Predigten online

Singen und Beten

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Mit der Änderung der Verordnungen zum Infektionsschutz während der Corona-Pandemie, die zum 04. Mai inkraftgetreten ist, dürfen nun unter Auflagen wieder Gottesdienste durchgeführt werden. Einzelheiten dazu finden sich auf der Seite des Kultusministeriums. Auch wir feiern in unseren Gemeinden wieder Gottesdienst. Infos dazu auf unserer Seite "Aktuelles".

Dennoch werde ich auch weiterhin die Predigten, die ich für unsere Gemeindegottesdienste vorbereitet habe, jeweils zum aktuellen Sonntag auf dieser Seite einstellen - entweder zum Lesen direkt am Bildschirm oder zum Herunterladen als PDF-Datei, die man sich dann auch ausdrucken und ggf. weitergeben kann.

 

Gott segne Sie alle, gerade jetzt in dieser Ausnahmesituation

 

Ihr Pfarrer

Thorsten Müller

Aktuelle Predigten

Auf die Titelzeile klicken zum Lesen.

  • Predigt zum 1. Sonntag nach Epiphanias (10.01.2021)

    Predigt Römer 12,1-8

    Kanzelgruß: Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

    Was ist Gottesdienst?

    Liebe Gemeinde!

    Die Überschrift über dieser Predigt ist eigentlich eine überflüssige Frage. Was ist Gottesdienst? Das wissen wir doch. Gottesdienst ist das, was wir hier gerade machen. Wir sind im Namen Gottes zusammen, beten gemeinsam, singen normalerweise gemeinsam, hören auf Gottes Wort. Das ist Gottesdienst. Kann man unterschiedlich gestalten, Württembergischer Predigtgottesdienst, Evangelische Messe wie in der Ev. Kirche in Bayern zum Beispiel, Katholische Messe auf Deutsch oder gar Latein. Kann man auch als modernen Gottesdienst mit Lobpreisliedern, Theater und Ansprache mit PowerPoint-Unterstützung machen. Aber der Inhalt bleibt immer gleich: Singen, Beten, Gott Loben, auf Gottes Wort hören.

     

    Paulus schreibt im Römerbrief auch vom Gottesdienst. Aber bei ihm klingt das irgendwie anders. Ich lese den Predigttext:

    Predigttext

    1Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. 2Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. 3Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich's gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte, wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens. 4Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, 5so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied. 6Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß. 7Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt. Ist jemand Lehrer, so lehre er. 8Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er. Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude.

     

    Liebe Gemeinde!

    In diesem Text ist kein Wort zu lesen von Kirchen, Liedern, Gebeten und heiligen Stunden am Feiertag. Trotzdem geht es um Gottesdienst. Wie kann das sein?

     

    Zunächst einmal: Paulus kannte mit Sicherheit auch Gottesdienstfeiern, wie wir sie kennen. Jüdische Gottesdienste in den Synagogen und im Tempel in Jerusalem sind Vorbilder unserer Gottesdienste heute. Und natürlich hat Paulus nichts dagegen, dass sich die Gemeinde zum Lob Gottes und zum Hören auf Gott versammelt. Es gibt aber einen verbreiteten Irrtum. Dieser Irrtum war damals vor ca. 2000 Jahren in der griechisch-römischen Kultur vorhanden und er kommt auch im 21. Jahrhundert bei vielen Menschen vor. Gegen diesen Irrtum haben schon Propheten des AT gepredigt. Der falsche Gedanke lautet: Religion ist etwas für den Sonntag. Im Alltag gelten andere Regeln.

     

    Diese Meinung kann man sicher auch heute von vielen Zeitgenossen hören bzw. erleben. Viele sind sich wahrscheinlich nicht bewusst, dass sie so denken und handeln. Es ist einfach ein Teil der Kultur unserer Zeit, dass wir uns als Menschen mit vielen Rollen wahrnehmen. Am Sonntag bin ich der Pfarrer, Dienstag bis Freitag der Relilehrer, zu Hause der Ehemann und Vater, im Sportverein der Vereinskamerad, beim Ehemaligentreffen der Kommilitone, beim Abiturjubiläum der Mitschüler. Sie können dieser Liste sicher ihre eigenen Rollen hinzu fügen. Überall gelten jeweils eigene Regeln. An jedem dieser Orte und in diesen unterschiedlichen Personengruppen verhalten wir uns auch anders – sind wir vielleicht sogar jemand anderes.

     

    Für den religiös orientierten Menschen gibt es dazu dann eben auch noch entsprechenden Angebote. Kirchen und Gemeinden mit unterschiedlichen Prägungen und Gottesdienstformen, auch andere Religionen als der christliche Glaube sind gleichwertig denkbar. Für Atheisten gibt es Kulturvereine, die eigentlich auch religiöse Versammlungen sind – nur das Atheisten eben glauben, dass es keinen Gott gibt. Mehr als eine Glaubensaussage ist das aber auch nicht. Damit ist es doch auch wieder eine Form von Religion.

     

    Alles in allem: Religion ist ein Teilbereich des Lebens, der seine Berechtigung hat, aber von den anderen Teilbereichen getrennt ist, so wie diese Bereiche untereinander getrennt sind.

     

    Stimmt nicht, sagt Paulus. Gottesdienst ist nicht eine Feier am Sonntagmorgen. Religion ist nicht eine weitere Ergänzung zu einem leben voller verschiedener Rollen. Vernünftiger, wörtlich logischer, Gottesdienst ist „Hingabe des Leibes als Opfer für Gott“. Man könnte auch sagen: Gottesdienst bedeutet, das ganze Leben Gott auszuliefern und ihm zur Verfügung zu stellen.

