Predigten online

Singen und Beten

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Mit der Änderung der Verordnungen zum Infektionsschutz während der Corona-Pandemie, die zum 04. Mai inkraftgetreten ist, dürfen nun unter Auflagen wieder Gottesdienste durchgeführt werden. Einzelheiten dazu finden sich auf der Seite des Kultusministeriums. Auch wir feiern in unseren Gemeinden wieder Gottesdienst. Infos dazu auf unserer Seite "Aktuelles".

Dennoch werde ich auch weiterhin die Predigten, die ich für unsere Gemeindegottesdienste vorbereitet habe, jeweils zum aktuellen Sonntag auf dieser Seite einstellen - entweder zum Lesen direkt am Bildschirm oder zum Herunterladen als PDF-Datei, die man sich dann auch ausdrucken und ggf. weitergeben kann.

 

Gott segne Sie alle, gerade jetzt in dieser Ausnahmesituation

 

Ihr Pfarrer

Thorsten Müller

Aktuelle Predigten

Auf die Titelzeile klicken zum Lesen.

  • Predigt zum Erntedankfest (27.09.2020)

    Predigt Markus 8,1-9

    Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

    Gut versorgt – auch in der Krise

    Liebe Gemeinde!

     

    Im Hintergrund waren die vielen Stimmen der Menschen zu hören. Seit drei Tagen waren sie alle bei uns. So viele wollten Jesus sehen und hören. Ich schätze, es waren etwa 4000 Menschen beieinander. Ich spürte, konnte förmlich fühlen, wie sich der Klang der vielen Stimmen wandelte. Es war nicht mehr die fröhliche Aufregung von gestern und vorgestern, wenn Jesus sich setzte, um zu predigen. In das Gewirr der Worte mischten sich klagende Kinderstimmen, mürrische Männerstimmen und fragende Frauenstimme. Jesus hatte es auch gemerkt. Er rief uns, seine Schüler, zu sich. Was hatte er vor?

     

    Erntedankfest – das Fest der Gärtner und Landwirte und Weinbauern, so könnte man meinen. Ernte, das heißt ja, einsammeln der Feldfrüchte. Das betrifft eben die Menschen, die in diesem Bereich arbeiten. Oder ist da noch mehr? Martin Luther scheibt in seinem „Kleinen Katechismus“ zur Bitte „Unser täglich Brot gib uns heute“: „Was heißt denn tägliches Brot? – Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“ Also umfassend, alles was wir zum Leben brauchen. Erntedank – das bedeutet, wenigstens einmal im Jahr in den Blick zu nehmen und uns daran zu erinnern, dass wir unser Leben nicht uns selbst verdanken. Das wir zwar einen Arzt kaufen können, aber keine Gesundheit, einen Diener, aber keinen Freund, Versorgung, aber keine Liebe, ein Haus, aber kein Zuhause. Das, was unser Leben wirklich im tiefsten ausmacht, das ist Geschenk, das ist Gottes gute Gabe, das ist das tägliche Brot, das wir zum Leben brauchen und mit dem uns Gott gerne versorgt. Und heute, ganz besonders, wollen wir dafür einmal „Danke“ sagen und uns an Gottes Güte für uns erinnern. So weit, so gut.

     

    Aber wie sieht das in Krisenzeiten aus? In diesem Jahr ist alles irgendwie anders. Beim Erntedankfest ist normalerweise auch der Kindergarten beteiligt. Das geht in diesem Jahr nicht. Wenn die Kinder und ihre Eltern hier dabei wären, dann könnten wir die Schutzabstände nicht mehr einhalten, die uns vorgeschrieben sind. Die Kindergartenkinder kommen morgen in die Kirche und bekommen ihre eigene Feier zum Erntedank. Wir befinden uns seit einem halben Jahr mehr oder weniger im Ausnahmezustand. Wofür können wir in dieser Zeit noch danken? Oder haben wir doch mehr zu klagen? Und da gäbe es ja manches: Die Kontaktbeschränkungen, die ja immer noch bestehen. Die aufwändigen Hygiene- und Infektionsschutzvorschriften, die unsere Veranstaltungen in der Kirche und darüber hinaus bestimmen. Die Sorge, ob man sich selbst angesteckt hat – oder vielleicht jemand aus dem Umfeld infiziert ist. Die Frage, ob man selbst zur Risikogruppe gehört oder andere in Gefahr bringen könnte. Dieser dauernde Stresszustand kann am Ende genauso belastend sein wie eine körperliche Krankheit.

     

    Dann geht es ja unserer Natur und Umwelt auch nicht gut. Von den 10 heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen liegen 6 in den letzten 20 Jahren, die übrigen 2 in den 1990er Jahren und die anderen beiden verteilen sich auf die 110 Jahre davor. Die letzten drei Jahre – auch 2020 schon mitgerechnet – waren viel zu trocken. Vor allem im Winter gab es kaum Schnee und daher im Frühling keine Schneeschmelze, und im Frühling hat es im Vergleich zu wenig geregnet. Die deutschen Bauern haben dieses Jahr 5% Getreide weniger geerntet als im Durchschnitt der 5 Jahre davor. Die Wälder leiden unter der Trockenheit. Vor allem flachwurzelnde Nadelbäume verdorren.

     

    Die Corona-Krise hat die Klimakrise für einen Moment aus den Nachrichten verdrängt. Das heißt aber nicht, dass damit auch das Problem gelöst wäre.

