Geistliches Wort zum Sonntag, 19. April 2020

Liebe Gemeindeglieder, 

der kommende Sonntag, der auf Ostern folgende, ist in der alten Kirche der „weiße Sonntag“ oder Quasimodogeniti (wie die neugeborenen Kindlein). An diesem Sonntag gingen die, die am Ostersonntag im Gottesdienst getauft wurden, in ihren weißen Taufkleidern in die Kirche. Sie brachten damit zum Ausdruck, dass mit der Taufe ein neues Leben begonnen hatte. Der Wochenspruch drückt dies so aus: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 1.Petrus 1,3.

Für den Apostel Petrus entscheidet sich hieran auch sein Leben. Denn Petrus hat erlebt, dass Jesus sein Leben verändert hat. Diese Erfahrung, dass Jesus lebt, die will er weitergeben, damit alle Hoffnung haben können.

Ob ich glaube oder nicht, entscheidet sich daran, ob ich diesen Satz aus vollem Herzen mitsprechen kann: „Der Herr ist auferstanden - er ist wahrhaftig auferstanden“. Denn nur deshalb können wir gegen den Tod hoffen, weil Jesus den Tod erlebt hat. Er ist wirklich und real gestorben und wieder auferstanden. Bis Ostern lehrte alle menschliche Erfahrung: das Leben endet mit dem Tod. Immer. Durch Christus aber ist der Tod nicht das Letzte. Jesu Auferstehung ist nicht die Rückkehr ins irdische Leben. Sondern sie ist der Beginn eines neuen, unvergänglichen Lebens. Das ist der Grund der Osterfreude. Sie entsteht nicht durch logische Erklärungen, sondern da, wo ich erlebe, dass die Botschaft „Jesus lebt“ etwas mit mir zu tun hat. Dass sie mein Leben verändern will. Beweis- und erklärbar ist das natürlich nicht. Aber man kann es in Bildern versuchen auszudrücken. Etwas anderes wollte Petrus damals sicherlich auch nicht.

Die Tulpen brechen im Frühjahr auf. Ostern ist Aufbruch. Aufbruch aus der Niedergeschlagenheit, aus Angst und Verzweiflung. Aufbruch und Hoffnung gerade in dieser Zeit der Niedergeschlagenheit durch den Corona-Virus. Ostern endete nicht am letzten Montag oder in dieser Woche, sondern es reicht in unseren Alltag. Und zwar über alle 365 Tage des Jahres. Ostern pflanzt sich fort als gelebte Hoffnung. Auferstehung wird erlebbar, wenn meine Angst überwunden wird, Ruhe und Gelassenheit entsteht. Wenn ich Hoffnung gewinne. Wer daran glaubt, der wird auch anfangen, seine Welt zu verändern. Denn es genügt beileibe nicht, nur ja schnell wieder zum Alten zurückzukehren und dort nur einfach weitermachen zu wollen, wo durch den „lock down“ der Faden unterbrochen worden ist.

Bleibt gesund, achtet auf euch und seid unter Gottes Schutz und Segen

Ihr Pfarrer Hartmut Soland

Geistliches Wort zum Sonntag, 26. April 2020

Sonntag Misericordias Domini (die Barmherzigkeit des Herrn) – 2. Sonntag im Osterfestkreis