     

    Was meint Paulus damit? Mir sind drei Dinge aufgefallen.

    Nicht machen, was alle machen

    Das ganze Leben Gott ausliefern wird manchmal so verstanden, als müsste man sich in einen frommen Winkel zurück ziehen. Ein Kloster mit hohen Mauern, die alles unschöne und nicht zu Gott passende draußen halten, das wäre doch ein guter Ort, um sein Leben Gott hinzugeben. Das meint Paulus aber gar nicht. Stellt euch nicht der Welt gleich. Macht nicht was alle machen.

     

    Gerade in unserer Gegenwart habe ich den Eindruck, dass sich immer mehr Menschen in ihre eigene Nische zurück ziehen. Den engen Freundeskreis, die Facebookgruppe Gleichgesinnter, die Familie, etc. Weil vieles unsicher ist in einer Welt voller Möglichkeiten und ohne klare Vorgaben, verabschieden sich viele Menschen aus der größeren Gemeinschaft. Sie gehen nur noch dorthin, wo ihre ohnehin schon vorhandene Meinung gespiegelt und bestärkt wird.

     

    Genau das sollen Glaubende nicht tun. Nicht zurückziehen in die Sicherheit unserer Gemeinden, wo uns niemand für unseren Glauben schief anschaut. Nicht die Öffentlichkeit meiden, weil Glaube angeblich Privatsache ist. Nicht nur dorthin gehen, wo wir bestätigt werden.

     

    Christen sind ein Teil der Welt. Wir sollen sichtbar sein. Wir müssen nicht jeden Unsinn mitmachen, aber vor allem sollen wir uns nicht zurückziehen, nur weil es bequem ist.

    Sich selbst nicht zu wichtig nehmen

    Wir alle wollen gerne wichtig sein. Ansehen bei Menschen zu haben ist angenehm und hat sicher auch viele Vorteile. Und ja, die eigenen Bedürfnisse immer wieder zu verleugnen, ist sicher nicht gut. Wer immer nachgibt, weil der Klügere das nun mal tut, wird irgendwann der Dumme sein. Wenn die Klügeren ständig nachgeben, regieren irgendwann die Dummen. Das kann nicht gut sein. Aber es gibt eben auch das Andere: Umfassendes Selbstbewusstsein bei Vollständiger Ahnungslosigkeit. Menschen, die nur ihr eigenes Bedürfnis im Blick haben. Menschen, die nur den eigenen Vorteil sehen und suchen. Menschen, die Glauben und Gemeinde missbrauchen, um ihr Machtstreben zu befriedigen. Menschen, die immer nur sehen, was ihnen alles fehlt und nie, was sie alles haben. Wir alle sind gefährdet, uns davon anstecken zu lassen. Unsere ganze Gesellschaft funktioniert gerade im Moment so, dass nur wahrgenommen wird, wer sich selbst toll präsentiert. Dabei wird gerne mal die Wahrheit etwas gedehnt. Das kann bis in höchste demokratische politische Ämter führen. Aber es ist nicht gut.

     

    „Niemand halte mehr von sich, als sich’s gebührt.“ Ihr Leute, auch ihr Christen in den Gemeinden, nehmt euch selbst nicht zu wichtig. Gott nimmt euch wichtig und er nimmt euch ernst. Darum bleibt selbst realistisch.

    Die Mitmenschen im Blick behalten

    Jeder Mensch hat Fähigkeiten und Begabungen. Paulus zählt einige auf, die in einer Gemeinde wichtig sein können. Auch darüber hinaus. Letztlich kommt es darauf an, wie die Gaben eingesetzt werden. Lebenshingabe heißt, die eigenen Fähigkeiten zum Wohle anderer einsetzen. Wir sind als Menschen nicht allein auf dieser Welt. Kein Mensch ist eine Insel, die nur von einem Einsiedler bewohnt wird. Wir brauchen einander. Wir können und sollen einander helfen und unsere Gaben und Möglichkeiten füreinander einsetzen. Wer dem Mitmenschen Gutes tut, der hat Jesus Gutes getan, das wissen wir aus der Endzeitrede, die Jesus gehalten hat. Wir verlieren gerne unsere Mitmenschen aus dem Blick, weil wir so sehr mit uns selbst beschäftigt sind. Darum werden wir immer wieder aufgefordert, den Blick auch von uns weg auf den Nächsten zu richten.

     

    Was ist Gottesdienst? Gottesdienst heißt nicht, den Glauben am Sonntag als Ergänzung zu den übrigen Lebensrollen unter der Woche zu verstehen. Gottesdienst heißt, von der Begegnung mit Gott am Sonntag die Woche von Montag bis Samstag prägen zu lassen, damit wir für all unsere Lebensrollen erkennen können, was gut ist – und als glaubende Menschen dieses Gute auch tun.

    Amen.

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

  • Predigt zum 2. Sonntag nach dem Christfest (03.01.2021)

    Predigt Lukas 2,41-52

    Kanzelgruß: Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

    Wo gehöre ich hin?

    Predigttext

    41Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. 42Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. 43Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten’s nicht. 44Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. 45Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn.

    46Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. 47Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten. 48Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. 49Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? 50Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. 51Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. 52Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

     

    Liebe Gemeinde!

    Ich weiß nicht, wie Sie die Weihnachtstage verbracht haben. Aber ich weiß, dass ich unseren Sohn Jonathan an diesem Weihnachtsfest vermisst habe. Er hatte gute Gründe, aus seinem Auslandsstudium nicht zu Weihnachten nach Hause zu kommen. Die vorgeschriebene Quarantäne hätte diese Reise zu Weihnachten sehr kompliziert gemacht. Aber ich zumindest habe gespürt: Da fehlt einer, der in die Familie hinein gehört. Zum ersten Mal seit 25 Jahren waren zu Weihnachten nicht alle Kinder zu Hause. Zum Glück gibt es technische Möglichkeiten. Über ein Videotelefonat konnten wir uns dann doch sehen.

