Sie können diesen Gottesdienst auf YouTube anhören: 

https://www.youtube.com/watch?v=pwlq59j_yxg

 

 

Gottesdienst zum Karfreitag

Votum

O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85,1+2)

Hymnus aus dem Philipperbrief (EG 764)

Gebet

Ewiger, barmherziger Gott. Du hast dich in Jesus Christus an die Welt dahingegeben und dein Werk vollendet, als er sein Leben opferte am schmachvollen Kreuz. Hilf uns, das Geheimnis deiner Liebe immer tiefer zu erkennen, das sich in diesem Geschehen verbirgt, dir zur Ehre in Ewigkeit. 

Stilles Gebet

Lesung: Johannes 19,17-42

17 und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. 19 Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. 20 Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. 21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern daß er gesagt hat: Ich bin der Juden König. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. 23 Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. 24 Da sprachen sie untereinander: Laßt uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten. 25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. 26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 28 Danach, als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. 29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. 30 Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

Ad genua (An die Knie; aus: Membra Jesu nostri)

31 Weil es aber Rüsttag war und die Leichname nicht am Kreuz bleiben sollten den Sabbat über – denn dieser Sabbat war ein hoher Festtag –, baten die Juden Pilatus, daß ihnen die Beine gebrochen und sie abgenommen würden. 32 Da kamen die Soldaten und brachen dem ersten die Beine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. 33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; 34 sondern einer der Soldaten stieß mit einer Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. 35 Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, daß er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt. 36 Denn das ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde (2. Mose 12,46): »Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen.« 37 Und ein anderes Schriftwort sagt (Sacharja 12,10): »Sie werden auf den sehen, den sie durchbohrt haben.«

Ad latus (An die Seite; aus: Membra Jesu nostri)

38 Danach bat Josef von Arimathia, der ein Jünger Jesu war, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden, den Pilatus, daß er den Leichnam Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leichnam Jesu ab. 39 Es kam aber auch Nikodemus, der vormals in der Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte Myrrhe gemischt mit Aloe, etwa hundert Pfund. 40 Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in Leinentücher mit Spezereien, wie die Juden zu begraben pflegen. 41 Es war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und im Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war. 42 Dahin legten sie Jesus wegen des Rüsttags der Juden, weil das Grab nahe war.

Predigt

 

Von dem deutschen Maler Emil Nolde gibt es das Bild „Grablegung“. Es ist mit kräftigen Strichen und lebhaften Farben gemalt, wie man es von ihm kennt. Das Grab selbst sieht man darauf gar nicht, Menschen füllen fast das ganze Bild, lassen kaum einen Hintergrund frei. Im Mittelpunkt ist die Gestalt des toten Jesus, nackt, verkrümmt, zerschunden, bleich. Aber er ist es nicht, der als erstes ins Auge springt, wenn man das Bild anschaut. Mit seiner gelblichen Farbe hebt er sich kaum ab vom ockerfarbenen Hintergrund, so als ob sein Leib schon dabei ist, wieder zur Erde zu werden. Es sind die drei Menschen, die Jesus begraben, welche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Eine Frau im blauen Kleid mit schwarzen Haaren hält Jesu Leib auf ihrem Schoß und umklammert seinen Kopf; ihr Gesicht hat sie in seinen Haaren vergraben. Daneben sieht man das schmerzverzerrte Gesicht einer anderen Frau; ihre roten Haare stehen wild auseinander, mit ihren verkrümmten Fingern hält sie den Unterarm Jesu fest. Links ein weißhaariger Mann, Josef von Arimathia, der Jesus an den Füßen hält. Er schaut unverwandt auf Jesus, als warte er darauf, daß doch noch ein Lebenszeichen von ihm kommt. Aber es ist unübersehbar: Das ist ein toter Körper. von ihm ist nichts mehr zu erwarten.

Dieses Bild hat Manfred Siebald zu einem Lied inspiriert:

Lied: Grablegung

„Das kann doch gar nicht wahr sein.“ So reagieren wir, wenn etwas besonders Erfreuliches passiert ist, oder eben etwas besonders Schlimmes. „Das kann doch gar nicht wahr sein.“ Das gehört auch oft zu unserer Reaktion, wenn ein Mensch gestorben ist. Wir brauchen Zeit, um das wahrhaben zu können, um zu begreifen, daß es jetzt vorbei sein soll, daß wir nie wieder in dieses lebendige Gesicht blicken, nie wieder diese Stimme hören werden, daß das, was wir uns noch nicht gesagt haben, nie mehr gesagt werden kann, daß das, was bisher nicht geschehen ist, nie mehr geschehen kann. Man weiß: mein Leben geht weiter, aber ohne ihn, ohne sie, vieles wird anders sein, aber wie, das weiß ich noch nicht.

