Zu den Paramenten

Die Sprache der Kirche, die Sprache des Glaubens, ist nicht nur die Sprache der Worte. Es gibt die Sprache der Gesten. Es gibt die Sprache der Musik. Gebäude sprechen ihre eigene Sprache. Und es gibt auch die Sprache der Bilder und die Sprache der Farben.

In der Kirche sind den verschiedenen Abschnitten des Kirchenjahrs und den unterschiedlichen Anlässen in der Kirche bestimmte Farben zugeordnet. Man sieht sie vor allem an den sogenannten Paramenten. In unserer Kirche ist es das Tuch, das von der Kanzel hängt. In vielen evangelischen Kirchen gibt es auch noch einen größeren Behang am Altar. In der katholischen Kirche sind Paramente vor allem die Kleidungsstücke, die der Pfarrer und der Diakon tragen und die sich auch nach den liturgischen Farben richten. Auch wenn ich, wie heute, eine Stola trage, richtet sich ihre Farbe nach dem Kirchenjahr.

In unserer bunten Zeit gehen die Farben der Paramente vielleicht ein wenig unter, und ihre Sprache wird auch nicht gleich verstanden.

Oben sehen Sie die liturgischen Farben, die es in der evangelischen Kirche gibt.

  • Die erste Farbe ist eigentlich gar keine Farbe, erst recht keine Kirchenfarbe. Schwarz ist einfach in unserem Kulturkreis ein Ausdruck der Trauer, ein Bild für den Tod. Deshalb verwenden wir Schwarz bei Beerdigungen, am Karfreitag, manchmal auch am Totensonntag.
  • Die Farbe Violett ist eine besinnliche, in sich gekehrte Farbe. Aber auch eine schöne. Sie gehört zu Zeiten der Buße, der Umkehr, des Nachdenkens. Das ist die Passionszeit wie auch der Buß- und Bettag. Das ist aber auch die Adventszeit. Sie ist eben nicht einfach die Vorweihnachtszeit, sondern die Zeit der Erwartung und Vorbereitung auf das Kommen Jesu.
  • Die meiste Zeit im Jahr hängt von der Kanzel das grüne Parament, vor allem in der langen Zeit ab übernächster Woche bis in den November hinein, in der es keine hohen Feiertage gibt und die Sonntage einfach als Sonntage nach dem Dreieinigkeitsfest gezählt werden. In diese Zeit fallen auch die Erntebittstunde und der Erntedankgottesdienst. Grün steht für die Schöpfung, für das Wachsen. die Farbe Grün erinnert daran, daß zum Glauben die Zeit für Wachstum und Reifen gehört und die dafür nötige Geduld.
  • Weiß bedeutet Licht, bedeutet Freude. Weiß ist die Farbe der großen Christusfeste, von Weihnachten, Ostern und Himmelfahrt. Zum letzten Mal vor Weihnachten werden wir sie in einer Woche am Dreieinigkeitsfest sehen. Die Farbe Weiß enthält in ihrem Licht zugleich alle anderen Farben.
  • Relativ selten sehen wir, wie heute, die Farbe Rot. Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn es um die Kirche geht oder um Menschen, die sich zum Glauben bekennen. An Pfingsten, am Reformationstag, auch bei der Konfirmation oder wenn ein Pfarrer oder Kirchengemeinderat eingesetzt wird, und an Gedenktagen für Zeugen des Glaubens. Rot kann für Blut stehen oder für Feuer. Wir denken an ihre Opfer, aber noch mehr an den Geist, an Glaube, Hoffnung, Liebe, die sie erfüllt und in ihnen gebrannt haben.

Drei Paramente haben wir für unsere Kirche neu angeschafft. Sie sind handgewebt und wurden über die Firma Fischer Kirchenbedarf bezogen. Jedes von ihnen interpretiert die Aussage seiner Farbe auf eigene Weise.

  • Das weiße zeigt in der Mitte die goldenen Buchstaben A und W Der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets: Christus ist Anfang und Ende. Das Tuch enthält eine Bewegung nach oben, denn Christus hat den Himmel auf die Erde und uns dem Himmel nähergebracht. wir können hier an Weihnachten an das Licht denken, das den Hirten bei Bethlehem leuchtete oder an Ostern an das Licht der Auferstehung oder an Himmelfahrt an Jesu Gang nach oben, zum Vater.
  • Auch im schwarzen Parament steht A und W. Christus ist Anfang und Ende, deshalb ist jedes Ende auch ein Anfang, und das Schwarze verwandelt sich ins Helle. In der Tiefe der Trauer findet sich der Weg ins Licht.
  • Das grüne Parament enthält auch nicht nur die Farbe Grün. Wenn man eine Weile hinschaut, entdeckt man Blau, Gelb, Braun und lauter verschiedene Varianten von Grün. Die Farben der Natur. Man kann sich einen Wald vorstellen, eine Wiese, ein reifes Feld, sogar einen See oder ein Meer im Mondschein. In der Mitte wieder zwei Buchstaben, zusammengeschoben: X und P ergeben zusammen ein Zeichen für Christus. In einer Erdfarbe. Christus gehört eben nicht nur in den Bereich des Himmlischen, nicht nur zu den hohen Festen, auch nicht nur zum Sonntag: auch in der Natur, auch im Alltag kann er uns begegnen.
    Dieses Parament werden wir nun längere Zeit an unserer Kanzel hängen haben. Ich denke, es ist bewußt so gestaltet, daß man es lange anschauen und immer Neues darin sehen kann. Ich wünsche uns, daß es eine Einladung wird, in unserem Leben Christus zu finden.