     

    Wo gehöre ich hin? Das ist eine wichtige Frage, die man als Mensch im Laufe seines Lebens beantworten muss, wahrscheinlich sogar mehrfach, in den unterschiedlichen Abschnitten des Lebens. In der Kindheit ist es einfach. Kinder gehören zu ihren Eltern und wissen das auch. Und über die Familienzugehörigkeit wird man am Ort auch eingeordnet und identifiziert: „Ah ja, du bist der Sohn von Frau X, du bist die Tochter von Herrn Y.“ Als Jugendlicher wählt man sich ein Stückweit seine Zugehörigkeit über Freunde selbst und löst sich ein Stück weit von Eltern und Familie. Als junger Erwachsener ist noch stärker der Freundeskreis, die Gruppe, die Clique, wo man sich zugehörig fühlt. Als Erwachsener dann vielleicht die eigene Familie, die man gegründet hat, oder das Wohnumfeld oder der Arbeitsplatz und die Kollegen oder eine Mischung aus allem.

     

    Wo gehöre ich hin? Manchmal ist diese Frage auch nicht leicht zu beantworten. Wenn man gerade zwischen den Stühlen sitzt. Nach einem Umzug sich am neuen Wohnort noch nicht eingelebt hat, z.B.

     

    Wo gehöre ich hin? Das ist eine Frage, mit der Jesus und seine Familie sich auseinander setzen mussten.

     

    Jesus war inzwischen 12 Jahre alt geworden. In diesem Alter feiert man in jüdischen Familien das Fest Bar Mizwa. Damit gilt ein junger Mensch als Religionsmündig. Bei uns entspricht das in gewisser Weise der Konfirmation. Damals gab es noch den Tempel in Jerusalem. An den hohen Festtagen, Passa, Jom Kippur und Laubhüttenfest, pilgerten die jüdischen Familien zum Tempel, wenn irgend möglich. Da war in Jerusalem Ausnahmezustand. Auf die 30.000 bis 40.000 Einwohner, die die Stadt damals hatte, kam besonders zum Passafest die 10fache Menge Pilgern aus der ganzen Welt. Das war ein drängeln, Stoßen und schieben in den Straßen und Gassen, das kann man sich nicht vorstellen. Dagegen sind unsere Einkaufsstraßen im normalen Weihnachtsgeschäft großräumig und komfortabel. Selbst der Sturm auf die Geschäfte vor dem 16.12.2020, als der Lockdown begann, ist damit nicht zu vergleichen. Alle wollen das Passaessen in Jerusalem einnehmen. Alle wollen ein Passalamm, das im Tempel geschlachtet wurde. In diesem Gedränge kann sich eine Gruppe von Menschen auch schon einmal verlieren. Wenn in verschiedene Richtung geschoben und gedrängt wird, passiert das schnell. Gut, wenn man einen Treffpunkt vereinbart hat, an dem man sich wieder trifft und den jeder kennt. Das Nachtquartier oder eine bekannte Sehenswürdigkeit taugen gut dazu.

     

    Maria und Josef ging es so mit Jesus. Sie hatten das Passafest in Jerusalem gefeiert und machten sich auf den Heimweg nach Nazareth. Das Reisbündel war schnell gepackt, damals brauchte man noch keine großen Koffer. Jesus war nicht bei ihnen. Er war schon am Morgen nach dem Fest auf die Straße gestürmt. Maria machte sich keine Sorgen deswegen. Sie wusste, dass Jesus jederzeit mit anderen Leuten aus Nazareth zurück wandern könnte, mit anderen jungen Leuten in seinem Alter und deren Familien. Im Lauf des Tages würden sie ihn sicher auf der Straße bei ihrer Pilgergruppe antreffen.

     

    So machten sich Josef und Maria auf den Heimweg. Unterwegs trafen sie viele Verwandte und Bekannte, die auch auf dem Heimweg nach Nazareth waren. Nur ihren Sohn fanden sie nicht.

     

    Haben Sie schon einmal ein Kind im Supermarkt aus den Augen verloren? Mir ist das schon passiert, als ich selbst noch klein war und mit meiner Mutter in einem großen Kaufhaus, da habe ich meine Mutter aus den Augen verloren. Das war beängstigend. Ebenso habe ich mal beim Einkaufen einen meiner Söhne aus den Augen verloren – oder er mich. Aufgeregt bin ich von Regal zu Regal gelaufen, bis ich die Durchsage über den Lautsprecher hörte, dass ich mein Kind abholen sollte. Wer so etwas schon erlebt hat, weiß, was Maria und Josef fühlen. Angst um ihren Sohn Jesus. Was kann passiert sein? Wo ist er geblieben? Er ist nicht in einem überschaubaren Laden verloren gegangen, sondern in einer großen Stadt.

     

    Zurück nach Jerusalem, sofort. Und da suchten sie. Drei Tage lang, voller Sorge, und mit wachsender Panik. Bis sie ihn schließlich im Tempel finden, umringt von Gelehrten und Theologen, in intensive Gespräche vertieft.

     

    „Kind, wie konntest du uns das antun“, so fragt Maria. „Wieso denn“, so lautet die Antwort. „Ich muss doch im Haus meines Vaters sein. Da gehöre ich doch hin.“ Wo gehöre ich hin, mit dieser Frage haben wir angefangen. Für den jungen Jesus ist ganz klar: Ich gehöre ins Haus Gottes. Gott ist mein Vater.