Das Leitthema dieses Sonntags ist das des guten Hirten vom Psalm 23, dem Hirtenbild im Hesekielbuch oder dem im Johannesevangelium des Neuen Testaments. Ich denke wir wissen, was ein Hirte ist! Was typisch ist für ihn ist. David wusste es. Er dachte zwar nicht an die Idylle hier im Jagsttal, der Hohenloher Ebene oder gar der Schwäbischen Alb mit ihren sanften Weiden. Er dachte eher an Steppe und Schluchten. Das kannte er. Denn er war selbst ein Hirte, bevor er König wurde. Als der alte Prophet Samuel ihn zum König salben wollte, da musste man den jungen David vom Feld holen. Dort hütete er die Herden des Vaters. Und dann setzte Gott ihn zum Hirten über das ganze Volk. Sein Vorgänger, der König Saul, war ein anderer Typ. Saul hatte eine Gestalt wie ein Kleiderschrank, ein Kopf größer als die anderen, er war stark, ein Krieger. Und genau das war seine Gefahr. Er verließ sich auf seine Kräfte. Am Ende scheiterte er, der Krieger. Aber David war ein Hirte. Was macht ein Hirte? David beschreibt es: die Schafe zur Weide führen, zum frischen Trink-Wasser und zum grünen Gras, dorthin, wo es Nahrung gibt, die Grundlagen des Lebens. Und dafür sorgt Gott. Dass ich leben kann. Dass ich heute lebe und -so Gott will -morgen lebe und übermorgen. Er versorgt mich. So David. Wir vergessen das oft. Wir bitten Gott um vieles, vor allem, wenn’s uns schlecht geht –aber Gott denkt immer an uns und hat uns in seiner Hand. Oder mit David: Sieh doch genau hin: Wie hat dich der gute Hirte schon geführt. Wie hat er für den Lebensbedarf –grüne Aue, frisches Wasser schon gesorgt, und wie sorgt er für den Lebenslauf: Er führt mich auf rechter Straße! Und weil er führt, muss ich mich nicht in Angst aufzehren oder in Angst ersticken. Angst und Enge–das Wort ist zur Zeit der Pandemie das Thema. Die Angst vor dem Corona-Virus, die Angst um unsere Arbeitsstelle, die Angst um die Zukunft, wie es weitergeht. Angst um unsere Wirtschaft, Angst um unsere Arbeitsstelle, Angst vor dem Fremden, Angst vor der Krankheit, Angst überhaupt, was in unserem Leben droht, verloren zu gehen. Und was steckt dahinter? Was ist die Grundangst im Leben? Letztlich ist es auch die Angst vor dem endgültigen Verlust und Tod. Die Angst, nicht mehr zu sein. Gerade da ist es gut, dass der Hirte einen Stab hat, seinen Hirtenstab. Mit ihm klopft er bei jedem Schritt auf den steinigen Boden. Das hören die Schafe, und dann wissen sie: Dort vorne geht der Hirte. Als der Hirte ist er da und tröstet. Und am Ende des Liedes vom Psalm 23 wird der Blick weit. Keine Angst mehr, keine Schlucht. Sondern: Ein Leben lang Gutes und Barmherzigkeit, und dann: das Bleiben und Geborgensein im Haus des Herrn. Ich verstehe immer mehr, warum so viele Menschen diese Verse als Leitverse für Konfirmationen, Trauungen oder auch Beerdigungen wünschen. Es sind Worte das Balsams für die Seele, die einem guttun, die einen trösten, die einen weiterführen auf steinigen Wegen und die einen begleiten auf schwierigen Wegen. Herr Jesus Christus, du bist der gute Hirte. Du hast uns versprochen, dass wir zu dir gehören und nichts uns aus deiner Hand reißen kann. Wir danken dir, dass du uns liebst und suchst und trägst. Schenke uns Kraft, Durchstehvermögen und Zuversicht auch in der neuen Woche bei allem, was uns begegnet. Gib uns gegen alle Ängste die Erfahrung, dass du uns gut führst und weidest.

Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.                                                      Bleiben Sie gesund und unter Gottes Segen und Geleit Es grüßt Sie herzlich

 

Ihr Pfr. Hartmut Soland, Buchenbach

Geistliches Wort zum Sonntag, 3. Mai 2020

Sonntag Jubilate (Jubiliert) – 3. Sonntag im Osterfestkreis

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden!“ 2. Korinther 5,17. Das Alte ist vergangen – Neues ist geworden. Diesen Gedanken möchte ich Ihnen anhand der Geschichte der Emmausjünger verdeutlichen.

