Zum "Sonntag von der Hochzeit zu Kana" (wie er früher genannt wurde)

Weihnachten ist vorbei. Die Weihnachtsgeschenke haben die meisten wahrscheinlich längst eingeräumt, weggeräumt oder gegessen oder getrunken, je nach dem, was es war.

Wenn man Kinder fragt, was sie mit Weihnachten verbinden, dann kommt an erster oder zweiter Stelle ganz laut: „Geschenke!“

Und zwar ist es bei ihnen so, daß für die Kinder das Geschenk an sich wichtig ist. Wehe, es ist nicht das, was man erwartet hat. Oder kleiner als das, was das Geschwister bekommen hat. Und ein paar dicker Socken, das kann die Oma mit noch so viel Liebe gestrickt haben, für das Kind ist es halt ein paar dicker Socken, also nichts Tolles.

Als Erwachsene würden wir, wenn wir dieses Paar Socken geschenkt bekommen, weniger die dicken socken sehen, und mehr die Liebe der Oma, die sich darin ausdrückt. Für uns, die wir uns, was wir haben wollen, in der Regel ja auch selbst kaufen können, sind Geschenke auch wichtig, aber wir nehmen sie als Zeichen: Ich habe an dich gedacht. Ich will dir eine Freude machen. wir wollen dieses Fest feiern, indem wir miteinander verbunden sind.

Haben Sie in diesem Jahr auch die eine oder andere Flasche Wein geschenkt bekommen? Bei mir waren es zwei. Das ist ein Geschenk, das sich einfach besorgen läßt, sogar in Lockdown-Zeiten, es ist lange nicht so persönlich und mit Liebe gemacht wie ein paar selbstgestrickte Socken. Man hat es auch nicht so lange wie ein Buch oder einen Kalender.

Trotzdem finde ich: so eine Flasche Wein ist ein schönes, passendes Weihnachtsgeschenk. Man kann sich später, etwa jetzt um diese Zeit, gemütlich hinsetzen und es genießen, dabei an den Menschen denken, von dem man es bekommen hat, und wenn es eine Sorte ist, die man noch nicht kannte, kann man auch noch auf einen neuen Geschmack kommen. Man bekommt also mit dem Wein ein paar schöne Momente geschenkt. Der Wein ist ein Zeichen. Ich will dein Leben ein wenig schöner machen. Deswegen ist er ein gutes Geschenk, jedenfalls für jemand, der ihn mag. Aber sogar wer kein passionierter Weintrinker ist, kann sich über eine Flasche Wein freuen, eben weil sie ein Zeichen ist.

Wenn ein Geschenk ein Zeichen ist, dann aber nicht so wie ein Verkehrszeichen oder ein Wegweiser. Also ein Zeichen, das nur eine Information oder eine Anweisung enthält. Das Geschenk ist ein Zeichen, weil das, was es zeigen soll, schon ein Stück weit in ihm steckt. Man weiß nicht nur: die Oma liebt mich, man spürt es auch, wenn man den Socken anzieht, den sie gestrickt hat. Und das Weingeschenk drückt nicht nur den Wunsch aus: Es soll dir gut gehen, es trägt auch dazu bei.

Allerdings: auch mit solchen Zeichen ist es wie mit allen Zeichen: man kann sie mißverstehen oder übersehen. auch das kennen wir von manchen Weihnachtsgeschenken.

„Zeichen“ – so nennt der Evangelist Johannes die Wunder Jesu. Auch sie sollen etwas zeigen. Auf etwas hinweisen, über sich hinausweisen. Es geht um mehr als das, was gerade geschieht.

Für dieses Wunder, dieses Zeichen, gilt das ganz besonders: Jesus verwandelt Wasser in Wein. Durchaus nicht unwichtig, gerade bei einer Hochzeitsgesellschaft. Das können wir uns auch heute noch gut vorstellen, wie unangenehm das ist, wenn bei so einer Feier etwas nicht klappt, erst recht, wenn die ganze Gesellschaft auf dem Trockenen sitzt. Das kann unangenehm werden, vor allem, wenn ein Teil der Leute, und so war es wohl, schon einiges intus hat; auf jeden Fall ist es peinlich für das Brautpaar und seine Familie und ein schlechtes Omen für die junge Ehe.

Aber ein weltbewegendes Wunder ist es nun nicht; man hätte ja auch Wein irgendwo besorgen können. So oder so: Uns Heutige, warum sollte uns das noch groß interessieren?

Aber es geht eben nicht bloß um die Rettung einer Hochzeitsfeier, es geht um die Rettung der ganzen Welt. Mit diesem Zeichen offenbarte Jesus seine Herrlichkeit, schreibt der Evangelist. Und kurz davor, am Anfang seines Evangeliums, hat er formuliert, was für eine Herrlichkeit das ist, die Herrlichkeit Jesu: „eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“. Dafür ist der Wein ein Zeichen. Der Wein, der in der Bibel immer das Symbol für Freude, und auch für Frieden, weil man ihn nur im frieden anbauen und genießen kann.