     

    Am Anfang eines neuen Jahres können wir uns auch diese Frage stellen. Wohin will ich eigentlich gehören? Ins Haus Gottes, dorthin, wo Menschen im Glauben an Gott und seinen Sohn Jesus zusammen kommen? Oder will ich woanders hin gehören?

     

    Wir sind eingeladen, hier bei Gott zu Hause zu sein. Jeder, der heute Morgen hier ist, hat diese Einladung gehört. Sicher gibt es noch viel mehr Menschen, die auch hierher gehören, aber sich wegen der Umstände gerade nicht hierher trauen.

     

    Und dann gibt es viele Menschen, die glauben nicht, dass sie zu Gott gehören, die gerne ohne Glauben und Religion auskommen wollen, Religion vielleicht sogar für gefährlich halten, weil sie so oft missbraucht wird. Aber auch diese Menschen gehören in Gottes Vaterhaus. Wenn es stimmt, das Gott die Welt und die Menschen gewollt hat, dann gehört jeder Mensch in die Gegenwart Gottes und ist bei Gott zu Hause. Ich wünsche mir für das neue Jahr, dass wir das miteinander neu entdecken: Wir sind bei Gott zu Hause. Und dass wir neue Leute in dieses Zuhause bei Gott mitnehmen können.

    Amen.

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

    Amen.

  • Predigt zum Altjahrsabend (31.12.2020)

    Predigt 2. Mose 13,20-22

    Kanzelgruß: Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

    Licht auf dem Weg

    Predigttext

    20So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. 21Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

    1.     Wo geht es hin?

    Liebe Gemeinde!

     

    Wenn man eine Reise macht, dann muss man ein paar Dinge im Voraus bedenken. Jeder von uns weiß das. Vieles muss geplant werden, je weiter die Reise ist, desto größer ist der Aufwand. Aktuelle Straßenkarten müssen besorgt oder das Navi für das Auto muss programmiert werden. Wenn man nicht mit dem Auto verreist, müssen Bahn- oder Flugtickets gekauft werden. Koffer müssen gepackt werden. Die Packliste muss für das Ziel passend sein. Wer jetzt Urlaub in Australien machen will – mal angenommen, das wäre möglich – der sollte Sommerkleider einpacken, auch wenn bei uns Winter ist. So geht es weiter mit den Vorbereitungen. Gute Planung erleichtert vieles.

     

    Ganz wichtig: Man sollte wissen, wo man hin will, und wie man dahin kommt. Wenn Sie mit dem Auto irgendwohin fahren, können sie sich, zumindest bei uns in Europa, auf Straßenkarten und Hinweisschilder verlassen, die den Weg zum Ziel weisen. Die Bahn oder das Flugzeug bringen einen auch ans gewünschte Ziel – immer vorausgesetzt, man ist in den richtigen Zug eingestiegen. Bei Flugzeugen kann das kaum schief gehen.

     

    Was aber, wenn man das Ziel noch gar nicht genau kennt? Wenn man noch nicht einmal eine Straße hat, die in die ungefähre Richtung führt? Wie kommt man dann irgendwo an? Wer sein Ziel nicht kennt, wird niemals ankommen, sagt eine Redensart.

     

    Die Israeliten in unserem Predigttext wussten auch nicht genau, wo eigentlich ihr Ziel war. Kanaan, das von Gott versprochene Land. Ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Ein Land des Wohlstands und der Freiheit. Das war das große Ziel. Aber niemand war je dort gewesen. Keiner der Wanderer kannte den Weg durch die Wüste, über die Sinaihalbinsel hin nach Kanaan, das wir heute Israel nennen. Auch Mose wusste den Weg nicht. Er war in Midian gewesen, aber das liegt viel weiter im Süden. Das größte Problem bei einer Wanderung durch die Wüste ist die Versorgung mit Wasser. Vor allem dann, wenn viele Menschen unterwegs sind, wenn auch alte Leute und Kinder dabei sind, außerdem noch Vieh mitgetrieben wird. Dann ist es ganz wichtig, die Oasen zu kennen, wo es genügend frisches Wasser gibt. Landkarten gab es damals noch nicht, beschriftete Wegweiser auch nicht. Normalerweise sorgten Reisende dafür, für besonders schwierige oder gefährliche Abschnitte des Weges einen ortskundigen Führer zu haben. Wenn einer dabei ist, der den Weg kennt, der genau weiß, wo die nächste Wasserstelle ist und wo der Treibsand lauert und wo vielleicht eine Räuberbande ihr Lager hat und wie man diese Gefahr umgeht, das ist eine große Hilfe. Das gehörte damals zur Vorbereitung einer Reise.

     

    Nur – die Israeliten, die aus Ägypten auswanderten, hatten für solche Vorbereitungen keine Möglichkeit. Ein ägyptischer Führer stand aus naheliegenden Gründen nicht zur Verfügung und von ihren eigenen Leuten hatte keiner die nötige Kenntnis.

     

    Wir stehen an der Schwelle eines neuen Jahres. Wenn wir auf den Weg durch das Jahr 2020 zurück blicken, dann sehen wir ein Durcheinander, das wohl niemand am letzten Altjahrabend hätte vorhersagen können. Wir mussten wie die Israeliten im Predigttext durch neues, ungewohntes Gelände gehen. Wir mussten uns mit Situationen auseinandersetzen, die es so noch nicht gegeben hat. Wir sind bis an diesen Punkt gekommen, aber wir sind auch ganz schön durchgeschüttelt. Krisenjahre wie 2020 verändern Menschen und vielleicht sogar Gesellschaften. Vor allem dann, wenn wir Angst um unsere Gesundheit oder gar unser Leben haben. Und nun stehen wir an der Schwelle zum Jahr 2021. Wie geht es jetzt weiter? Bleiben uns die unsicher tastenden, vorsichtigen Schritte erhalten? Gehen wir weiter über unsicheres Gelände und unwegsamen Boden, ohne klare Wege und ohne sicheres Ziel – oder können wir wieder zuversichtlich ausschreiten und sicher auftreten? Wir wissen es nicht.