Bild: flusenkram.de

„ Jetzt ist alles vorbei“, klagte Kleopas. „Jetzt sind wir ganz allein.“ „Ja, du hast recht“, antwortete sein Freund. „Was sollen wir jetzt bloß machen?“ Kleopas und sein Freund hatten einen weiten Weg vor sich. Am Anfang stand die große Enttäuschung. Von Jerusalem bis nach Emmaus, wo sie hinwollten, brauchte man zu Fuß etwa 2 Stunden. Sie gingen langsam und sahen sehr traurig aus. Und das waren sie auch. Alles hatte so gut angefangen. Sie hatten Jesus kennen gelernt. Sofort waren sie von ihm begeistert gewesen. Jesus war anders als die Lehrer, die sie kannten. Wenn Jesus von Gott erzählte, spürte man, dass es wahr war. Und Jesus tat viele Wunder. Er machte Kranke gesund und weckte sogar Tote wieder auf. Der Retter, auf den sie schon so lange gewartet hatten. Alles war wunderbar gewesen, bis vor 3 Tagen. Jesus wurde gefangen genommen und schließlich sogar getötet. Jetzt waren sie allein. Traurig gingen sie die Straße entlang und unterhielten sich darüber, was geschehen war. Sie wunderten sich nicht, als plötzlich ein Mann neben ihnen her ging, schließlich waren oft anderen Menschen hier zu Fuß unterwegs. Der Mann schien denselben Weg zu haben, also gingen sie zu dritt weiter. Die Jünger waren so traurig, dass sie gar nicht erkannten, wer da mit ihnen ging. Es war Jesus selbst. Jesus lebte. Sie dachten, dass sie ganz allein seien, aber Jesus war bei ihnen und ging mit ihnen. Sie besprachen sich über die letzten Ereignisse, wie es wirklich war, wie die Frauen gesagt haben, er ist nicht mehr da. Aber wo ist er denn? Sie haben ihn nicht gesehen. Er schwieg und dachte daran, wie schön es war, als Jesus noch bei ihnen war. Jesus, der ja die ganze Zeit bei ihnen war, hatte sich alles angehört. „Ihr versteht noch so wenig“, sagte er jetzt. „Warum glaubt ihr nicht, was die Propheten im Alten Testament geschrieben haben? Dort steht doch, dass der Christus leiden und sterben muss.“ Kleopas und sein Freund hörten Jesus ganz gebannt zu. Jetzt erklärte er ihnen alles, was im Alten Testament, den Schriften, über ihn stand. Die Zeit verging so schnell, dass sie schon bald vor den Toren von Emmaus waren. Jesus tat so, als wolle er weitergehen. „Komm doch mit uns nach Hause“, sagte Kleopas. „Es ist schon Abend und wird dunkel. Du kannst bei uns übernachten.“ Jesus nickte und dann gingen sie zusammen ins Haus. Kleopas und sein Freund waren nicht mehr so traurig wie vorher. Jetzt bereiteten sie alles fürs Abendessen vor. Als das Brot auf dem Tisch lag, setzten sie sich hin. Jesus nahm das Brot in die Hand. Dann dankte er Gott dafür und brach das Brot in Stücke und gab es den beiden Freunden. Das hatte Jesus oft so getan. Und plötzlich erkannten sie, dass es Jesus selbst war, der mit ihnen am Tisch saß. „Er lebt wirklich!“, ging es ihnen durch den Kopf. „Er ist bei uns!“ Jesus war auferstanden, er war nicht mehr tot. Und Jesus ist auch heute noch lebendig. Wir können Jesus nicht sehen, aber er ist da! Er hat Trauer und Leere in Freude verwandelt. Aus Altem ist Neues geworden.

 

Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.                                                      Bleiben Sie gesund und unter Gottes Segen und Geleit Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfr. Hartmut Soland, Buchenbach



Geistliches Wort zum Sonntag, 10. Mai 2020

 

Kantate (Singet dem Herrn ein neues Lied)