     

    Zurück zu der Szene vom Anfang: Was hatte Jesus vor? Jesus schaute uns alle zwölf an. Dann deutete er auf die Menschen. „Schaut sie euch an“, sagte er. „Drei Tage sind sie nun schon bei mir. So groß ist ihre Sehnsucht nach guten Worten, nach der Liebe Gottes, die ich Ihnen weiter sage. Aber jetzt haben sie keinen Proviant mehr. Auch das letzte Stück Vesperbrot ist aufgegessen. Wenn ich Sie jetzt wegschicke, dann werden einige nicht heil bei sich zu Hause ankommen. Vor allem die Kinder halten das nicht mehr aus.“ Wir standen mit offenem Mund da. Die Unzufriedenheit der Leute, der Hunger, die jammernden Kinder, all das war nicht zu überhören und zu übersehen. Aber wie sollten wir das Problem lösen? Wir waren weit weg vom nächsten Ort. Woher sollten wir Brot bekommen? Wenigstens ein bisschen, damit die Leute sich nicht halb verhungert auf den Weg machen müssen? Wir zwölf sahen uns ratlos an. Einer sagte, was alle dachten: „Jesus, das geht nicht. Hier gibt es weit und breit nichts. Wie sollen wir das denn machen?“ Plötzlich waren wir mitten in einer richtigen Krise. Wenn die Stimmung der Menschen kippte, dann konnte das schnell sehr ungemütlich für uns alle werden.

     

    Vielleicht haben Sie die Geschichte erkannt: Die Speisung der 4000. Jesus, seine Jünger und ungefähr 4000 Menschen im Krisenmodus. Sie haben nichts mehr zu Essen. Oder fast nichts. Die Jünger selbst haben noch ein wenig Proviant. Sieben Brote und ein paar Fische. In der Hand von Jesus reicht das für alle. Irgendwie geschieht das Wunder. Jesus dankt für das, was da ist. Und dann wird ausgeteilt. Und es reicht für alle. Es bleiben sogar noch Reste übrig, die sorgfältig eingesammelt werden.

     

    Das spannende an dieser Geschichte: Jesus spricht das Dankgebet nicht für den Überfluss, sondern mitten im Mangel, mitten in der Krise. Er dankt für das, was da ist, auch wenn es scheinbar wenig ist.

     

    Also – wofür danken wir an Erntedank 2020?

     

    Vielleicht dafür, dass wir in einem Land leben, das gute Ärzte und gute medizinische Versorgung hat. Für jeden Menschen, der es braucht, nicht nur für die, die es bezahlen können.

     

    Dafür, dass wir eine Ernte haben – trotz heißer Sommer und Trockenheit.

     

    Dafür, dass es junge Menschen gibt, die für den Erhalt unserer Welt und den Schutz des Klimas auf die Straßen gehen. Am Freitag war es wieder so weit, die erste Fridays for Future-Demonstration seit dem Beginn der Coronakrise.

     

    Dafür, dass wir als glaubende Menschen einen weiteren Horizont haben. Bei allem was geschieht, können wir nicht nur mit unseren Möglichkeiten rechnen. Wir dürfen immer auch darauf vertrauen, dass Gott seine Welt nicht hängen lässt. Ein Satz, der am Erntedankfest auch oft zu hören ist, steht im 1. Mose 8,22: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

     

    Gott steht noch zu seiner Welt und zu seinen Menschen. Das heißt nicht, dass es keine Krisen mehr gibt. Vor allem nicht, dass es keine Krisen gibt, die wir selbst verschuldet haben. Gott nimmt uns die Verantwortung für unser Leben nicht ab. Aber er steht uns zur Seite und hält uns fest. Er gibt Hoffnung, dass Krisen nicht das letzte Wort haben.

    Amen.

     

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen in Christus Jesus, unserem Herrn.

    Amen.

    Predigttext:

    1Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: 2Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. 3Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. 4Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? 5Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. 6Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. 7Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen. 8Und sie aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. 9Es waren aber etwa viertausend; und er ließ sie gehen.

  • Predigt zum 14. Sonntag nach Trinitatis (13.09.2020)

    Predigt Lukas 19,1-10

    Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

    … was er dir Gutes getan hat!

    „Wie kann er das nur tun. Das ist ein Skandal. Das darf doch nicht wahr sein. Ausgerechnet bei dem. Und so einer will ein Lehrer der Menschen sein. Er müsste doch wissen, was das für einer ist.“ Usw.  usw. Das sind nicht die Protestrufe der Demonstranten bei der letzten Anti-Corona-Demo. Es ist auch nicht das Gemaule der Schüler über einen ungerechten Lehrer oder das der Mitarbeiter über einen neuen Vorgesetzten. Hier maulten Menschen über und gegen Jesus. Weil er etwas getan hat, was viele für respektlos, unhöflich, unmöglich oder gar ungesetzlich hielten.

     

    Ich lese den Predigttext:

    Predigttext

    1Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch. 2Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. 3Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. 4Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. 5Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. 6Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.

     

    7Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. 8Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. 9Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. 10Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

    1.    Eine Persona non grata

    Warum macht Jesus das eigentlich? Die Frage hat die Leute damals ziemlich beschäftigt. Schließlich „murrten sie alle“, weil Jesus ausgerechnet bei einem Sünder einkehrt. Dabei hätte es sicher in der Stadt Jericho ausreichend viele ehrwürdige Bürger gegeben, die Jesus und seine Jünger ebenso mit Freude bei sich bewirtet hätten. Die Gastfreundschaft war nicht nur eine Tugend der späteren christlichen Gemeinden. Sie war auch im Israel zur Zeit von Jesus selbstverständlich. Und einen bekannten Rabbi zu Gast zu haben, war immer eine Ehre. Da hätten viele gerne eine Einladung ausgesprochen. So weit kommt es nicht. Jesus lädt sich selbst ein. Bei einem, der damit vermutlich nicht gerechnet hat.