    2.     Wer zeigt den Weg?

    Die Israeliten auf dem Weg nach Kanaan waren nicht allein unterwegs. Mose galt zwar als der menschliche Anführer. Aber er war nicht der eigentliche Wegweiser. Den Weg nach Kanaan kannte Mose auch nicht besser als alle anderen. Gott selbst war bei seinem Volk. Das ist der ganz besondere Punkt an dieser Geschichte. Gott war mittendrin. Als Wolkensäule und als Feuersäule. Bei Tag als Wegweiser und bei Nacht als Licht in der Dunkelheit. Unter dieser Führung getrauten sie sich, weiter zu ziehen.

     

    Wer die weitere Geschichte von der Wanderung Israels kennt, der weiß, dass die Anwesenheit Gottes in seinem Volk keineswegs dafür sorgte, dass alles immer rund und ohne Konflikte ablief. Sehr oft waren die Israeliten mit den Wegen, die Gott sie führte, sehr unzufrieden und ließen ihren Ärger an Mose aus. Sie schrammten nur haarscharf an der einen oder anderen Katastrophe vorbei. Aber als Gott beschlossen hatte, nicht mehr mit seinem Volk zu ziehen, weil die Menschen ja ohnehin gegen ihn aufbegehrten, da bat Mose inständig für die Israeliten. Das Alleinstellungsmerkmal, neudeutsch der USP oder Unic Selling Point der Israeliten war doch genau das: Gott ist mit dabei. Sie gehen nicht allein.

     

    Das zurückliegende Jahr hat uns daran erinnert, das wir unser Leben, unsere Gesundheit, unsere Sicherheit nicht uns selbst verdanken. Wir haben vieles in der Hand. Aber es kann uns schnell entrissen werden. Wir haben nicht die letzte Kontrolle. Vielleicht macht das manchen Menschen Angst. Vielleicht führt diese Angst dazu, dass es Leute gibt, die für komplexe Probleme einfache Lösungen suchen. Die da oben sind schuld. Die geheime Regierung, die Echsenmenschen, irgendwer ist schuld an unseren Problemen und unserer Angst. Die Israeliten haben jeweils Mose die Schuld gegeben, wenn es schwierig oder gefährlich wurde, wenn die Angst sich breit machte. Scheinbar brauchen wir in solchen Situationen einen Sündenbock.

     

    Ich denke, es gibt noch eine bessere Lösung. Am Ende eines Jahres und zu Beginn eines neuen Jahres möchte ich mich daran erinnern lassen, dass Gott mitgeht. Seit Jesus als Mensch auf dieser Welt lebte, muss niemand mehr ohne Gott leben. Wie damals die Wolken- und Feuersäule für Israel, so ist Jesus für die die Welt heute Wegweiser und Orientierungspunkt. Wir wissen nicht, was das neue Jahr bringen wird. Nach den Erfahrungen von 2020 ist das nicht nur ein locker dahin gesagter Spruch, sondern eine ganz ernste, von unsere kollektiven Erfahrung getragene Aussage. Aber eines wissen wir:

     

    Von guten Mächten wunderbar geborgen
    erwarten wir getrost, was kommen mag.
    Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
    und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

    Amen.

     

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen in Christus Jesus, unserem Herrn.

    Amen.

  • Predigt am ersten Weihnachtstag (25.12.2020)

    Predigt Jesaja 52,7-10

    Kanzelgruß: Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

    Freudenbote

    Liebe Gemeinde!

     

    Was wäre anno 2020 für uns ein Freudenbote? Wir stecken mitten in einer Krise, die uns zum zweiten Mal in 10 Monaten geschlossene Geschäfte und dieses Mal sogar nächtliche Ausgangssperren beschert hat. So etwas hat es seit dem 2. Weltkrieg in Deutschland nicht mehr gegeben. Wir alle sind überwältigt und irgendwie überfordert mit der Situation. Aber wir sind betroffen. Keiner kann sagen: Mir kann nichts geschehen. Auch in Weißbach gab und gibt es Corona-Fälle. Man fügt sich hinein, weil man nichts ändern kann. Ich stelle mir einen Freudenboten vor: Corona ist vorbei. Das Virus ist besiegt. Es gibt keine neuen Ansteckungen mehr. Medikamente und Impfung wirken zuverlässig und ohne Risiko. Und ich stelle überrascht von mir selbst fest: Ich setze meine Hoffnung, dass die Lage sich bessert, gar nicht so sehr auf Gott und seine Hilfe, sondern auf die Fähigkeiten von Menschen. Und ich frage mich selbst: Wo ist eigentlich Gott in der Corona-Krise? Woher erwarte ich eigentlich Hilfe? Und wer hat hier eigentlich die Fäden in der Hand? Und dann lese ich den Predigttext für heute, den 1. Weihnachtsfeiertag:

    Predigttext

    7Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König! 8Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander; denn sie werden's mit ihren Augen sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt. 9Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. 10Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

    1.     Heil kommt von Gott

    Vor ca. 2540 Jahren saßen die Menschen in Jerusalem auf einem Trümmerfeld. Die oberen 10.000 der Bevölkerung waren 587 v.Chr. nach der Zerstörung Jerusalems nach Babylon deportiert worden. Dort lebten ihre Nachfahren schon in der zweiten oder dritten Generation. Die wenigen, die in der alten Davidstadt geblieben waren, hatten wenig, worüber sie sich freuen konnten. Schritte von Boten, die Nachrichten brachten, waren selten und selten waren es gute Nachrichten. Schon am Schritt der Boten hörte man das. Schleppend, schlurfend, schwer. Dazu kamen immer wieder die schweren Tritte der Soldaten, die das Land durchzogen. Lieblich sieht anders aus.