Liebe Leserinnen und Leser,
der Wochenspruch für den Sonntag Kantate lautet:
Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98,1.
Stellt euch mal vor, endlich ist sie überwunden, die Zeit des „Lockdown und Shutdown“. Endlich liegt hinter uns, was uns eingeschränkt hat die Zeit, die uns Beziehungen, Gespräche, Austausch, Geselligkeit und Feiern geraubt hat. Wir liegen uns wieder in den Armen und freuen uns, dass wieder eine neue Zeit beginnt. Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Aber etwas ganz Neues, und das nicht nur in Fortsetzung dessen, was wir schon immer gekannt haben und gewohnt waren. Da haben sich doch mal Politiker, Wissenschaftler, Wirtschaftsmanager, Industrieunternehmer, Arbeitnehmerschaft, Philosophen und kluge Köpfe daran gemacht, die Zeit der Corona-Pandemie sinnvoll zu nutzen und sich Gedanken darüber zu machen, wie die Zukunft der Welt menschenwürdiger, ressourcengerechter, effizienter, klimaschonender und auch gerechter aussehen könnte. Sie wagten dabei, über einen kompletten Neuanfang nachzudenken ohne Egoismus. Ein wunderbarer Traum und eine „verrückte“ Idee.Bild: Life Channel - Neue Schöpfung
Nun sagt man im Deutschen von einem Menschen, den man für ‚verrückt‘ hält, gelegentlich, er oder sie sei „außer sich“. Oder „nicht ganz bei sich“. Christen kann diese Formulierung hellhörig machen. Denn in der Tat hat eben dies Martin Luther vom Christenmenschen behauptet: Dass er nicht bei sich selbst, sondern außer sich sei. Im Glauben – so schreibt Luther einmal – im Glauben fährt der Christ, einem Verrückten verdächtig ähnlich, über sich selbst hinaus in Gott.
 
Wir Christen, so sagt es der Apostel Paulus, sind nur unzureichend beschrieben, wenn wir ausschließlich auf uns selbst blicken: Auf unser Können und Nicht-Können, unser Wollen und nicht Wollen. Erst da haben wir uns selbst – und einander - ganz verstanden, wo wir „außer uns“ sind. Wo wir uns hineingezogen wissen in Christus, als neue Kreaturen.
In ein neues Leben gerufen. In eine neue Wirklichkeit versetzt. Siehe, Neues ist geworden. Das mag uns wie ein Traum verkommen, wenn wir auf uns selbst und auf unsere Kirchen blicken: Auf unser Vermögen zur gegenseitigen Verständigung und zur Gemeinschaft; auf unsere Fähigkeit zur Einheit; auf unsere Lust an der Vielfalt. Und doch: Es ist Wirklichkeit. Neues ist geworden. Von Christus gesetzt. Verrückt im wahrsten Sinn des Wortes. Heilsam verrückt. Weil er, Christus, buchstäblich alles „ver-rückt“, was uns so festgefahren scheint.
Siehe, Neues ist geworden. Martin Luther hat einmal gesagt: „Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber. Es ist noch nicht getan oder geschehen, es ist aber im Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg.“
„Es ist im Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg.“ Und zwar nicht unser Weg, sondern der Weg Christi mit uns!
Eine abschließende Beobachtung noch. Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur: Im Griechischen, liebe Schwestern und Brüder, ist dies kein vollständiger Satz. Grammatisch steht da ein Fragment. Und inhaltlich ein staunender Jubelruf. Ein Ausruf der Freude. Wörtlich übersetzen müsste man: Wenn jemand in Christus ist – neue Schöpfung! Die Freude bricht aus Paulus heraus. Womöglich ist es umgekehrt noch richtiger: Paulus jubelt sich in die Wirklichkeit Christi hinein. Neues ist geworden. Als Christen sind wir zuerst gefragt zum Neuen mit beizutragen. In dieser „ver-rückten“ Zeit darf man als Christ auch mal „ver-rückt“ träumen! Und wenn dann Träume wahr werden?
Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.
Bleibt gesund, achtet auf euch und seid unter Gottes Schutz und Segen
Euer
Pfarrer Hartmut Soland

 