     

    Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man das betrachtet, gehörte aber auch Zachäus zu den Honoratioren der Stadt. Er war Oberzöllner und reich. Aus Sicht der Regierung, also Rom, und aus Sicht des römischen Prokurators Pilatus, war Zachäus ein wichtiger und einflussreicher Mann, sonst wäre er nicht „Oberzöllner“. Vielleicht war er vorher schon reich, vielleicht hat der Beruf ihn auch reich gemacht. Zu reichen Leuten halten die Politiker gerne Kontakt. Damals wie heute. Geld ist in vielen Fällen ein wichtiger „Schmierstoff“, und wer viel davon hat, kann an vielen Stellen Einfluss nehmen.

     

    Das macht ihn in seinem eigenen Volk unbeliebt. Einer, der den Besatzern beim Geldeintreiben hilft, muss ein schlechter Mensch sein. Einer, der den Kontakt mit Heiden nicht scheut, muss selbst einer sein.

     

    Also was nun? Zachäus, ein Sünder oder einer der oberen Zehntausend?

     

    In der Politik heißt es gerade: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern.“ Wer eine Demonstration ansetzt und zulässt, dass dort Menschen dabei sind, die staats- und demokratiefeindliche Ansichten vertreten, der bringt sich in den Verdacht, selbst auch solche Ansichten zu haben – oder zumindest kein Problem und keine Gefahr in diesen Ansichten zu sehen.

     

    Wer sich mit Corona-Leugnern und Menschen unterhält, die an allerlei Verschwörungsmythen glauben, der ist am Ende selbst so einer.

     

    Es ist ganz wichtig, sich immer von allem zu distanzieren, was irgendwie problematisch ist. Wir dürfen auf keinen Fall riskieren, dass uns jemand falsch versteht.

     

    Was ist dann mit Jesus? Wird er plötzlich auch zum Kollaborateur und zum Halbheiden, weil er Zachäus besucht?

    2.    Ein Sohn Abrahams

    Nochmal zur Erinnerung – der Wochenspruch lautet: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Wenn die Begegnung zwischen Jesus und Zachäus unter dieser Überschrift steht, dann heißt das: Jesus tut Zachäus etwas Gutes, wenn er sich bei ihm zum Essen einlädt.

     

    Ob es gut ist, jemand anderem den Kühlschrank leer zu essen? Das muss der jeweilige Gastgeber entscheiden. Aber irgendetwas ist mit Zachäus doch passiert bei diesem Abendessen. Wir wissen, dass sich Zachäus freute. Und wir wissen, dass dieser Tag Folgen hatte. Bei anderen Gelegenheiten haben uns die Evangelisten überliefert, was beim Essen gesprochen wurde oder wenn etwas Außergewöhnliches geschehen ist. Was zwischen Jesus und Zachäus passierte, hat niemand überliefert. Aber das, was Zachäus dann tat, und was er zu Jesus sagte, das ist uns überliefert.

     

    Nochmal eine Stimme von einem, der am Anfang geschimpft hat: „Das gibt es doch nicht. Ich wusste genau, dass die Zollpreise nicht stimmen konnten, die Zachäus immer wieder festgesetzt hat, wenn ich meine Waren in die Stadt brachte. Aber jetzt kam er zu mir, drückte mir einen Beutel mit Münzen in die Hand uns sagte: ‚Ich habe dir immer zu viel berechnet. Ich gebe dir vierfach das zurück, was ich dir zuviel abgenommen habe. Es tut mir Leid, dass ich mich an dir bereichern wollte.‘ Was sagt man dazu! Was für ein Sinneswandel.“

     

    Ja, wirklich ein Sinneswandel. Die Vermehrung von Vermögen, auch auf unrechte Weise, ist für Zachäus nicht mehr Selbstzweck. Mit seinem Geld möchte er Gutes tun. Ich glaube, er macht das, weil er Jesus danken möchte. Jesus hat dem klein gewachsenen, materiell reichen, unbeliebten Zollchef seine Freundschaft angeboten. Jesus kommt zu Zachäus zum Essen. Die Tischgemeinschaft ist ein Zeichen von Freundschaft. Das macht etwas mit Zachäus. Jesus sagt, Zachäus und sein Haushalt hätten „Heil“ erlebt. Heil, das ist etwas Gutes. Man könnte auch übersetzen: Rettung. Oder man könnte sagen: Schalom. Etwas vom Frieden Gottes ist bei Zachäus eingezogen, in seine Beziehung zum Geld, zu sich selbst und zu anderen – und natürlich in seine Beziehung zu Gott. Das macht ihn dankbar. Darum gibt er sein Geld gerne her. Er braucht es nicht mehr zur Selbstbestätigung.

     

    Die Begegnung mit Jesus, dem Sohn Gottes, hat die Kraft, Menschen zu verändern. Wenn er uns begegnet, verändert er uns. Wenn er anderen Menschen durch uns begegnet, dann dürfen wir darauf vertrauen, dass auch diesen anderen verändert werden, Schalom erleben und neue Beziehung zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst gewinnen. Auch Menschen, von denen wir es nicht glauben können, können von Jesus verändert werden. Von Zachäus hätte das damals auch niemand geglaubt.

     

    Darum gilt für jeden Menschen, der den Schalom, den verändernden Frieden Gottes erlebt: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

    Amen.

     

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

    Amen.

  • Predigt zum 13. Sonntag nach Trintatis (06.09.2020)

    Predigt Apostelgeschichte 6,1-7

    Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

    Was Gemeinden stark macht

    Liebe Gemeinde!

     

    Erfolg macht attraktiv. Wer Erfolg hat, erarbeitet sich Neid, wer keinen Erfolg hat, bekommt das Mitleid geschenkt.

