Wandmalerei im Chorraum

Der segnende Jesus

Kirchenfenster
Kirchenfenster haben unterschiedliche Formen. Man kann daran erkennen, in welcher Zeit die Kirche gebaut wurde. Unsere Fenster sind romanisch/gotische Spitzbogenfenstern. Es war wahrscheinlich zu wenig Geld vorhanden, um sich teure Glasmalereien zu leisten.
Das Chorfenster ist nach Osten ausgerichtet. Auferstehung aller Christen – nach Jerusalem – der aufgehende Sonne entgegen.

Grab-Ruhestätten
Rechts unterhalb des Altars soll es eine kleine Grablege gegeben haben, vom Hause Stetten. Allein 15 Grablegen eröffnete man beim Umbau 1956. Ein Schädel wurde gefunden, desgleichen wurden auch Schalreste bei der Mittelgangsanierung des Bodens gefunden. Diese Hohlräumen wurden aufgeschüttet- mit Schutt.

Wandmalereien
Allgemein: Warum wurden Kirchenfenster mit Bildern bestückt – Oder auch Decken- und Wandbemalungen angebracht?

 

Die Menschen konnten noch nicht lesen. Zunächst war auch die Bibel noch nicht übersetzt. Erst Martin Luther machte es möglich, als er die Bibel übersetzte, dass sie allen zugänglich war (Altes Testament –Hebräisch, Neues Testament- Griechisch.
Im Chor befindet sich ein Tonnengewölbe. Das weißt auf die Zeit der Romanik hin.
Vorteile eines Tonnengewölbes sind, das Malereien eine große ungeteilte Malfläche haben. Das Tonnengewölbe ist aus der Frühromanischen Architektur.
Entdeckt wurden diese Malereien, bei der Kirchenrenovierung 1956/57 als das Epitaph vom Krieger, das jetzt außerhalb der Kirche steht, versetzt wurde. Der Restaurator Eckert hat diese Malereien wieder freigelegt. Sie stammen hauptsächlich aus der Renaissance und Gotikzeit, das heißt aus dem 1400 Jahrhundert (um1350).
Auffallend sind die bunten Farben. Damals wurden häufig mit Erdfarben gemalt- und nicht so bunt. Der darauf liegende Kalkverputz hat die Farben so gut konserviert.
In der Mitte großer Christus als Weltenrichter, er sitzt auf der Weltkugel umgeben von einem Regenbogen in der Mandorla (eiförmig). Seine Hände erhebt er segnend. Über den Knien hängt ein Mantel herab. Gerahmt von geflügelten Engelswesen mit den Leidenswerkzeugen. Am Rande befinden sich geflügelte Engelwesen. Zwei größere davon sind zu Häupten Christi zu sehen, der eine trägt ein Kreuz, der andere eine Lanze. Zwei weitere zu seinen Füßen haben die Posaunen des jüngsten Gerichts. Die Augen Christi wirken fast fremdländisch, etwas mongolisch.
Zu beiden Seiten am Ende der ‚Wölbung sind je 6 Gestalten. In der Mitte etwas größere kniende Figuren: links ist es eine Frau, sie kniet und schaut fast wie verzückt nach oben, gegenüber kniet ein bärtiger Mann. In der Belsenberger Kirche ähnliche Szene als Wandfresko. Dort wird vermutet, dass sie Johannes der Täufer und Maria betend knien. Hier in Kocherstetten ist es kein Wandfresko, sondern im Tonnengewölbe, so haben sie sogar noch einen wichtigeren Platz.
An der Südwand: Der Weltenrichter mit Maria und Johannes. Neben Johannes ist der Apostel Phillipus mit einem Kreuz in der Hand. Er weißt einen Zeigegestus auf. Will damit wahrscheinlich eine Glaubensbeteuerung aussprechen. (Glaubenslehre)

Der Christusverrat – Gefangennahme Christi an der Ostwand
Von rechts kommen drei Krieger, angeführt von Judas (Gesicht ergänzt) der den Beutel hochhält. Der vordere packt Jesus am Gewand. Links hinter ihm steht Petrus, (nur noch in Resten erkennbar)

Als unterer Abschluss Wellenband. Die ganze Malerei auf blauem Grund.
Unter diesem Bild, einen Streifen mit nackten Menschen, die es mit Dornengeäst zu tun haben. (Kein Tierkopf) Dies sind Persische Märtyrer. Diese wurden später zugefügt.
Chorbogen und Fenster erhielten später noch eine Bemalung
Ca. im Jahr 1620 , am Ende der Renaissance-Zeit, mitten in der Reformation. Bilder waren nun nicht mehr gefragt, zur Verschönerung wurden Verzierungen angebracht, (an Chorbogen und Fenster) und damit alte Malereien teilweise übermalt.

Interessant ist noch eine Mitteilung vom Mai 1957. Dort hieß es in einem Zeitungsartikel, dass der Restaurator Eckert bei der Restaurierung des Chors 7 Löcher an der Chordecke gefunden hat. Es wird vermutet, dass die Kirche einmal 7 Glocken besessen hat. Durch die Löcher führten die Seile. Pfarrer Fiebig meinte damals, der Volksmund wüsste ähnliches zu berichten.

Sakramentsnische an der Chorwand
Ein katholisches Sakramentshäuschen als Aufbewahrungsort für die Hostien.
Noch ein Übigbleibsel aus der alten katholischen Marienkirche.
Gerahmt von schlanken Säulchen über einem kräftigen Schlaggesims, bekrönt von schlanken Kielbogen mit eingespanntem Dreipass und Christuskopf, mit Krabben besetzt und in Kreuzblumen endigend. Seitlich Fialen. Unten zwei Wappen: Seldeneck und Stetten.
Mitte 15.Jh.. Die Höhe der Sakramentsnische deutet darauf hin, dass ursprünglich das Niveau des Chorraumes um etwa einen Meter höher lag und wahrscheinlich beim Bau des Kirchenschiffes gesenkt wurde.