     

    In diese düstere Stimmung hinein platzt geradezu die Botschaft von Jesaja: Liebliche, angenehme, leichtfüßige, freudige Schritte von einem Boten, der über die umliegenden Berge nach Jerusalem kommt. Im Gepäck eine gute Nachricht. Es herrscht Frieden, es wird Heil sein. Gott ist König! Der Herr kehrt zurück nach Jerusalem, nach Zion.

     

    Welch eine Botschaft. Der Herr kehrt zurück nach Jerusalem. War Gott denn weg, könnte man fragen? Für uns ist Gott doch immer und überall ansprechbar. Das stimmt, aber für Israel damals war das Zeichen dafür, dass Gott ansprechbar ist, der Tempel in Jerusalem. Und dieser Tempel war bei der Eroberung zerstört worden. Für die Israeliten damals war das das deutlich sichtbare Zeichen: Wir sind von Gott verlassen. Die Beziehung zu unserem Gott ist zerstört.

     

    Und jetzt spricht der Prophet neue Worte: Tröstet mein Volk, redet mit Jerusalem freundlich - so beginnt der zweite Teil des Jesajabuchs in Kapitel 40. Und: Gott kehrt zurück. Welch eine Botschaft. Das ist im wahrsten Sinn des Wortes: Evangelium - Freudenbotschaft. Die Trennung von Gott ist überwunden. Die Wächter der Stadt werden es sehen. Alle Völker werden es erleben. Das Heil Gottes wird für die ganze Welt sichtbar.

    2.     Heil wirkt mitten im Zerbrochenen

    War denn nun mit einem Fingerschnippen der Tempel wieder aufgebaut? Standen die Häuser wieder? Pulsierte das Leben wieder in der zerstörten Stadt?

     

    Nein. Die Trümmer jubeln. Es ist noch nichts neu aufgebaut. Die Juden in Babylon sind immer noch in Babylon. Es ist noch nichts sichtbar von dem Neuen, was Gott tun will. Das einzig sichtbare Zeichen bis dahin ist der leichte, hoffnungsfrohe Schritt des Boten, der diese Nachricht bringt. Verströstung auf eine bessere Zukunft? Man könnte das so sehen. Aber das ist zu klein gedacht.

     

    Der Bote, der die Friedensnachricht überbringt, richtet Gottes Wort aus. Er ist ja im Auftrag des Herrn unterwegs und nicht in eigenem Auftrag oder im Auftrag der Politiker seiner Zeit. Und Gottes Wort ist immer Schöpferwort. Wenn Gottes Wort Hoffnung zuspricht, dann entsteht Hoffnung. Wenn Gottes Wort Frieden zusagt, dann entsteht Frieden. Hinter dem Botenwort steht der Gott, der Himmel und Erde gewollt hat und durch sein Schöpferwort hat entstehen lassen. Darum ist die Botschaft des Freudenboten mehr als Vertröstung. Gott wird handeln. Darüber können sich die Trümmer einer zerstörten Stadt freuen. Alles zerbrochene, von Krieg und Gewalt zerstörte, von Elend und Krankheit niedergedrückte Leben in Jerusalem wird wieder aufleben. Es kann besser werden, ja, es wird besser werden. Die Zerstörung der Stadt hat nicht das letzte Wort. Der niedergebrannte Tempel hat nicht das letzte Wort. Gott spricht das entscheidende Wort. Weil es Gottes Wille ist. Weil er es zuspricht. Weil sein Wort schafft, was es sagt.

    3.     Heil für die Welt

    An Weihnachten hören wir immer auch die Botschaft des Engels aus dem Weihnachtsevangelium: "Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboten, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids."

     

    Hören wir auf die Ähnlichkeit der Botschaft zu der des Freudenboten mit dem lieblichen, leichten Schritt. Große Freude und Heil geschehen an Weihnachten. Das Heil für die Welt, das schon bei Jesaja anklingt, wird über der Geburt des Retters ausgerufen. So wie Jesaja für Zion Frieden verkündet, verkündet der Engel den Hirten und allen Menschen, einer ganzen Welt, Frieden und Heil. Und diese Botschaft brauchen wir dringend. Heute genauso wie damals.

     

    Am Anfang habe ich mich gefragt: Wo ist eigentlich Gott in der Corona-Krise?

     

    Die Antwort ist ganz einfach. Sie ist an jeder Weihnachtskrippe zu sehen, ob zu Hause unter dem Weihnachtsbaum oder hier im Kirchhof in unserer großen Krippe oder hier in der Kirche. Gott ist mitten drin. Gott wird Mensch, dir Mensch zugute. Das Wort ward Fleisch. Alle diese Zitate sagen das gleiche aus: Gott ist mitten unter den Menschen. Gott ist nicht weit weg. Er ist auch nicht an bestimmte Orte oder Gebäude gebunden. Gott liegt als Kind in der Krippe und hängt als Erlöser am Kreuz auf Golgatha. Er kennt die Freuden und Nöte, die Hoffnungen und Krisen deines Lebens. Er teilt die Krisen und Freuden des Lebens mit dir. Zugleich gibt er die Hoffnung, dass Krisen nicht das letzte Wort sprechen. Auch das Coronavirus und die Krankheit Covid19 nicht. Auch persönliches Lebenskrisen nicht. Was immer dir gerade besonders zu schaffen macht, hat nicht das letzte Wort. Das entscheidende Wort spricht Gott selbst: Heil und Frieden für alle Welt. Das spricht der Bote über Jerusalem aus und der Engel an Weihnachten über allen Menschen: Euch ist heute der Retter geboren. Gott schafft Frieden und Heil.