„Das kann doch gar nicht wahr sein.“ Das Begräbnis, die Grablegung, ist ganz wichtig, damit wir das verarbeiten können, damit wir abschließen können, damit wir uns darauf einlassen können, daß es jetzt eben vorbei ist – und auch, damit wir noch einmal ausdrücken können, was uns der Tote bedeutet.

So ging es auch den Freundinnen und Freunden Jesu. „Das kann doch gar nicht wahr sein.“ Schließlich hatten sie so große Hoffnungen auf ihn gesetzt, und bis zuletzt auf ein Wunder gewartet, aber das kam nicht.

Aber sie durften ihn begraben. Nicht selbstverständlich bei einem Gekreuzigten. sie konnten Jesus noch einmal nahe sein, sie konnten, wie auf dem Bild, noch einmal ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Auch das war wichtig. Dieser furchtbare Freitag, an dem Jesus leiden und sterben mußte – ein wenig erhält es so einen versöhnlichen Schluß. Trotz allem.

Drei Tage später hieß es wieder: „Das kann doch gar nicht wahr sein.“ Aber diesmal aus einem ganz anderen Grund: Das Grab war leer. Jesus war auferstanden. Und entdeckt haben das eben die Frauen, die auch bei der Grablegung dabei waren und um Jesus trauerten. Daß Jesus lebt, das haben sie entdeckt, als sie, nachdem der Sabbat vorbei war, zum Grab kamen, um Jesus zu salben. Sie wollten sein Begräbnis abschließen, die Grablegung vollenden; so wurden sie Zeugen der Auferstehung. Ihre Liebe ist es, die Karfreitag und Ostern verbindet.

Ad cor (An das Herz; aus: Membra Jesu nostri)

Aber noch ist nicht Ostern. Noch ist Karfreitag. Noch haben wir den Tod Jesu vor Augen. Und wir denken bei seinem Anblick daran, daß auch unser eigenes Leben endlich ist. Niemand von uns weiß, wann das sein wird: erst in vielen Jahren oder gleich morgen? Alt und lebenssatt, wie es in der Bibel heißt, oder plötzlich und unerwartet? Was werden wir zurücklassen? Welche Bilanz am Ende ziehen können? Was werden meine, was werden deine letzten Worte sein? Niemand von uns weiß das.

Auch darüber hat Manfred Siebald nachgedacht, in seinem Lied „Letzte Worte“. Den letzten Worten eines Menschen gibt man ja ein besonderes Gewicht, sie sollen etwas aussagen über sein ganzes Leben. Aber Manfred Siebald meint. Das letzte Wort über uns, das haben nicht wir selbst, das spricht Jesus. Es ist sein letztes Wort am Kreuz: „Es ist vollbracht.“

Lied: Letzte Worte

Fürbittengebet

Du bist ganz anders, Gott, - als wir dich denken. Du hast dein wahres Bild vor uns enthüllt  -  in Jesus, deinem und des Menschen Sohn.

Hast deine Ruhe - hier dem Leiden unterworfen. / Hast deine Allmacht - in die Hand von Menschen ausgeliefert. / Hast deine Ehre - zum Spotten drangesetzt / und deinen Glanz - mit Schmerzen umhüllt

Hast deine Herrlichkeit - ans Kreuz erhoben. / Und deine Ewigkeit - ins Sterben eingebracht. / Und deinen Tod, ja, deinen Tod - für uns zum Leben aufgerichtet.

Gott, öffne uns die Augen - für dich und für die Niedrigkeit der Welt - und lass uns bitten um Erbarmen - für all die Leidenden - und die in Schuld verstrickt sind - und für die Opfer unsrer Erde - und auch für jene, die das Böse tun, - und für uns Sünder miteinander.

Erbarm dich, Herr. - Erschließ uns dir und deiner Liebe - und der Versöhnung mach uns immer neu gewiß - um deines Sohnes willen, - dem wir zum Leben folgen möchten jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Amen

Wenn ich einmal soll scheiden (EG 85,9)

Vater unser

Segen

 

Musik:

O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85,1+2+9). Satz: Johann Sebastian Bach, Matthäuspassion BWV, Collegium Vocale Gent

Ad genua (An die Knie), Ad latus (An die Seite), Ad cor (An das Herz) aus: Dietrich Buxtehude, Membra Jesu nostri (Die Glieder unseres Jesus), Concerto Vocale

Manfred Siebald, Grablegung und Letzte Worte, aus: Zeitpunkte