Geistliches Wort zum Sonntag, 17. Mai 2020 Rogate

Wochenspruch: Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Ps 66,20Liebe Freunde,Jubilate! Kantate! Rogate! Zu Deutsch: Jubelt! Singt! Betet! – So lauten die alten Namen dreier nachösterlicher Sonntage. Heute begehen wir den dritten unter ihnen, der uns mit der Aufforderung zu beten begegnet: Rogate! Es sind Namen wie Glockenschläge, die aller Welt ihre Botschaft verkündigen. Darum ist es auch wenig verwunderlich, dass tatsächlich viele Glocken mit den Namen dieser Sonntage belegt wurden: Jubilate! Kantate! Rogate! Wie Glocken tragen diese drei Namen ihre Botschaft hinaus in die Welt: Hört gut zu! Der Ostersieg Christi kann nicht ohne Folgen für unser Leben als Christen bleiben. Weil Christus den Tod besiegt hat, darum ist die Christenheit jubelnde, ja fröhliche Gemeinde. Sie singt sich diese Freude auch aufmunternd zu: »Wir wollen alle fröhlich sein!« »Auf, auf mein Herz mit Freuden!« – Jubilate, jubelt! Doch mehr noch: Das, was da an Ostern geschehen ist, die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, kann nur Gottes Tat gewesen sein. Anders ist das nicht vorstellbar. Hier, in diesem Menschen Jesus Christus, war und ist Gott selbst amWerk. Darum ist er Gott in Person. Seit Ostern ist uns das sonnenhell. Darum loben wir unseren Gott mit alten und neuen Liedern: »Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat vom ewigen Tod!« – Kantate, singt! Freude und Lobpreis kennzeichnen die Haltung der Christenheit gegenüber dieser Tat Gottes. Und heute nun: Rogate – betet! Wozu beten? In den meisten Situationen des Lebens erklärt sich das für die Mehrzahl der Menschen nicht von selbst. Dafür ist das Beten von Kindheit an zu wenig eingeübt, hat es im Alltag vieler Menschen leider keinen festen Platz mehr, gilt garin den Augen so mancher als Welt- und Realitätsflucht. Freilich, von selbst hat sich das Beten im Grunde noch nie verstanden. Nicht umsonst wenden sich die Jünger an Jesus mit der Bitte: „Herr, lehre uns beten, Gebet des Augustinus

 

wie auch Johannes seine Jünger lehrte.“ Und Jesus lehrt sie das Vaterunser. Er schenkt ihnen Worte, mit denen sie beten können. Worte, die alles enthalten, was nötig ist. Kurz und prägnant. Worte, die sich einfügen in jeden Tag, egal, wo man ist, mit sich allein oder gemeinsam mit anderen. Worte, die tragen: in Glück und Freude ebenso wie in schwerem Leid und in tiefer Trauer. Worte, diesich niemals abnutzen, selbst wenn man sie jeden Tag mehrmals spricht.Bei diesen Worten, beim Vaterunser, lässt es Jesus jedoch nicht bewenden. Denn beim Beten geht es um mehr als passende Worte, die richtige Technik oder konsequente Übung. Freilich, zu diesen Fragen schweigt der Lehrer des Gebets. Nichts sagt er über Zeiten zum Gebet, über Rituale beim morgendlichen Aufstehen und beim Zubettgehen am Abend, über Tischgebete oder andere Formen von Frömmigkeit und Spiritualität. All das ist nebensächlich vor dem Hintergrund des entscheidenden Problems bei jedem Gebet: Wozu beten? Ist es wirklich mehr als ein Selbstgespräch? Wird es erhört? Und was dürfen wir erwarten an Reaktion und an Antwort?Spätestens jetzt erkennen wir das Unerhörte eines jeden Gebetes, jenen riesigen Abstand zwischen Himmel und Erde, zwischen dem allmächtigen Gott und uns ohnmächtigem Menschen. Ins Bewusstsein kommt nun die Winzigkeit unseres menschlichen Anliegens, das daher gemurmelt oder gar nur in der Stille vor sich hingedacht wird vor der Größe dieses Herrn über das ganze Universum. Beten ist eine Kunst der Einfühlung, die uns am Ende unser Leben stärker mit Liebe und Hingabe empfinden lässt. Beten richtet uns auf und lässt uns gehen mit der Gewissheit, dass keine einzige Regung von Freude und von Traurigkeit unerhört bleibt. Denn es wird Teil eines allumfassenden und tiefen Gesprächs mit Gott, dazu noch auch einer für uns erkenntnisreichen Erfahrung, die uns wachsen lässt in unserer Gottesbeziehung. Übrigens: morgen früh kommen wir wieder in der Kirche zum Gebet zusammen. Herzliche Einladung.Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.               Bleibt gesund, achtet auf euch und seid unter Gottes Schutz und Segen