     

    Solche und andere Sätze über messbaren und sichtbaren Erfolg in dem, was man tut, kennt unsere Zeit und unsere Gesellschaft nur zu gut. Das kann bis in die Gemeinden hinein reichen. Ich habe einmal in einer Diskussion den Satz zu hören bekommen: „Wer bekehrt, hat recht.“

     

    Wir schauen nun einmal auf die Zahlen und auf das Sichtbare und Messbare. Dabei kann uns aber das Wesentliche aus dem Blick geraten. Ich lese den Predigttext aus Apg. 6,1-7:

    Predigttext

    1In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. 2Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen. 3Darum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst. 4Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.

     

    5Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia. 6Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf. 7Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.

    1. Die erfolgreiche Gemeinde

    Die Zahl der Jüngerinnen und Jünger nahm zu. Die Gemeinde wuchs. Immer mehr Menschen folgten dem neuen Weg zu Gott, der über den Glauben an den Messias Jesus führte. Sie lebten nach seiner Lehre. Sogar Priester schlossen sich dem Weg an. Was für eine Revolution. Nicht mehr der Dienst des Priesters im Tempel, sondern der Glaube an Jesus führt zu Gott. Viele Gemeindeglieder gaben ihren Besitz mit Freude für die Bestreitung der Gemeindeausgaben. Die Ausgaben waren vor allem für die Diakonie bestimmt. Wer etwas brauchte, bekam es aus der gemeinsamen Kasse. Menschen ohne soziale Absicherung, das waren im Wesentlichen kinderlose Witwen und elternlose Kinder, wurden mit dem Lebensnotwendigen versorgt. Wenn Sie wollen: Es gab einen Tafelladen und eine Vesperkirche. Die Sozialfürsorge machte die Gemeinde anziehend. „Wir kümmern uns um einander und um alle, die Hilfe brauchen und denen wir helfen können.“ So könnte man das Motto der ältesten christlichen Gemeinden nennen. „Liebe Gott von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das ist die DNA von Gemeinde. So ging es in Jerusalem zu.

     

    Da kann man doch einmal mit fröhlichen Augen auf seine Gemeinde blicken, wenn es so läuft wie damals in Jerusalem.

     

    Wie sieht es denn bei uns aus: Mutter- und Kind-Gruppe, Kinderkirche, Jugendtreff, der Gospelchor, der Posaunenchor, das Frauencafe, der Frauenkreis, der Seniorennachmittag. Dazu als besondere Aktion der „andere Advent“, der ökumenische Pilgerweg. Und, als besondere Aufgabe mit Außenwirkung Kinderkrippe und Kindergärten. Bestimmt habe ich noch irgendetwas vergessen. Auch wir sind eine aktive Gemeinde. Wir bemühen uns, so vielen Alters- und Interessengruppen wie möglich Angebote zu machen, in denen sie sich zu Hause fühlen können. Und ganz sicher gibt es viele Menschen in unserer Gemeinde, die einfach helfen, wo Hilfe gebraucht wird, ohne, dass es groß organisiert werden müsste oder per Aushang bekannt gegeben wird.

     

    Alles in bester Ordnung also? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Das Selbstbild in der Gemeinde in Jerusalem bekam plötzlich einen Riss. Am Anfang sagte ich: Erfolg macht attraktiv. Manchmal macht Erfolg aber auch blind.

    2. Die übersehene Not

    Als die Gemeinde immer größer wurde, gab es plötzlich Beschwerden. Und auf einmal sehen alle, was vorher keiner sehen wollte: Es gibt gar nicht „die Gemeinde“. Es sind eigentlich zwei Gemeinden, durch ihre Alltagssprache getrennt. Juden, die irgendwo im Mittelmeerraum geboren waren und nach Jerusalem eingewandert waren. Ihre Sprache war griechisch. Und Juden, die in Palästina oder Jerusalem geboren waren. Ihre Sprache war aramäisch. Beide Gruppen waren Juden. Beide Gruppen teilten den gemeinsamen Glauben: Jesus ist der Messias. Je größer die Gemeinde wurde, desto mehr entmischten sich diese beiden Gruppen. Und dann wurden bedürftige Witwen bei der diakonischen Versorgung übersehen. Über dem Erfolg wurde die Not einiger Menschen plötzlich unsichtbar.

     

    Die Kirchenaustritte im Jahr 2019 haben einen verheerenden Höchststand erreicht. Da mögen viele dabei sein, die mit Glauben und Gott nichts anfangen können und keinen Sinn in der Institution Kirche sehen. Aber ganz sicher sind auch Menschen dabei, die aus anderen Gründen der Kirche den Rücken kehren. Weil die Kirche nicht ihre Sprache spricht. Weil sie mit ihrer Not nicht wahrgenommen wurden. Weil ihre Lebensfragen nicht beantwortet wurden. Der Satz: „Läuft doch gut“, führt manchmal dazu, dass wir Menschen übersehen. Menschen, für die es nicht gut läuft.

     

    Es müssen aber gar nicht immer die mit Problemen sein, die man übersieht. Vielleicht sprechen ja auch in unserer Gemeinde nicht alle die gleiche Sprache – oder über die gleichen Themen. Jugendliche haben andere Fragen als Senioren, die Mutter- und Kind-Gruppe andere Themen als der Posaunenchor. Wissen wir in den einzelnen Gemeindekreisen voneinander? Wissen wir, was die andern beschäftigt, was ihnen wichtig ist, welche Probleme sie vielleicht haben?

     

    Der Wochenspruch erinnert uns daran, dass alle, die zur Gemeinde Jesu gehören, seine Schwestern und Brüder sind. Und was wir einander tun, das tun wir unserem Herrn.

