Sonntag, 12.07. – 5. nach dem Dreieinigkeitsfest 

Wochenspruch: Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gnade ist es.

Wochenlied: Wach auf, du Geist der ersten Zeugen (Gesangbuch Nr. 241)

Wochenpsalm: Psalm 73 (Gesangbuch Nr. 733)

 

Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach. (Lukas 5,10+11)

Zu jedem Gottesdienst gehört eine Ungewißheit: Habe ich vielleicht ein falsches Lied angegeben oder sonst einen Fehler gemacht? Habe ich nichts vergessen? Und vor allem: Wer wird kommen zum Gottesdienst? Wie werden die Leute das aufnehmen, was ich sage? Werden ihnen die Texte und Lieder gefallen? Wird ihnen das Anliegen des Gottesdienstes verständlich sein?

So geht es jede Woche jedem Pfarrer, und so ähnlich auch Mesnerinnen und Organistinnen und anderen, die an einem Gottesdienst beteiligt sind. Auch wenn man noch so viel Routine nach noch so vielen Jahren hat, man kann nicht vorhersagen, wie es wird und ob sich die Mühe, soweit man das sagen kann, gelohnt hat.

Und in der jetzigen Zeit gilt das erst recht, wo sich die Rahmenbedingungen ständig ändern, auch für den Gottesdienst.

Und so ähnlich war es auch bei dem, was die Jünger machten, Simon Petrus, sein Bruder Andreas, Johannes, Jakobus und wie sie alle hießen. Ob in ihrem angestammten Beruf als Fischer oder in ihrer Tätigkeit als Apostel.

Jesus vergleicht ja diese beiden Tätigkeiten, wenn er zu Petrus sagt: „Von nun an wirst du Menschen fangen“.

Auf dem Bild sehen Sie die Einladung zu unserem Kinderkirch-Jubiläum 2012. Da haben wir diesen Vergleich aufgegriffen: „Wir knüpfen das bunte Netz des Lebens“.

Das war ein sehr schönes Fest. Aber so ein Netz, ist das auch ein schönes Bild? Im alten Rom, da ließ man in der Arena gern einen Netzkämpfer und einen Schwertkämpfer gegeneinander antreten, also einen Gladiator mit Schwert und Schild, und einen Kämpfer mit Fischernetz und Dreizack. Meistens hat der Netzkämpfer gewonnen.

So ein Netz kann eine unangenehme, gefährliche Waffe sein. Wenn Jesus sagt: „Von jetzt an wirst du Menschen fangen“, meint er damit. Du wirst Menschen für Gott und sein Reich gewinnen, so wie du bisher Fische mit dem Netz gefangen hast, also ihnen heimlich Fallen stellen, sie festhalten, ob sie wollen oder nicht, und sie nicht mehr loslassen, wie sehr sie auch zappeln? Soll man so Menschen für den Glauben gewinnen?

Deswegen hatte für ich dieser Vergleich immer eine unangenehme Seite. Aber ich glaube jetzt, Jesus meint es gar nicht so. Er weiß wohl, daß Menschen Gomes Liebe nahezubringen etwas anderes ist, als sie einzufangen wie Fische mit einem Netz.

Ich glaube, Jesus macht den Vergleich, weil er Petrus sagen will: Es kann dir bei mir genau so gehen wie eben mit deinem Fischfang. Es kann sein, wenn du mit mir oder in meinem Auftrag unterwegs bist und die Menschen zu erreichen versuchst, daß du nichts erreichst. Niemand will dich hören. Keiner glaubt dir. Und dabei meinst du doch, daß du alles richtig machst. du gibst dein Bestes, du weißt nicht, was du noch machen könntest. Alles hat keinen Wert, und du willst schon aufgeben. Einmal versuchst du es noch, nicht weil du meinst, daß es noch etwas bringt, aber du bist ja nicht für dich selbst unterwegs; weil du meinst, daß es in meinem Sinne wäre, weil du dich vielleicht erinnerst an diese Nacht, als du die ganze Zeit nichts gefangen hast, und am Morgen auf mein Wort hin doch noch einmal das Netz ausgeworfen, probierst du es ein letztes Mal. Und da, im unwahrscheinlichsten Moment, bei den Leuten, von denen du es zuletzt geglaubt hättest, da fällt dein Wort auf fruchtbaren Boden, hast du Erfolg.

Das haben das Fischen im See Genezareth und das Menschenfischen gemeinsam, obwohl das Menschenfischen nicht mit Zwang geschieht, und die „Beute“ nicht aus ihrem Lebenselement an die trockene Luft und dann in die Bratpfanne gebracht werden soll, sondern in den Lebensraum der Liebe Gottes.