Geistliches Wort zum Sonntag, 24. Mai 2020

Exaudi (Erhöre unser Gebet)

 

Wochenspruch: Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe! Sei mir gnädig und erhöre mich! (Ps 27, 7)

 

Liebe Freunde,

manchmal verschlägt das Leben einem die Sprache. Dann weiß man nicht, was man sagen soll. Was gerade passiert ist, macht einen sprachlos. Man kann sich einfach nicht erklären, wie es dazu kommen konnte, was passiert ist. Warum habe ich das getan? Warum hat der andere das gemacht? Das passt doch eigentlich gar nicht zu ihm. Und wie soll es jetzt weiter gehen?

Ich weiß nicht, was ich jetzt sagen soll. Ich kann es nicht erklären, mir nicht und den anderen erst recht nicht. Ich bin auch ratlos. Wie soll es jetzt weiter gehen? Welches ist der richtige Weg. Und wie soll ich das sagen, was ich für richtig halte: Ohne mich selber zu gefährden? Manchmal ist es ja gefährlich, die eigene Meinung zu sagen. Wie soll ich es sagen, ohne die anderen zu verletzen?

Wenn das Leben einem die Sprache verschlägt, dann sagt man gar nichts. Aber nicht immer ist Schweigen das Beste. Nicht immer ist Schweigen Gold. Manchmal wäre reden auch eine Erlösung. Wenn man bloß reden könnte!

Ich erzähle Ihnen das, weil ich meine: Genauso ist das mit dem Reden mit Gott. Mit dem Beten. Auch da fehlen einem manchmal die Worte.

Und auch die, die das Beten gewohnt sind, wissen manchmal nicht, wie sie beten sollen: Manch einer schämt sich vor Gott: Darf ich ihm wirklich kommen mit diesem Problem, dass ich doch selber verschuldet habe? Und wenn ich selber keine Lösung weiß, vielleicht gar nicht weiß, wo eigentlich genau das Problem liegt? Was soll ich da beten?

Der Apostel Paulus kannte das anscheinend auch, dass Menschen gern beten würden und nicht wissen wie. Für die hat er einen Rat:

Römer 8, 26-28: 26 Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen.

27 Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er tritt für die Heiligen ein, wie Gott es will.

28 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.

 

Was rät Paulus denen, die nicht wissen, wie sie beten sollen? Ich höre dreierlei:

Gottes Geist hilft, wo wir Menschen zu schwach sind zum Beten

Mir sagt das: Auch wenn da nur diese Sehnsucht ist: Eigentlich würde ich gern beten. Auch wenn da nur dieser Schrei nach Hilfe ist und ich keine Worte dafür finde. Gott hört es. Er sieht mich und meinen Kummer. Und er schickt keinen weg. Gott ist nicht wie ein beleidigter Freund, der sagt: So lange hast Du dich nicht gemeldet – dann brauchst Du jetzt auch nicht kommen, wo du Hilfe brauchst. Gottes Geist ist auch bei denen, die ihn brauchen, nicht bloß bei denen, die vorbildliche Christen sind. Gerade den Schwachen hilft er auf. Nicht bloß denen, die immer alles richtig gemacht haben. Denen, die keinen Rat wissen. Die meinen, sie seien von Gott und der Welt verlassen. Bei denen steht Gott mit seinem Geist. Martin Luther hat das in seiner sehr direkten Sprache mal so gesagt: „Viele…sind der Meinung, Gott höre jemand nicht, der in Sünden liegt… So blind sind wir. Mit leiblicher Krankheit und Not laufen wir zu Gott; mit der Seelen Krankheit laufen wir von ihm weg und wollen nicht wiederkommen, wir seien vorher gesund“.

Einfach beten, wie Jesus uns das gelehrt hat. Das „Vaterunser“. Fertige Worte. Worte, in denen alles drinsteckt. Auch wenn manchmal nur die Lippen beten, aber nicht der Kopf und schon gar nicht das Herz. Beten. Worte, wie uns der Schnabel gewachsen ist!

Der Geist Gottes, der hilft denen auf, die zu schwach sind zum Beten.

Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.                                                     

Bleibt gesund, achtet auf euch und seid unter Gottes Schutz und Segen