    3. Die überraschende Lösung

    Wie werden oder wie bleiben wir achtsam und aufmerksam füreinander? Diese Frage hat auch Petrus und die anderen Apostel in der Gemeindeleitung in Jerusalem beschäftigt. Niemand sagte: „Ach, das ist doch nicht so schlimm, machen wir von jetzt an besser.“ Doch, Menschen zu übersehen, die in Not waren, war für die Apostel schlimm. Die Lösung ist eine Überraschung: „Wählt Leute aus, die sich um diese Aufgabe kümmern.“ Der Auftrag geht an die, die übersehen wurden, die verletzt und gekränkt waren. Sucht Mitarbeiter, denen ihr vertraut, dass sie gut für die Diakonie der Gemeinde sorgen. Nicht die Apostel und die bisher Verantwortlichen wählen die neuen Mitarbeiter. Man sieht es an den Namen der Diakone. Sie stammen aus der griechischen Teilgemeinde. Sie übernehmen die Aufgabe, die die Apostel neben Predigt und Gebet nicht auch noch übernehmen können. Und nach allem, was wir wissen, machen sie ihre Aufgabe gut. Es gibt in der Gemeinde viele Aufgaben und niemand kann alles mach oder muss alles können – auch der Pfarrer nicht. Es ist gut, wenn viele in der Gemeinde zusammen schaffen und sich ergänzen.

     

    Wir haben im Moment keine Gemeindekrise, aber auch wir sind hier in Weißbach und Crispenhofen darauf angewiesen, achtsam zu bleiben für die Menschen in unseren Gemeinden und auch die außerhalb der Gemeinden, die unsere Hilfe brauchen. Die Frage der Diakonie ist nicht: Wer ist mein Nächster, sondern: Wem werde ich zum Nächsten? Wie und wo kann ich mich mit meinen Gaben einbringen für das Ganze der Gemeinde Jesu?

     

    Ich wünsche uns allen, dass uns Gott die Augen dafür offen hält, wo wir gebraucht werden. Denn der Dienst am Mitmenschen ist und bleibt die DNA der Gemeinde.

    Amen.

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

    Amen.

  • Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis (09.08.2020)

    Predigt Jeremia 1,4-10

    Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

    Berufen und gesandt

    1.    Ich doch nicht

    Warum ich? Ich kann das nicht. Das kann doch auch jemand anderes machen. Ich will das nicht. Ich bin noch zu jung. Ich bin schon zu alt. Ich habe zu viel zu tun. Ich bin viel zu unwichtig. Auf mich hört ja doch keiner.

     

    Liebe Gemeinde, kommen ihnen solche Sätze oder solche Gedanken bekannt vor? Haben sie selbst schon einmal solche Gedanken gehabt oder solche Sätze ausgesprochen? Oder hat zu ihnen schon einmal jemand solche Sätze gesagt?

     

    Ich wage eine kleine Unterstellung: Jeder Mensch, der Verantwortung hat, hat schon einmal so einen Satz gehört oder selbst gedacht und ausgesprochen.

     

    Lehrer können mit Sicherheit ganze Bücher verfassen über die Ausreden ihrer Schüler. Eltern kennen ebenso Sammlungen von Ausreden ihrer Kinder. Vielleicht kennt auch der Vorgesetzte all die Ausreden seiner Mitarbeiter. Der Arzt kennt alle Gründe, die seine Patienten vom regelmäßigen Besuch abhalten. Die Fahrkartenkontrolleurin im Bus kennt jeden Grund, warum gerade jetzt kein Fahrschein da ist.

     

    Genauso kennt sicher jeder von uns auch eine Situation, wo wir selbst sagen: Ich doch nicht. Niemand möchte gerne der eine sein, der den Finger in die Wunde legt oder auf Problem hinweist, das alle anderen übersehen habe.

     

    Wer will schon in der fröhlichen Gesprächsrunde die Stimmung verderben, weil jemand einen unerträglichen Witz reißt, über den alle anderen laut lachen.

     

    Wer will schon beim Elternabend darauf hinweisen, dass die mit viel Liebe und eigenem Einsatz der Schüler geplante Klassenreise für manche Eltern einfach zu teuer ist – vielleicht gar für den eigenen Geldbeutel.

     

    Niemand möchte gerne der Spielverderber und der Nestbeschmutzer sein. Lieber hält man den Mund. Warum soll ausgerechnet ich jetzt etwas sagen? Es könnte doch auch noch jemand anderem auffallen, dass das so nicht geht.

     

    Wann waren sie das letzte Mal in einer Situation, in der sie dringend nach einer Ausrede suchten?

     

    Wann wollten Sie das letzte Mal eine unangenehme Aufgabe nicht übernehmen, einer schwierigen Situation entkommen oder fühlten Sie sich mit einem Auftrag überfordert?

     

    Ich doch nicht. Ich will das nicht. Ich kann das nicht.

    2.    Du bist nicht allein

    Wir sind in guter Gesellschaft, wenn wir sagen: „Ich doch nicht“, oder wenn wir hören: „Ich doch nicht.“

     

    Eine Aufgabe mit Verantwortung und ungewissem Ausgang zu übernehmen, ist eine echte Herausforderung. Nicht jeder drängt sich danach. Umso mehr, wenn der Auftrag von Gott kommt. So sagte Jeremia zu Gott:

     

    „Warum ich, Herr? Ich kann doch nicht predigen. Ich bin viel zu jung. Niemand wird mich ernst nehmen. Die weisen, die erfahrenen Leute, die wird man anhören. Aber mich doch nicht. Ich komme nicht einmal aus Jerusalem.