    Amen.

     

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

    Amen.

  • Predigt an Heiligabend (24.12.2020)

    Predigt Jesaja 11,1-10

    Kanzelgruß: Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

    Der Traum von einer heilen Welt

    1Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. 2Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. 3Und Wohlgefallen wird er haben an der Furcht des HERRN. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören, 4sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten. 5Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und die Treue der Gurt seiner Hüften.

     

    6Da wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern. Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten. 7Kuh und Bärin werden zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. 8Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein kleines Kind wird seine Hand ausstrecken zur Höhle der Natter. 9Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt. 10Und es wird geschehen zu der Zeit, dass die Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Nach ihm werden die Völker fragen, und die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein.

    1.     Eine neue Hoffnung

    Liebe Gemeinde!

     

    Leider ist so ein Frühlingsbild mitten im Winter als Vergleich etwas schwierig. Ich kann gerade nirgendwo hinzeigen, auch hier im Freien nicht, und sagen: Sehen Sie, dort haben Sie so einen frischen Schössling vor Augen. Aber vielleicht haben Sie so etwas ja schon einmal gesehen und können es sich wieder ins Gedächtnis rufen: Ein Baum wurde gefällt. Nur der Stumpf ist noch übrig geblieben, Stamm, Äste und Zweige sind längst zersägt und weggeschafft, zu Brennholz oder Bauholz verarbeitet, gehäckselt oder auf eine andere Art verwertet. Eigentlich ein trauriger Anblick. Da wo Leben war, ist nichts mehr übrig. Die Photosynthese in den Blättern ist vorbei, die Wurzeln saugen kein Wasser mehr aus dem Boden. Etwas wurde abgetrennt.

     

    So oder so ähnlich muss es sich für Israel angefühlt haben, die Eroberungen durch die Assyrer und später die Babylonier. So haben sie die Zerstörung ihrer heiligen Stadt Jerusalem erlebt, als der Tempel brannte. Der letzte König aus der Linie Davids musste sich ergeben und wurde in die Gefangenschaft deportiert. Über 400 Jahre durchgehende Dynastiefolge waren zu Ende. Der Stamm Davids war gefällt. Das Ende einer Ära, wenn Sie so wollen, in politischer und in religiöser Hinsicht. Ohne den Tempel war die Gewissheit vorbei, dass Gott für sein Volk ansprechbar ist. Gott schweigt und hört auch nicht mehr zu. Ohne einen Erben Davids auf dem Thron in Jerusalem war die Verheißung Gottes hinfällig, dass er einem Nachkommen Davids sein Königtum für immer bestätigen werde.

     

    Und dann tritt Jesaja auf. „Es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.“

     

    Aus einem Baumstumpf heraus wachsen manchmal junge Triebe nach. Zuerst nur kleine Zweige, Reiser. Aber wenn man sie wachsen lässt, wenn sie genug Zeit haben, dann werden sie größer. Aus einem Baumstumpf heraus kann neues Leben wachsen, kann sogar ein neuer Baum wachsen, nachdem der alte Stamm gefällt wurde. Wenn die Wurzel gesund ist, dann bleibt die Kraft des Lebens noch lange in einem Baumstumpf. Ein abgehauener Stamm muss nicht das Ende bedeuten.

     

    Isai, so hieß der Vater von David. Er war sozusagen die Wurzel, aus der auch David heraus gewachsen ist. Die Königslinie von David ist zu Ende. Aber aus der Wurzel heraus kann und wird Neues wachsen. Diese Hoffnung kann der Prophet einem verzweifelten und verunsicherten Volk machen. Gott hat sein Volk nicht aufgegeben. Er bleibt seinen Menschen treu. Eine neue Verzweigung der Geschichte Gottes mit der Welt wird angekündigt.

    2.     … und Frieden auf Erden

    Wie kann so eine neue Verzweigung aussehen? Was können wir erwarten? Was haben die Menschen zur Zeit von Jesaja erwartet? Was haben sie zur Zeit von Jesus vor 2000 erwartet?

     

    Das letzte lässt sich am einfachsten sagen, weil es darüber viele Aussagen in der Bibel und in anderen Texten aus dieser Zeit gibt. Ursula Wölfel, die Kinder- und Jugendbuchautorin, hat das in eine Geschichte gefasst, aus der ich einen kleinen Auszug vorlesen möchte:

     

    […] Jetzt kamen römische Soldaten durch die Gasse und marschierten zum See hinunter. Darum waren jetzt alle Häuser verschlossen. Die Gasse lag leer und still. […] Als die Soldaten vorbeimarschierten, betete Simon, der Töpfer laut einen Psalm: „Der im Himmel thronet, lacht, der Herr spottet ihrer!“, hörte Isaak ihn sagen. Und dann: „Du magst sie zerschlagen mit eisernem Stabe, magst sie zerschmeißen wie Töpfergeschirr.“ „Sind alle Römer böse?“, fragte er Simon.