Jesus ist der Sohn Gottes, von Gott zu den Menschen gesandt, um sie zu erlösen, zu befreien aus Schuld und Tod, um ihnen Gottes Liebe zu bringen. Seine Herrlichkeit, sie zeigt sich nicht in einer strahlenden Erscheinung, nicht durch einen Heiligenschein, nicht durch Donner und Blitz. Er kommt als gewöhnlicher Mensch, als Sohn der maria, als bescheidener Hochzeitsgast, der nicht weiter auffällt. Seine Herrlichkeit besteht in dem, was man sieht, sondern in dem, was er bringt. Mit dem Wein, mit diesem Zeichen, sagt Jesus: Ich bin gekommen, um Freude zu bringen, und zwar gerade dorthin, wo den Menschen der Grund zur Freude fehlt, eine Freude, die höher ist als alle Freude, die Menschen einander machen können, und mehr als genug davon für alle.

Nicht alle haben das damals verstanden, nur seine Jünger, schreibt Johannes. So ist es eben mit Zeichen, man muß sie auch lesen können. die meisten haben einfach den guten Wein genossen; aber das ist ja auch schon etwas.

Auch später hat Jesus immer wieder gerne mit seinen Freunden gegessen und getrunken. Denken wir an die Geschichte mit Zachäus, denken wir aber auch an sein letztes Abendmahl. Und er hat das Reich Gottes oft mit einem Hochzeitsfest verglichen. Dazu lädt Gott uns ein: daß wir ihm so nahe sein können wie eine Braut ihrem Bräutigam; so festlich und fröhlich wird das sein wie eine riesige Hochzeitsfeier. Darauf läuft es hinaus, dieses Ziel haben wir vor uns, auch wenn der Weg dahin auch wenig festliche Zeiten kennt. Aber wenn ihr jetzt mit mir zusammen seid, das wollte Jesus mit seinen Zeichen zeigen, dann ist dieses Ziel ein wenig schon da, könnt ihr diese Freude jetzt schon spüren.

Denn, wie gesagt. Es gibt Zeichen, die wie Verkehrszeichen sind und nur auf etwas hinweisen. Und es gibt Zeichen wie die von Jesus, in denen das, was sie anzeigen, schon da ist, als Vorzeichen, als Vorgeschmack.

Wir feiern heute keine Hochzeit, wir feiern Gottesdienst in der Kirche. In diesen Wochen sind Gottesdienste fast die einzigen Veranstaltungen, die überhaupt noch stattfinden dürfen. Gelegentlich wird das kritisiert, das sei ungerecht, und noch mehr Leute fragen: Warum ist das so?

Ich bin auf jeden Fall dankbar, daß wir diese Möglichkeit haben, mit allen Einschränkungen. Warum feiern wir Gottesdienst? Damit auch wir Zeichen von Jesus bekommen und sie erkennen können. Zeichen seiner Nähe. Zeichen der Freude, die er verspricht und die er jet schon bringt. Die brauchen wir, gerade wenn uns unser eigener Freudenwein auszugehen droht. Zeichen hier in der Kirche. Und sei es nur, daß man hier in der Kirche sitzen und sich in seiner Nähe geborgen fühlen kann. Aber auch Zeichen außerhalb der Kirche. die Welt ist voller Zeichen für die Nähe von Jesus und seiner Freude. Ich will jetzt gar nicht aufzählen, was das sein könnte. Aber ich möchte, daß wir hinausgehen mit der Hoffnung: Jesus, unser Freudenmeister, ist da, ist unser Gast, der unser Leben verwandeln und mit Freude erfüllen kann, so wie damals die Hochzeit in Kana.

Deshalb feiern wir Gottesdienst.

Und wir tun es auch, damit wir selber Zeichen setzen können. Wunder können wir vielleicht nicht vollbringen, aber Zeichen. Man hört oft: 2000 Jahre Christentum – haben die Christen wirklich die Welt zum Besseren verändert? Oder auch: Gläubige Menschen sind auch nicht perfekt in ihrem Verhalten, in ihrem Lebenswandel.

Ja, die Welt zu verändern, das ist viel verlangt. Aber Zeichen setzen, das können wir schaffen, und dazu kann uns eine Geschichte wie die von dem Zeichen, das Jesus bei der Hochzeit zu Kana getan hat, ermuntern. Ja, wir sind nicht perfekt, wir machen Fehler, versäumen vieles, machen manches falsch. Und doch wartet die Welt auf Zeichen, die wir setzen, große und kleine: Zeichen der Wahrhaftigkeit und der Barmherzigkeit. Zeichen der Hoffnung, Zeichen der Liebe, Zeichen des Glaubens und Vertrauens.

Und wenn es nur ein kleines Geschenk ist. Wie zum Beispiel eine Flasche Wein. Oder ein paar Socken.