     

    Und was soll ich den Leuten denn sagen? Ich weiß gar nicht, was ich predigen soll. Und was ist, wenn die Menschen wütend auf mich werden? Vielleicht muss ich ihnen etwas sagen, was sie nicht hören wollen. Herr, davor habe ich Angst. Ich habe Angst vor den rücksichtslosen und brutalen Menschen.“

     

    Wenn man das Buch des Propheten Jeremia liest, dann stellt man fest: Jeremia kannte seine Zeitgenossen gut. Er wusste genau, was mit Gottes Auftrag auf ihn zukommt. Sie haben ihm tatsächlich nicht geglaubt. Sie wollten seine mahnenden Worte nicht hören. Sie wollten sich nicht aus der Ruhe ihres geordneten Alltags bringen lassen.

     

    Jeremia muss soziale Missstände anprangern. Er muss gegen die Gottvergessenheit seines eigenen Volkes anpredigen. Er muss warnen und ermahnen. Er muss im Auftrag Gottes sogar Drohungen aussprechen. „Das Volk aus dem Norden wird Gottes Gerichtswerkzeug sein, wenn ihr euren Lebenswandel nicht verändert.“

     

    Die Botschaft von Jeremia war so unbeliebt, dass man ihn auslachte, ausgrenzte, quälte, und einsperrte.

     

    Seine Botschaft war so eindringlich, dass Jeremia selbst darunter gelitten hat, diesen Auftrag auszurichten. Er liebte sein Land und sein Volk und muss doch beinahe 40 Jahre lang den drohenden Untergang ankündigen – bis es dann wirklich soweit ist. Und am Ende gibt man sogar noch Jeremia die Schuld, dass es dazu gekommen ist.

     

    Ich kann verstehen, dass Jeremia diesen Auftrag ablehnen wollte. Eine Berufung Gottes ist nicht immer angenehm und einfach. Mose wusste das, als er Gottes Berufung ablehnte. Jona wusste das auch, als er vor Gottes Auftrag in die entgegengesetzte Richtung davon lief.

     

    Wie kann man einen Auftrag Gottes annehmen? Das überfordert uns, das überfordert mich doch komplett. So eine Aufgabe ist zu groß für einen Menschen. Dazu reichen unsere Fähigkeiten nicht.

     

    Und dann kam Gottes Antwort an Jeremia: Ich kannte dich schon, bevor du im Leib deiner Mutter heran gewachsen bist. Ich wusste schon bei meinem ersten Gedanken an dich, dass du diese Aufgabe bekommen sollst: Mein Prophet für die Völker sollst du sein. Du bist nicht zu jung. Ich gehe mit dir und will dich retten. Ich gebe dir die Kraft, die du brauchst und die Worte, die du sagen sollst. Du bist nicht allein.

     

    Und Gott berührte Jeremias Lippen als Zeichen dafür, das er predigen kann und Gott bei ihm ist.

     

    Das ist das Geheimnis, wenn Gott einen Auftrag gibt. Du bist nicht allein. Gott ist dabei. Er hilft dir, die richtigen Worte im richtigen Moment zu finden. Du musst nicht speziell begabt oder besonders schön oder besonders klug sein. Gott fordert keine Vorleistung, er gibt dir alles mit, was du brauchst.

     

    Mose hat das erlebt. Jeremia hat das erlebt. Jona hat das erlebt.

     

    Wann haben Sie das letzte Mal den Zuspruch Gottes gespürt: Du bist nicht allein? Vielleicht in einem Bibelwort oder der Tageslosung, in einer Begegnung mit einem Menschen, einem guten Wort, einer Ermutigung?

     

    Ich schlage Ihnen ein kleines Experiment vor. Wenn Ihnen in der nächsten Woche eine Situation begegnet, die Ihnen Mut macht und gut tut, dann schreiben Sie es auf. Es ist nicht schlimm, wenn Sie nichts aufschreiben können. Manchmal ist Alltag einfach Alltag. Aber manchmal übersehen wir auch das Besondere, weil es zu schnell vorbei ist und vom Alltag überdeckt wird. Rechnen Sie mit Gott, der Ihnen Mut zum Leben macht.

     

    Als eine solche Ermutigung lese ich jetzt noch einmal den ganzen Predigttext:

    Predigttext (Gute Nachricht)

    4Das Wort des HERRN erging an mich, er sagte zu mir: 5»Noch bevor ich dich im Leib deiner Mutter entstehen ließ, hatte ich schon meinen Plan mit dir. Noch ehe du aus dem Mutterschoß kamst, hatte ich bereits die Hand auf dich gelegt. Denn zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt.« 6Ich wehrte ab: »Ach, Herr, du mein Gott! Ich kann doch nicht reden, ich bin noch zu jung!« 7Aber der HERR antwortete mir: »Sag nicht: 'Ich bin zu jung!' Geh, wohin ich dich sende, und verkünde, was ich dir auftrage! 8Hab keine Angst vor Menschen, denn ich bin bei dir und schütze dich. Das sage ich, der HERR.« 9Dann streckte der HERR seine Hand aus, berührte meine Lippen und sagte: »Ich lege meine Worte in deinen Mund. 10Von heute an hast du Macht über Völker und Königreiche. Reiße aus und zerstöre, vernichte und verheere, baue auf und pflanze an!«

    Amen.

    Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

    Amen.

  • Predigt zum 8. Sonntag nach Trinitatis (02.08.2020)

    Predigt zu Johannes 9,1-7

    Jedes Leben ist wertvoll und jeder Mensch einzigartig. Bleiben wir offen für Begegnungen, für Veränderung und für Heilung.

    Predigttext

    1Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. 2Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? 3Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. 4Wir müssen die Werke dessen wir-ken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. 5Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden 7und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

    I. Blindheit im wörtlichen und übertragenen Sinn

    Liebe Gemeinde,

     

    Blindsein und Sehen, davon haben wir gerade eine Geschichte gehört. Blindheit – damit sind in der Bibel eigentlich immer zwei Dinge gemeint: Da gibt es zum einen die Blindheit als körperliches Handicap. Wenn man, zum Beispiel, durch einen Unfall oder eine Krankheit sein Augenlicht verloren hat. – Der Mann in unserer Geschichte ist sogar von Geburt an blind.