     

    „Du fragst wie ein Narr!“, sagte der alte Mann. „Sie haben unser Land erobert und wollen es besitzen, die Fremden! Sie machen uns arm mit den Steuern, die wir ihnen zahlen müssen.“ […] „Aber der Retter wird kommen, der Messias! Das haben die Propheten uns versprochen. Er wird sie zerschlagen mit eisernem Stabe, zerschmeißen wird er sie wie Töpfergeschirr!“

     

    „Wann kommt er?“, fragte Isaak.

     

    Simon […] murmelte: „Bald muss er kommen, bald! Die Not ist groß.“

     

    „Wird er alle Römer töten?“

     

    „Er wird ein großer Heerführer sein und unsere Männer sammeln. Dann vertreiben wir die Römer, dann wird unser Land wieder stark und groß und reich.“ Isaak sagte: „Samuel hat mir erzählt, dass dann die Felder dreimal im Jahr Frucht tragen werden und dass wir zehnmal soviel wie jetzt von den Obstbäumen ernten und dass die Löwen und Wölfe dann keine Schafe mehr reißen.“

     

    Heerführer oder Friedefürst – das ist die entscheidende Frage. Beides, die Härte und die Barmherzigkeit, die Strenge und der ausgesöhnte Frieden, nicht nur zwischen allen Menschen, sondern auch zwischen allen anderen Geschöpfen, liegt in der Weissagung von Jesaja. Darin liegt die große Hoffnung und die große Spannung. Denn wir haben diesen Frieden noch nicht. Wir glauben, dass wir an Weihnachten den Geburtstag des Sprosses aus dem Stamme Isai feiern. Wir kennen ein bisschen von seiner Lebensgeschichte und wir wissen, dass die am Karfreitag schrecklich endete – und am Ostermorgen zeigte sich, dass das doch noch nicht das Ende war. Dieser Jesus war gewiss kein Heerführer, eher schon einer, der sich auf die Seite der Entrechteten und Unterdrückten stellte. Aber er wollte kein Reich Gottes mit Gewalt erzwingen oder mit Wundern herbei zaubern. Er wollte das Vertrauen der Menschen, meines und Ihres. Wir haben die Worte von Jesaja, dass alle Gewalt und Feindschaft zwischen allen Menschen und allen Geschöpfen einmal aufgehoben sein wird. Dann wird kein Leben mehr geopfert werden müssen, damit anderes Leben weiter geht. Aber davon sind wir noch weit entfernt. Unrecht und Gewalt von Menschen gegen andere Menschen, Völkern gegen Völker, Glaubenden gegen Andersgläubige sind noch an der Tagesordnung. An Weihnachten sehnen wir uns nach Frieden und stiller Hoffnung – und oft sind gerade die Festtage Zeiten, in denen sich verdrängte Konflikte entladen und das genaue Gegenteil von Frieden bringen.

     

    Dennoch lautet die Weihnachtsbotschaft genau so: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ Große Freude – Frieden – Hoffnung – für alle Menschen. Die Ankündigung gilt, genauso wie die von Jesaja, dass Wolf und Lamm beieinander lagern werden. Gott lässt sein Wort nicht leichtfertig hören. Und er fängt an, es wahr zu machen. Mit der Geburt von Jesus, dem Reis aus der Wurzel Isai, fängt er an. Die Menschen, die bei der Geburt von Jesus dabei waren, konnten das sehen, obwohl sie nichts anderes vor Augen hatten als ein neugeborenes Kind. Aber in diesem Kind spürten sie die Kraft Gottes, Liebe, Gerechtigkeit und Frieden. Sie wurden von Gott berührt. Und sie haben diese Geschichte weiter erzählt. Bis heute wird diese Geschichte weiter getragen: Ich verkündige euch große Freude. Lassen Sie sich von dieser Freude, diesem Frieden berühren. Lassen Sie sich von Gott berühren. Dann wird es wirklich Weihnachten.

    Amen.

     

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

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Glaube und Religion

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Hausandacht

Hier finden Sie einen Vorschlag für eine Hausandacht während des Läutens der Betglocke um 19:30 Uhr. Zum Lesen des vollständigen Textes einfach auf die Überschrift klicken.

 

 

  • Vorschlag zum Gebet in den Häusern

    Vorschlag zum Gebet in den Häusern

    Wir laden gemeinsam mit allen evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Baden-Württemberg jeweils um 19:30 Uhr mit dem Läuten der Betglocke unserer Kirchen zum Gebet ein. Das Hausgebet könnte z.B. so aussehen:

     

    Einer: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes"

     

    Alle: Amen.

     

    Eine Kerze wird entzündet und ins Fenster, möglichst zur Straße hin, gestellt.

     

    Einer: Wir beten in der Stille

     

    (Gebetsstille)

     

    Alle: Vater unser im Himmel ...

     

    Alle oder Einer: Luthers Abendsegen

     

    "Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde."

     

    Einer: Der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen in Christus Jesus.

     

    Alle: Amen.

     

     

Gottesdienste und andere geistliche Online-Angebote

Die folgende Linkliste verweist auf eine Reihe von Online-Gottesdiensten und geistlichen Angeboten. Wir dürfen zwar inzwischen wieder Gottesdienste in unserer Kirche feiern, aber vielleicht sind diese Angebote trotzdem für Sie interessant.

Angebote der Ev. Landeskirche Württembergs:

Gemeindeleben online

YouTube-Kanal "online-kirche württemberg"

Fernseh-Gottesdienst im ZDF:

ZDF-Mediathek - Gottesdienst

Angebote auf Bibel TV:

Bibel TV Live-Gottesdienst

Bibel TV Gottesdienst-Archiv

Ideen zur Gestaltung einer Hausandacht:

Eine Liturgie für ein Tagzeitengebet, wie sie im Stift Urach, dem Einkehrhaus unserer Landeskirche gefeiert wird, finden Sie unter hier.