Der Vergleich, er gilt nicht nur für Petrus und die Apostel, auch nicht nur für Missionare und Pfarrer.

Er gilt für jeden und jede von uns.

Er gilt im Beruf: ob als Landwirt oder Ingenieur, Lehrerin oder Arzthelferin, angestellt oder selbständig.
Er gilt in der Familie: In der Ehe, bei der Erziehung der Kinder, im Verhältnis zu verwandten, zu Freunden, zu Nachbarn.
Er gilt, wenn wir uns engagieren, im Verein, bei der Feuerwehr, in der Kirchengemeinde, auch in der Politik.
Er gilt sogar für unser Verhältnis zu uns selbst, wenn wir unser Leben planen, für unsere Gesundheit sorgen, uns Dinge vornehmen.

In jedem Leben ist es so: wir sammeln Erfahrungen. Es gibt einen Bereich, wo wir uns auskennen. wo wir das Gefühl haben: Ich weiß, was ich tue. Vieles ist Routine. Wie bei den Fischern auf dem See Genezareth. Die kannten ihren See. Die kannten ihr Boot. Die kannten ihre Fische. Sie wußten die Stellen, wo man sie am besten fangen konnte, und sie wußten, welche Zeit dafür am günstigsten war. Und trotzdem: Wenn sie ihr Netz auswarfen, hatten sie keine Garantie, daß sie es auch voller Fische einholen würden. Trotz aller Erfahrung. Obwohl sie alles richtig machten. Es konnte sein, daß sie es die ganze Nacht immer wieder versuchten, umsonst ihre Kraft einsetzten. Auch das gehörte zu ihrem Leben als Fischer dazu. Sonst hätten sie nie etwas fangen können, wenn sie es nicht immer wieder versucht hätten.

Und so gehört es auch zu unserem Leben, daß wir unser Netz auswerfen und nicht wissen können, mit welchem Ergebnis. Daß wir nicht gleich denken: Es lohnt sich nicht. Oder: ich mache anscheinend alles falsch. Wir leben ja in einer Zeit, wo einem manchmal der Eindruck vermittelt wird, daß alles machbar und planbar ist. Aber wir müssen immer wieder neu unser Netz in den See des Lebens werfen, ohne daß wir sehen können, was dort alles schwimmt, ohne zu wissen, wie voll oder leer es zurückkommt. Im Beruf, in der Familie, im Einsatz für Dinge, die uns wichtig sind, im Verhältnis zu uns selbst.

Aber natürlich kann man dann an einen Punkt kommen, wo man überlegt: Mensch, es hat keinen Wert mehr. Ich mache mich nur kaputt. Ich höre auf.

So war es auch bei den Fischern. Der Morgen kam. Es wurde hell. Jetzt verzogen sich die Fische im See in die unteren Wasserschichten. Wenn sie die ganze Nacht keine gefangen hatten, hatten sie jetzt gar keine Chance mehr.

Und dann haben sie es doch noch einmal versucht – und das Netz war voll.

Aber warum taten sie das? nicht mir der Kraft der Verzweiflung, sondern: weil Jesus sie dazu ermunterte. Weil sie ihm vertrauten. „Auf dein Wort will ich mein Netz auswerfen“, sagt Petrus.

Und so war es auch später, als er und die anderen zu Menschenfischern geworden waren. Da waren sie auch oft nahe daran, aufzugeben. Weil ihnen keiner zuhören wollte. Weil sie verfolgt wurden. Weil es Streit gab. Wenn sie gespürt haben: ich habe einen Auftrag von Jesus. Ich folge ihm nach, auf seinem Weg. Er gibt mir Kraft. Dann gaben sie doch nicht auf. Und manchmal hatten sie dann Erfolg, zu Zeiten, an Orten, bei Menschen, wo sie am wenigsten damit gerechnet hatten.

 

Und das wünsche ich uns auch, liebe Gemeinde, auch wenn wir weder Fischer sind noch Menschenfischer, keine Apostel und keine Missionare. Jesus hat für jeden von uns einen Auftrag im Leben. Ich wünsche uns, daß wir seine Stimme hören, daß sie uns Mut macht, unsere Netze auszuwerfen, auch wenn wir schon meinen, daß es nach unseren Berechnungen nichts mehr bringt. „Auf dein Wort will ich mein Netz auswerfen.“ Versuchen wir, ihn zu hören, was er uns sagt.