     

    Es gibt aber auch eine Blindheit im übertragenen Sinn. Und diese Blindheit kennen auch die, die gesunde Augen haben. Im harmlosesten Fall hat man doch glatt das Parkverbotsschild übersehen, das gut sichtbar vor einer Hofeinfahrt platziert wurde. Im schwerwiegenderen Fall sind wir blind im Blick auf uns selbst und andere.

     

    In unserer Geschichte aus dem Johannesevangelium geht es um beide Arten des Blindseins, um das körperliche Handicap, aber auch um die Blindheit im übertragenen Sinn:

    II. Von Jesus sehen lernen

    Da ist also ein Mann von Geburt an blind. Anders als blinde Menschen heute, hatte er damals keinerlei Möglichkeiten, einen Beruf zu erlernen und selbst für seinen Unterhalt zu sorgen. Also bringen ihn seine Angehörigen zum Tempel. Und da sitzt er nun Tag für Tag und wartet darauf, dass die Leute ihm ein Almosen geben. Viele tun das auch und lassen im Vorübergehen ein Geldstück fallen. Richtig sehen will ihn allerdings keiner. Man kann den blinden Mann zwar nicht gänzlich ignorieren, aber sich wirklich auf ihn einlassen? Besser nicht! Denn Leid stört. Es beunruhigt. Es verunsichert, es macht Angst und irritiert.

     

    Leid und Elend passen bis heute nicht in eine Welt, in der alles perfekt zu funktionieren hat. Und wenn wir dann doch damit konfrontiert werden, befällt viele eine Art Fluchtreflex: Nur schnell weiter. Nichts wie weg. Jesus aber bleibt stehen. Er sieht hin und nötigt so auch seine Jünger, sich mit ihrem blinden Gegenüber auseinander zu setzten.

     

    Und was tun die Jünger? – Sie fangen an zu diskutieren.

     

    Sie fragen: »Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?« Die Not dieses Menschen muss doch einen Grund haben!

     

    Was hat er, was haben seine Eltern wohl falsch gemacht, dass es so schlimm mit ihm gekommen ist? Das wollen die Jünger von Jesus wissen. Dass der Bettler zu ihren Füßen das alles mitbekommt, ist ihnen womöglich gar nicht bewusst. Dass sie ihn mit ihren Äußerungen verletzen, kommt ihnen gar nicht in den Sinn.

     

    Wahrscheinlich ist es nicht das erste Mal, dass der blinde Mann die Leute so über sich reden hört. Er kennt diese Diskussionen. Und vermutlich hat er sich, oft genug, schon selbst gefragt: Warum ausgerechnet ich? Was habe ich nur getan, dass Gott mich so straft?

     

    »Meister, wer hat gesündigt?« Wir alle kennen solche Fragen und ebenso die oft unbedachten Antworten darauf.

     

    »Wären die Eltern halt zu den Vorsorgeuntersuchungen gegangen und hätten die richtigen Tests gemacht.«

     

    »Ein Kind mit Behinderungen, das muss doch nicht sein.«

     

    Den Vorwurf, etwas falsch gemacht oder versäumt zu haben, müssen sich Eltern gehandicapter Kinder leider bis heute gefallen lassen. Als wäre ein von Geburt an krankes Kind ein »Fall«, der sich hätte vermeiden lassen und nicht ein Mensch, der seinen Eltern am Herzen liegt.

     

    »Meister, wer hat gesündigt?«

     

    Auch nach einem Unfall heißt es oft: »Hätte er besser aufgepasst.« Oder: »Wäre sie nicht so leichtsinnig gewesen.« Als könnten alle Gefahren vermieden werden, wenn man nur vorsichtig genug ist.

     

    Auch bei Krankheiten hört man gern: »Hätte er sich gesünder ernährt.« »Hätte sie mehr Sport getrieben.« »Das hat er jetzt davon. Das ist die Strafe für seinen ungesunden Lebenswandel.« Als gäbe es da über uns so eine Art Supernanny, die uns Menschen über harte Vergeltungsmaßnahmen zu einem besseren Lebensstil zwingt.

     

    Gläubige Menschen denken manchmal auch, in ihrer Beziehung zu Gott stimme etwas nicht, wenn sie Schweres durchmachen müssen. Sie meinen, sie wären nicht fest genug im Glauben und ihr Leid wäre nun die Quittung dafür. Als wäre Gott ein grausamer Despot, der sich über schlimme Repressalien seine Untertanen gefügig macht.

     

    »Meister, wer hat gesündigt? Dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist«, fragen die Jünger. Und Jesus antwortet darauf unmissverständlich: »Weder noch.« Damit stellt Jesus klar, diese oberflächlichen Zuweisungen von menschlichem Fehlverhalten und menschlichem Leid sind verkehrt.

     

    Nicht jeder, der einen Herzinfarkt bekommt, hat sich falsch ernährt. Nicht jeder der verunglückt, hat bewusst fahrlässig gehandelt. Und umgekehrt ist nicht jeder, der ein leichtes Leben hat, auch ein guter und frommer Mensch.

     

    Jesus sucht nicht nach vermeintlichen Missetaten, sondern er sieht die Menschen. Er sieht, worunter sie leiden und was sie brauchen. Der Bettler vor dem Tempel ist für Jesus kein abstrakter Fall. Er ist schlicht und ergreifend ein Mensch, der allein ist. Er braucht Hilfe.

     

    Warum tun wir uns nur so schwer damit, Menschen in Not mit Jesu Augen zu sehen?

     

    Warum halten wir, ähnlich wie die Jünger, lieber Distanz und suchen nach Erklärungen?

