Sonntag, 05.04. – Palmsonntag (6. Sonntag der Passionszeit)

Wochenspruch: "Der Menschensohn muß erhöht werden, auf daß alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben." | Johannes 3,14b.15
Sonntagsthema: Jesus, der Schmerzensmann

Wochenlied: Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken (Gesangbuch Nr. 91)

Wochenpsalm: Philipperhymnus (Gesangbuch Nr. 764)
Christus Jesus, der in göttlicher Gestalt war,
hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,
sondern entäußerte sich selbst
und nahm Knechtsgestalt an,
ward den Menschen gleich
und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.
Er erniedrigte sich selbst
und ward gehorsam bis zum Tode,
ja zum Tode am Kreuz.
Darum hat ihn auch Gott erhöht
und hat ihm den Namen gegeben,
der über alle Namen ist,
daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie,
die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,
und alle Zungen bekennen sollen,
daß Jesus Christus der Herr ist,
zur Ehre Gottes, des Vaters.

Gebet
Ewiger Gott. Du bist dir nicht zu schade gewesen, in Christus den Weg zu uns Menschen auf dich zu nehmen - hinein in eine Welt, in der sich so viel Bedrückung findet: Vergeblichkeit, Unrecht, Leiden und Schmerz, Versagen, Schuld und Tod. Doch Christus ist seinen Weg in Liebe zu uns Menschen bis zum bitteren Ende gegangen und hat sich hingegeben bis ans Kreuz.
Christus ruft uns auf seinen Weg, doch uns überkommt oft Angst, ihm zu folgen. Wir möchten lieber eigene Träume verwirklichen. Wir verschließen unsere Augen oft vor der Wirklichkeit und möchten deine Weisung zur Liebe nicht gelten lassen. Öffne uns das Ohr, daß wir hören, so wie Jünger hören. Gestalte du unser Leben, daß es Zeugnis geben kann von unserem Glauben. Führe uns zu Christus hin.
Wir bitten für die Leidenden in aller Welt: Wir nennen dir heute besonders die Hungernden, die Unterdrückten, die Überarbeiteten, die Verachteten, die Ausgegrenzten, die Gequälten und Mißhandelten, die Angstvollen und Mißtrauischen, die Einsamen, die Verlassenen, die Kleinmütigen, die Zweifelnden, die Hoffnungslosen, die Kranken, die Sterbenden, die Trauernden, die Verstorbenen.
Lehre uns, tiefer deinen Willen zu erkennen. Hilf uns, überzeugender deine Wahrheit zu verkünden. Stehe uns bei in unseren Versuchen, mit dem Glauben Ernst zu machen. Stärke in uns Hoffnung und Mut. Lass Liebe unter uns gelingen.
Amen
Predigttext: Markus 14,3-9
Die Salbung in Betanien
3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goß das Öl auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Laßt sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.


Die unbekannte Frau, die da so überraschend hereinplatzt, will ein Zeichen setzen, indem sie Jesus salbt. Jesus sagt: Sie hat damit die Salbung für mein Begräbnis vorweggenommen. Aber war das das Zeichen, das sie setzen wollte? Oder wollte sie vielmehr Jesus zum König salben, zu ihrem König jedenfalls?
Zeichen sollen etwas zeigen. Aber: Zeichen können mehrdeutig sein.
Auch die derzeitige „Corona-Krise“ wird oft als Zeichen gesehen. Aber wofür? Ist sie ein Zeichen für die Schwäche unserer Gesellschaft oder für ihre Stärke? Ist sie ein Zeichen für die Solidarität, die es unter uns gibt, oder dafür, daß jeder für sich selbst sorgen muß? Zeigt sie unseren Zusammenhalt oder unsere Vereinzelung? Markiert sie den Anbruch einer neuen Zeit oder die Verteidigung der alten Werte? Erleben wir jetzt, wie wichtig digitale Medien sind, oder erfahren wir eher ihre Grenzen? Ist die Krise etwas, was man möglichst schnell hinter sich lassen oder etwas, woraus man lernen soll?
Das sind offene Fragen. So offen wie die Zukunft.
Auch die Frau, die Jesus salbte, wußte nicht, was ihr Zeichen einmal bedeuten würde. Womöglich wäre es ihr sogar schwer gefallen zu sagen, was sie selbst damit meinte.
Aber in einem gab es keine Unklarheit: Es war ein Zeichen ihrer Liebe zu Jesus, und diese Liebe ließ sie sich – buchstäblich – eine Menge kosten.
Wir wissen noch nicht, was die Corona-Krise für die Zukunft bedeutet. Aber auf jeden Fall kann sie auch für uns ein Anlaß sein, Zeichen der Liebe zu setzen. Das kann die Hilfe beim Einkaufen sein, ein Anruf, ein Brief, eine Spende, ein Gebet… Es gibt vieles, was trotz allem möglich ist – und es ist viel billiger als dreihundert Silberlinge.