor himmelblauem Hintergrund in einem Heiligenschein aus goldenem Licht. Dieser hat die Form einer Mandorla (auf Deutsch: Mandel).

Der segnende Christus, der uns einlädt, auf sein Wort zu hören und das Mahl mit ihm zu feiern, geleite uns in dieser Osterzeit und alle Tage.