     

    Hängt es mit unserer Angst zusammen, selbst vom Leid betroffen zu werden?

     

    Und mit unserem Wunsch, genau das auszuschließen?

     

    Ich denke, wir unterliegen da so einer Art Aberglauben. Ganz so als könnten wir uns vor Not und Elend schützen, wenn wir nur alles richtig machen. Als reichte es, sich zu versichern, nicht zu rauchen, jeden Morgen einen Apfel zu essen und jeden Abend ein Gebet zu sprechen. Und alles wird gut. Aber so funktioniert das Leben nicht. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Natürlich ist es sinnvoll, Vorsorge zu treffen und natürlich sollte jeder im Straßenverkehr Rücksicht nehmen. Aber das ist nicht das Thema, wenn uns ein Mensch in Not gegenübersteht. In diesem Augenblick ist es nicht interessant, wie er in diese Situation hineingeraten ist. Wichtig ist in diesem Augenblick, wie er da wieder herauskommen kann. Sonst bleibt alles, wie es immer schon gewesen ist. Der blinde Bettler bleibt der Außenseiter, den keiner wirklich sieht. Die Jünger bleiben Gefangene ihres ängstlichen Aber-glaubens.

    III. Einander wahrnehmen und Zeichen der Güte und Gerechtigkeit setzen

    Gott sei Dank ist unsere Geschichte hier noch nicht zu Ende. Weil Jesus dabei ist, nimmt sie eine überraschende Wende hin zum Guten für alle Beteiligten. Jesus redet nämlich nicht über den blinden Mann, er redet mit ihm. Er lässt sich auf ihn ein. Und er berührt seine kranken Augen und hilft ihm, gesund zu werden, ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

     

    Das ist die Art, wie Gott uns sieht.

     

    Das ist die Art, wie auch wir einander sehen und uns begegnen können.

     

    Manchmal haben’s Menschen nämlich auch bei uns bitter nötig, gesehen zu werden. Das müssen nicht immer blinde Bettler sein. Es geht auch nicht immer darum, Medizin zu beschaffen oder einen Brei anzurühren wie Jesus das in der Geschichte tut.

     

    Manchmal reicht schon ein freundliches »Grüß Gott« auf der Straße. Und schon fühlt sich eine wieder willkommen und angenommen. Oder ein »Komm ich helfe dir beim Ausfüllen deines Sozialhilfeantrags«. Oder die ernsthafte und behutsame Frage: Wie geht’s deinem Kind? Wie kommst du zurecht? Kann ich dir bei irgendetwas helfen?

     

    Ich bin mir sicher, dass in dieser Art der Zuwendung ein Segen liegt. Dass solche Gesten, Worte und Taten Wunder bewirken können. Vielleicht nicht so spektakuläre wie das Wunder der Blindenheilung, aber dennoch ein Segen. Die Evangelisten haben Jesu Wunder Zeichen genannt. Ich finde das einleuchtend. Denn die Heilung des Blindgeborenen ist für mich ein Zeichen. Ein verheißungsvoller Hinweis, dass es andere Möglichkeiten gibt als die wegzuschauen.

     

    Wir können Leid nicht immer verhindern. Es passiert, leider. Aber wir können Menschen in ihrer Not sehen und dann das Gebotene tun. Wir können Zeichen der Güte und des Mitgefühls setzen. Gott gibt auch heute seinen Segen dazu. Dazu ermutigt Jesus seine Jünger. Und Euch/Sie auch!

     

    Und er macht es dringlich: Tut es, solange ihr es könnt. Es kann auch eine Zeit kommen, in der es euch nicht möglich ist. Oder in seinen eigenen Worten: »Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.«

     

    Wort des lebendigen Gottes.

    Amen.

     

    Prädikantin Röser, Schöntal

     

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Glaube und Religion

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Hausandacht

Hier finden Sie einen Vorschlag für eine Hausandacht während des Läutens der Betglocke um 19:30 Uhr. Zum Lesen des vollständigen Textes einfach auf die Überschrift klicken.

 

 

  • Vorschlag zum Gebet in den Häusern

    Vorschlag zum Gebet in den Häusern

    Wir laden gemeinsam mit allen evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Baden-Württemberg jeweils um 19:30 Uhr mit dem Läuten der Betglocke unserer Kirchen zum Gebet ein. Das Hausgebet könnte z.B. so aussehen:

     

    Einer: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes"

     

    Alle: Amen.

     

    Eine Kerze wird entzündet und ins Fenster, möglichst zur Straße hin, gestellt.

     

    Einer: Wir beten in der Stille

     

    (Gebetsstille)

     

    Alle: Vater unser im Himmel ...

     

    Alle oder Einer: Luthers Abendsegen

     

    "Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde."

     

    Einer: Der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen in Christus Jesus.

     

    Alle: Amen.

     

     

Gottesdienste und andere geistliche Online-Angebote

Die folgende Linkliste verweist auf eine Reihe von Online-Gottesdiensten und geistlichen Angeboten. Wir dürfen zwar inzwischen wieder Gottesdienste in unserer Kirche feiern, aber vielleicht sind diese Angebote trotzdem für Sie interessant.

Angebote der Ev. Landeskirche Württembergs:

Gemeindeleben online

YouTube-Kanal "online-kirche württemberg"

Fernseh-Gottesdienst im ZDF:

ZDF-Mediathek - Gottesdienst

Angebote auf Bibel TV:

Bibel TV Live-Gottesdienst

Bibel TV Gottesdienst-Archiv

Ideen zur Gestaltung einer Hausandacht:

Eine Liturgie für ein Tagzeitengebet, wie sie im Stift Urach, dem Einkehrhaus unserer Landeskirche gefeiert wird, finden Sie unter hier.